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Fischbach/Neubrandenburg

Fall Sarah aus Fischbach: Anwalt aus Idar-Oberstein will Gerechtigkeit

Der Fall stößt seit Monaten auf großes mediales Interesse und beschäftigt auch die Nutzer sozialer Netzwerke: Axel G. soll seine Partnerin, die aus Fischbach stammende Sarah H., nach einem Streit gefesselt und zu Tode gepeitscht haben (unsere Zeitung berichtete). Der Prozess beginnt am Mittwoch, 25. Januar, am Landgericht Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern).

Von unserer Redakteurin Vera Müller

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus dem Dorf Alt Rehse Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge vor. An den Folgen des Auspeitschens, das sich offenbar über Stunden hingezogen hatte, sei die Frau schließlich gestorben. Axel G. habe Sarah nach eigener Aussage "eine Lektion" erteilen wollen, heißt es in der Anklageschrift.

Polizisten hatten die stark verweste Leiche der gefesselten Frau durch Zufall im Haus des Mannes, der immer mal wieder mit der Polizei in Konflikt geraten war, gefunden. Der Beschuldigte war aus der Nähe von Stuttgart nach Alt Rehse gezogen, hatte dort eine Gaststätte erworben und war unter anderem mehrfach wegen Ruhestörung aufgefallen. Eine Ruhestörung am frühen Morgen – Axel G. hatte lautstark Trompete gespielt – war am 9. August 2016 der Auslöser, dass die Leiche der Fischbacherin, die durch die Teilnahme an der Sat.1-Kuppelshow "Schwer verliebt" 2011 einem Millionenpublikum bekannt geworden war, entdeckt wurde.

In diesem Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) soll der Tatverdächtige Axel G. die 32-jährige Sarah H. gequält haben, bevor die junge Frau vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen starb.
In diesem Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) soll der Tatverdächtige Axel G. die 32-jährige Sarah H. gequält haben, bevor die junge Frau vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen starb.
Foto: picture alliance

Rechtsmediziner klärten die Identität der 32-Jährigen, die unter gesetzlicher Betreuung stand und von Fischbach nach Alt Rehse gezogen war, nachdem sie Axel G. im Internet kennengelernt hatte. Anwohner hatten die Frau seit Wochen vermisst. Auch Kontakte in ihre frühere Heimat im Kreis Birkenfeld brachen unvermittelt ab.

Der Tatverdächtige hat laut Gericht angegeben, den Tod des Opfers nicht gewollt zu haben. Für den Prozess sind zwei Verhandlungstage geplant. Dem Beschuldigten drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Juristische Hilfe im Kampf gegen die mehr als fragwürdigen Machenschaften des Senders Sat.1 erhielt Sarah bereits 2011 vom Idar-Obersteiner Anwalt Damian Hötger, der nun die Nebenklage vertritt. Im Gespräch mit unserer Zeitung kritisiert er: "Die Anklage wegen Körperverletzung mit Todesfolge klingt mir zu sehr danach, als ob es ein Unfall gewesen sei." Denn der Paragraf 227 im Strafgesetzbuch, der Straftatbestand der Körperverletzung mit Todesfolge, sei letztendlich eine Kombination aus vorsätzlicher Körperverletzung und fahrlässiger Tötung. Der "Klassiker" sei der Pistolenschlagfall: Der Täter schlägt das Opfer mit einer Schusswaffe, wodurch sich aus Versehen ein Schuss löst und das Opfer stirbt. Im konkreten Fall sei Sarah H. aber über eine so lange Zeit gepeitscht worden, dass sie an den Schlägen verstarb: "Es muss daher dem Täter bewusst gewesen sein, dass seine Handlung zum Tod führen kann. Weshalb dann aber keine Anklage wegen eines vorsätzlichen Tötungsdeliktes erfolgt, ist nicht nachvollziehbar."

Daneben fehlten noch immer weitergehende Ermittlungen zu Tatmotiv und Vorgeschichte. Diese seien enorm wichtig, um das Handeln des Täters beurteilen und eine sachgerechte Strafe ermitteln zu können. Fragen, die im Prozess eine Rolle spielen dürften: War Axel G. schuldfähig? Hat er sich mittlerweile psychologisch begutachten lassen? Das hat der Angeklagte, der sich der Reichsbürgerbewegung verbunden fühlt, nach Informationen unserer Zeitung bislang verweigert. Es gehe letztlich um Gerechtigkeit, betont Hötger. Er kommentiert: "Sarah macht es nicht mehr lebendig – egal wie der Täter bestraft wird. Das Urteil wird ihr nicht ihr Leben zurückgeben, dass er ihr genommen hat. Aber wir brauchen ein Zeichen, dass die schlimmste Tat, die wir kennen, nämlich einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, nicht ungestraft bleibt."

Idar-Oberstein Birkenfeld
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