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    Sulzbach

    Drechselkunst aus Sulzbach: Auf Form, Farbe und Struktur kommt es an

    Holz ist nur ein einsilbiges Wort, doch dahinter verbirgt sich eine Welt voller Schönheit und Wunder. Diese Erkenntnis kann der Sulzbacher Hobbydrechsler Walter Emrich nur unterstreichen. Holz hat in den Jahrtausenden seiner Verwendung als Bau- und Werkstoff nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt.

    Hobbydrechsler Walter Emrich bei der Arbeit in seiner Werkstatt: Der Sulzbacher ist auf der Suche nach der Seele des Holzes, das er mit Gefühl bearbeitet.  Foto: Günter Weinsheimer
    Hobbydrechsler Walter Emrich bei der Arbeit in seiner Werkstatt: Der Sulzbacher ist auf der Suche nach der Seele des Holzes, das er mit Gefühl bearbeitet.
    Foto: Günter Weinsheimer

    Von unserem Mitarbeiter Günter Weinsheimer

     Holz lebt, es ist vielfältig in Art und Eigenschaft, ökologisch sinnvoll und nicht zuletzt: Holz ist schön. Jedoch: Seine Komplexität, seine Vielfalt und Individualität machen Holz auch zu einem anspruchsvollen, wenn nicht zu dem anspruchvollsten Werkstoff, den wir kennen. Der in Hochstädten bei Kirn geborene Emrich machte aus der Not eine Tugend. "Eigentlich wollte ich als 14-Jähriger den Beruf eines Schreiners oder Zimmermannes erlernen. Ausbildungsplatzmangel führte mich dann doch zu Philipp Becker nach Kirn, wo ich als Malerlehrling anfing."

    Erfahrung und Wissen

    Beide Berufe sind heute Hobbys des rüstigen Sulzbacher Rentners. "Die Wintermonate sind es, da habe ich die tollsten Ideen. Wenn ich drechsle, dann vergesse ich alles rund um mich herum", sagt Emrich beim NZ-Gespräch in seiner Drechslerwerkstatt, in deren Mitte noch ein alter Ofen seine Dienste tut. Häufig besuchen ihn Sulzbacher Freunde, Nachbarn und Altersgenossen und probieren auch den selbst hergestellten Brombeerlikör. Gern schauen sie dem Künstler über die Schulter bei der Holzbearbeitung respektive dem Schleifen von Holz, was ein hohes Maß an Erfahrung und Wissen voraussetzt. Schleifen ist der entscheidende Arbeitsschritt auf dem Weg zu einem tadellosen Finish. Mittels Schleifen werden Holzoberflächen geglättet, Maserungen herausgearbeitet und Reliefs betont. "Harte Holzarten haben bis auf wenige Ausnahmen eine kürzere Faserstruktur als weiche Hölzer, wodurch sich auch die Zerspanbarkeit verbessert", erzählt der 74-Jährige in seiner Werkstatt, die mit einer Bandsäge Marke Eigenbau, Fräse, Kreissäge, Schleifmaschine und einem Nassschleifgerät ausgestattet ist.

    Lehrgänge besucht

    Natürlich gehört auch ein Lagerraum mit den unterschiedlichsten Holzsorten dazu. Drechseln ist Emrichs liebstes Hobby, zwei Drechsellehrgänge hat er besucht. 1985 hat er sich eine Drechselbank zugelegt, das Herzstück in seiner Werkstatt, die er hegt und pflegt. Dicht daneben hängen diverse Messer. Ordnung ist Walter Emrichs höchstes Gebot. Alles Holz, das Emrich in seiner Werkstatt bearbeitet, stammt aus Sulzbach. Einmal hat er sich aus einem Südtirolurlaub ein Stück Zirbelkiefer mitgebracht. Nussbaum- und Apfelbaumholz lässt sich am besten bearbeiten, während bei Kirschbaumholz die schönsten Maserungen zum Vorschein kommen. "Bevor ich ein Stück Eichen- oder Buchenholz in den Holzofen schiebe, überlege ich mir dreimal, ob es nicht besser für die Drechselbank geeignet ist", scherzt Emrich .

    Das, was die Natur in vielen Jahrzehnten hervorbringt, legt Emrich in kräftezehrender Arbeit auf seiner Drechselbank frei. Er reduziert es auf seine Seele, auf einen kleinen Querschnitt des Baumes, beschränkt sich auf die Variationen des vermeintlich immer gleichen. Gern wandern die Finger über den zerfurchten Rand einer Eschenschale oder streicheln die lederartig anmutende Oberfläche eines Eichengefäßes. Eine Eieruhr aus Nussbaum steht in Emrichs Vitrine. "Das war mein erstes Werkstück, auf das ich besonders stolz bin", sagt Emrich. Daneben stehen - schön platziert - Obstschalen, Kerzenständer, Salatschüsseln, mit Obst aus Holz gefüllt, und auch Weihnachtsglöckchen. "Jedes Exemplar wird mit Dänisch-Öl lasiert, was dem Werkstück einen besonderen Glanz gibt", erzählt der Hobbydrechsler, der übers Jahr verschiedene Bauernmärkte besucht und dort seine tollen Produkte anbietet. Form, Farbe und Struktur sind es, mehr brauchen die filigranen Objekte von Walter Emrich nicht, um ihren besonderen Reiz zu entfalten.

    Manches Geburtstagsgeschenk beweist dies in Sulzbacher Wohnzimmern. Emrich war zeitlebens als Anstreicher beschäftigt, und da kommt man unweigerlich auf ein weiteres Hobby. Seit vier Jahren betätigt er sich auch als Maler. Gemeinsam mit den Sulzbachern Otto Hofmann und Karina Nagel besuchte er die Malschule Rolf Hölter in Annenberg. Gemeinsam stellten die drei Künstler schon im Sulzbacher Kirchsaal ihre Bilder und Kunstwerke aus. Im Herbst ist eine 14-tägige Ausstellung in Herrstein geplant. Emrich widmet sich in erster Linie dem Stillleben, der Porträt- und Landschaftsmalerei. Gerade malt er zum Geburtstag seiner Tochter deren Geburtshaus in Sulzbach. Langweilig wird es Emrich im Rentneralltag nie. Mit 14 Jahren war er schon aktiver Sänger des MGV Hochstädten.

    Vor Kurzem wurde er für 60-jährige Sangestätigkeit geehrt. "Ich versuche, keine Chorprobe zu versäumen", sagt Emrich, der heute noch im Männerchor Sulzbach aktiv ist.

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