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Bad Sobernheim/Meisenheim/Odenbach

Feuerwehrmann schneidet seinen Neffen aus Wrack – Eine Region muss ihre Trauer verarbeiten

Das Unglück am Samstagmorgen auf dem Bahnübergang in Monzingen, bei dem fünf junge Männer aus der Region, darunter zwei Merxheimer, ein Martinsteiner, ein Meisenheimer und ein Odenbacher, starben, schockiert die Menschen an Nahe und Glan.

Ein Transparent von Freunden für die fünf Verstorbenen an der Unfallstelle vom Samstag, dem Monzinger Bahnübergang. Daneben: Blumen und Kerzen, an denen auch gestern tagsüber viele trauernde Menschen Station machten.
Ein Transparent von Freunden für die fünf Verstorbenen an der Unfallstelle vom Samstag, dem Monzinger Bahnübergang. Daneben: Blumen und Kerzen, an denen auch gestern tagsüber viele trauernde Menschen Station machten.

Manfred Kaspar, Pfarrer in Monzingen, betreut Angehörige der Opfer und Helfer. Er erzählte dem SWR von einem unvorstellbar tragischen Aspekt des Horror-Unfalls, von einem Feuerwehrmann, der seinen Neffen aus dem Autowrack hatte schneiden müssen. „Ich habe ihn gefragt, wie er damit hatte umgehen können, er hat gesagt: ,Ich habe nur die Arbeit gesehen. Ich wusste, dass ich für meinen Neffen nichts mehr tun kann. Ich habe nur gedacht, Du musst jetzt diese Arbeit erledigen.“

Das Emanuel-Felke-Gymnasium trauert um einen 19-Jährigen Mitschüler des Jahrgangs 13, sagte EFG-Direktorin Marissa Wetzel-Schumann. Gleich am Montagmorgen habe man das Gespräch mit dem Jahrgang gesucht; in der zweiten Schulstunde habe die Schulgemeinschaft in einer Schweigeminute aller fünf Toten gedacht. Im Raum der Stille des EFG liege ein Kondolenzbuch aus, und immer sei ein Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams dabei. Im Laufe der Woche werde man zu einer großen Gedenkfeier zusammenfinden, so die EFG-Direktorin.

Bei der Jubiläumskonfirmation in der Odenbacher Kirche bestätigte sich am Sonntagmorgen, wie nahe Freud und Leid beieinander liegen. Die einen freuten sich über das Wiedersehen mit ihren früheren Mitkonfirmanden, die sie teils über Jahre hinweg nicht gesehen hatten, während andere um ihren Sohn, Bruder oder Enkel trauerten, der viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Pfarrer Jochen Walker bezog die fünf jungen Männer, die ums Leben kamen, und ihre Familie in sein Gebet ein und spendete der betroffenen Odenbacher Familie seinen Trost. Beide Mannschaften der SG Schmittweiler/Callbach/Reiffelbach/Roth gedachten ihrer getöteten Fußballkameraden in einer Schweigeminute und agierten im Trauerflor.

Ausnahmezustand am Gymnasium

Im Paul-Schneider-Gymnasium versammelten sich Schüler und Lehrer gestern Morgen zu einer Andacht mit Pfarrerin Corinna Clasen in der Internatsaula. Schon am Samstag und Sonntag hatten junge Leute den Weg zur Schule gesucht und am Haupteingang Bilder und Kerzen aufgestellt. Auch Lehrer, die in den ersten Stunden frei hatten, seien früher gekommen und hätten den Schülern für Gespräche zur Verfügung gestanden, so Schulleiterin Karin Hofmann: „In manchen Gruppen war Unterricht möglich, in den meisten aber nicht. Es habe gestern ein Ausnahmezustand am Gymnasium geherrscht, beschrieb sie die Betroffenheit von Schülern und Lehrern. Heute wolle man versuchen, wieder etwas Normalität einkehren zu lassen – soweit das möglich sei. Dabei erhoffe sie vom Kollegium entsprechendes Fingerspitzengefühl, so Hofmann weiter. Auch habe Pfarrerin Corinna Clasen weitere Hilfe angeboten.

Im Foyer des Gymnasiums wurde eine kleine Kondolenzecke mit Blumen, Kerzen, Kreuz und einem Bild des Odenbacher Schülers eingerichtet. In das Kondolenzbuch, das zu einem späteren Zeitpunkt den Eltern übergeben werden soll, können die Mädchen und Jungen ihre Gedanken schreiben. Es liegt noch die ganze Woche dort für Einträge bereit. Auch in Meisenheims Realschule plus, die einer der verunglückten jungen Männer erst in diesem Sommer verlassen hatte, gab es eine Gedenkstunde für den ehemaligen Mitschüler mit Pfarrerin Corinna Clasen für die neunten und zehnten Klassen. In allen Klassenstufen erhoben sich die Schüler zu einer Gedenkminute. Im Eingangsbereich erinnerten ein Kreuz mit Bild und Kerzen an den verstorbenen Mitschüler. Man will die Jugendlichen nicht allein lassen und ihnen helfen, das furchtbare Geschehen zu verarbeiten.

kx/mz/jo

Idar-Oberstein Birkenfeld
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