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Idar-Oberstein

Eine-Welt-Laden schließt: 25 Jahre lang für fairen Handel engagiert

Kaffee, Tee, Honig, Schokolade, Mangos, Pralinen – das sind bis heute die Renner im Eine-Welt-Laden an der Idarer Stadtkirche. Aber auch Körbe, Schals, Schmuck, Specksteinfiguren, Klangschalen oder Filz bekommt man hier seit einem Vierteljahrhundert. Alles fair gehandelt und meist auch ökologisch verantwortungsvoll produziert. Doch damit wird nun am 25. Mai Schluss sein. „Zum einen fehlt es an Nachwuchs, an Leuten, die bereit sind, hier Dienste zu übernehmen“, erläutert Christian Schmidt, eines der Gründungsmitglieder von Undugu. „Zum anderen sind fair gehandelte Produkte inzwischen auch in normalen Einzelhandel zu bekommen, und vor allem natürlich mehr und mehr über das Internet.“

Das Undugu-Team mit (von links) Heide Schübelin, Karina Braunschedel, Jutta Lorenz, Elke Schmidt, Liesl Merz und Joachim Schmidt verabschiedet sich von seinen Kunden.
Das Undugu-Team mit (von links) Heide Schübelin, Karina Braunschedel, Jutta Lorenz, Elke Schmidt, Liesl Merz und Joachim Schmidt verabschiedet sich von seinen Kunden.
Foto: Jörg Staiber

Das war vor einem Vierteljahrhundert zumindest in der Provinz noch ganz anders. Während in den Großstädten Dritte- oder Eine-Welt-Läden sich seit den späten 1970er-Jahren längst etabliert hatten, waren solche Einrichtungen auf dem Land noch weitgehend unbekannt. Hans Jürgen Gärtner, damaliger Pfarrer der Gemeinde Idar, gab zusammen mit seiner Frau den Anstoß zur Gründung und bekleidete auch in den ersten acht Jahren das Amt des Vorsitzenden des eigens dafür gegründeten Vereins. Das Wort Undugu stammt aus dem Kiswahili, der gängigsten Sprache in Ostafrika, und bedeutet so viel wie Partnerschaft.

Und darum ging es vor allem: Man wollte die kleinen, selbstständigen Produzenten in den sogenannten „Entwicklungsländern“ aus dem Status der Almosenempfänger herausholen, da die Erfolglosigkeit der Entwicklungspolitik längst klargemacht hatte, dass dies nur die Abhängigkeit zementiert und die Ausbeutung der früheren Kolonien nicht abmildert oder gar beendet. Die faire Partnerschaft zwischen den Produzenten in den armen und den Konsumenten in den reichen Ländern sollte zu etwas mehr Gerechtigkeit im Handel und Warenaustausch führen.

Das Ladengeschäft in der Hauptstraße 13, in dem früher der Optiker Messerschmitt sein Domizil hatte und das sich im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde befand, stand schon für längere Zeit leer und wurde nur noch als Lagerraum genutzt. Es kostete einige Überredungskünste, um den Küster davon zu überzeugen, dass er die Berge von Toilettenpapier, Seife und Putzmittel, die sich in der praktischen Unterstellmöglichkeit befanden, anderswo einlagert. Dann musste entrümpelt, neue Leitungen gelegt, eine Eingangstür gebaut und der Laden schließlich renoviert werden. Ein Verein wurde gegründet, um die Trägerschaft zu übernehmen, und es fanden sich auch ausreichend Freiwillige, die die Ladendienste übernahmen.

Drei Hauptziele hatte man sich mit dem Laden gesetzt. Produzenten aus „Entwicklungsländern“ einen Absatzmarkt für ihre Produkte zu geben. Über Probleme der „Dritten Welt“ zu informieren und schließlich mit erzielten gewinnen Gewinnen und Überschüssen Entwicklungsprojekte zu fördern.

Über die vergangenen zweieinhalb Jahrzehnte gab es ein häufiges Auf und Ab im Geschäftsbetrieb, wobei allerdings die ungünstige Lage abseits der Einkaufszentren und die mehr als schlechte Parkplatzsituation auch dazu beigetragen haben dürften, dass der wirtschaftliche Erfolg sich immer in Grenzen hielt. Aber immerhin konnten aus den Überschüssen jedes Jahr Summen für Entwicklungsprojekte in Indien, Nepal oder auch Südamerika gespendet werden.

Lebensmittel bis zum Schluss

„Uns hat der Umsatz aber immer mehr interessiert als der Gewinn“, unterstreicht Schmidt. Jetzt geht man mit dem Geschäft in die letzte Phase. Während die Non-Food-Artikel allmählich ausverkauft werden sollen, wird man bei Lebensmitteln wie Kaffee, Tee oder Schokolade, die den Hauptumsatz ausmachen, noch immer weiter nachbestellen. Stets hat zum „Geschäftsmodell“ auch dazugehört, dass man bei besonderen Anlässen in der Gemeinde oder bei Märkten mit einem Stand vertreten ist. Zwei solcher Aktionen stehen noch auf dem Programm des Teams. Am kommenden Sonntag, 18. März, wird beim Gottesdienst in der benachbarten katholischen Gemeinde Peter und Paul ein Stand betrieben. Und der allerletzte Auftritt bei einer Veranstaltung wird dann am 10. Mai beim gemeinsamen Kinderfest der Gemeinden auf der Lay erfolgen.

Von unserem Reporter Jörg Staiber

Idar-Oberstein Birkenfeld
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