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Idar-Oberstein

Filmklassiker laufen vor dem inneren Auge ab

Es gibt sie noch – jene neugierigen, abenteuerlustigen Konzertbesucher, die aufgrund eines altmodisch wirkenden Kinoplakats ins Stadttheater kommen: „Madame Odeons wundersamer Kinopalast“ – wer die Vorankündigungen gelesen und sich rechtzeitig eine Platzkarte besorgt hatte, wusste bereits, dass es ein Filmmusik-Abenteuer mit der Eifelphilharmonie und Ralf Kramp werden würde und erinnerte sich an das Krimi-Konzert vom September 2016 in gleicher Besetzung. Auch der erste heiße Sommertag hielt die Fans nicht ab, sie gehörten zu den Glücklichen, die die Weltpremiere des neuen Werks erleben durften.

Mit nur wenigen Sätzen schaffte es Ralf Kramp, das Kopfkino der Zuhörer im Stadttheater anzukurbeln. Die Eifelphilharmonie spielte die passenden Filmmelodien und komplettierte das Bild.  Foto: Hosser
Mit nur wenigen Sätzen schaffte es Ralf Kramp, das Kopfkino der Zuhörer im Stadttheater anzukurbeln. Die Eifelphilharmonie spielte die passenden Filmmelodien und komplettierte das Bild.
Foto: Hosser

Der Kunstverein Obere Nahe hat damit zum zweiten Mal den Weg für eine Kunstform geebnet, die eine enge Verschmelzung von Livemusik und darstellender Wortkunst gekonnt in Szene setzt. Spiritus Rector ist der erfolgreiche Krimiautor Ralf Kramp, wohnhaft in der Krimihauptstadt Hillesheim und dort im Kriminalhaus mit Deutschlands größter Krimibuch-Sammlung von 30.000 Bänden.

Er ist aber nicht nur Meister der spitzen Feder und des schwarzen Humors, Kramp inszeniert seine Texte dank variabler Sprech- und Vorlesekunst dergestalt, dass der Hörer bildhaft das fiktive Geschehen miterlebt. In den gemeinsamen „Lesicals“ mit der Eifelphilharmonie und ihrem kongenialen Dirigenten Stefan Kollmann ist eine außergewöhnliche Zusammenarbeit entstanden, die ein neuartiges literarisch-musikalisches Gesamtkunstwerk geschaffen hat. Kollmann kann stolz sein auf seine Eifelphilharmonie. Die gut 50 überwiegend jungen Musiker sind außerhalb ihrer geschulten Bläserkunst auch für Sondereffekte zu gebrauchen, sei es durch Geräusche, Rufe, Pfiffe und andere außermusikalische Aktionen, die dank der eindeutigen Zeichen des Dirigenten jene Atmosphäre erzeugen, die für den Fortgang der Story entscheidend sind.

Sogar Sologesang, Harfe und Mundharmonika bereichern die symphonische Blasmusik. Das zeigt, wie eng und intensiv die Zusammenarbeit von Autor Kramp und dem Dirigenten Kollmann bei der Uraufführung des neuen Werks gewesen sein muss.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Pauline, eine fanatische Kinogängerin, findet sich plötzlich allein im altmodischen Kinopalast der buckligen Madame Odeon. wieder. Diese will die sich nach Glück Sehnende durch einen besonderen Film von ihrer latenten Traurigkeit kurieren, indem sie mit ihr neun Filmrollen auswählt, die sie jederzeit mit dem Zuruf „Film ab“ wechseln kann.

Ralf Kramp wählt charakteristische Filmausschnitte aus, die von Stefan Kollmann in Arrangements mit der authentischen Filmmusik verwoben werden. Das im Parkett und der Empore sitzende Publikum kennt sich offensichtlich aus und reagiert mit glucksendem Lachen und zunehmender Heiterkeit und Szenenapplaus. „Die Kunst Kramps besteht darin, allen Popcorn-Cineasten bestens vertraute Sequenzen mit wenigen Sätzen direkt vor dem inneren Auge erscheinen zu lassen und sie im gleichen Atemzug wieder ironisch parodierend zu brechen“, meinte der Kunstvereins-Schriftführer Jörg Staiber. „Ob es die wasserblauen Augen Peter O'Tooles im Sehschlitz eines Beduinengewandes in ,Lawrence von Arabien' waren, Old Shatterhand am Marterpfahl in ,Winnetou I', die Sequenz aus ,Der weiße Hai', in dem das idyllische Strandleben jäh durch das Auftauchen der Bestie zerstört wird, oder wie Tom Cruise in ,Mission Impossible' an Fäden über Laserfallen hängt – man war immer gleich drin in der Szene.“

Für den Kunstverein als Veranstalter bot sich die Gelegenheit, gemäß seiner Satzung die verschiedenen schöpferischen Tätigkeiten in einem meisterhaft entwickelten literarisch-musikalischen Werk zu erleben. Dank der Hauptsponsoren, der Kirner Bürkle-Stiftung und der OIE AG, und einem ermäßigten Eintrittspreis war dieses stürmisch beklatschte Event auch für viele Besucher zugänglich. Einer der Initiatoren und Fans der Eifeler Interpreten, Hans Jürgen Werle, Mitglied der Autorengruppe im Kunstverein, bedankte sich überschwänglich.

Von unserer Mitarbeiterin Elisabeth Jost

Idar-Oberstein Birkenfeld
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