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    Dienstweiler: 650 Jahre alt und trotzdem quicklebendig

    Es muss nicht immer das ganz große Brimborium sein, auch wenn es kurzzeitig mehrfach laut „bumm“ machte: Am Samstag war wohl fast das ganze Dorf auf den Beinen, als im kleinen Dienstweiler, wo aktuell rund 350 Menschen leben, mit einem fein zusammengestellten Programm das 650-jährige Bestehen der Gemeinde gefeiert wurde.

    „Es ist vermutlich das erste Jubiläumsfest in der Geschichte unseres Dorfs gewesen“, sagte Ortsbürgermeister Sebastian Caspary. Denn 1967 wurde eine solche Veranstaltung definitiv nicht organisiert, und dass es in noch fernerer Vergangenheit ein solches Fest gegeben hat, ist jedenfalls nicht mehr aktenkundig. „Also feiern wir jetzt das 600-jährige Bestehen einfach nach, das 650-Jährige sowieso und das 677-Jährige gleich mit“, meinte Caspary scherzhaft.

    Geburtstagsfest mit Verspätung

    Hintergrund dieser zunächst etwas merkwürdig anmutenden Aussage: Die Gemeinde hatte im Hinblick auf das Geburtstagsfest eine Ortschronik erstellen lassen. Bei den Forschungen dafür hatte Historiker Rolf Weber herausgefunden, dass Dienstweiler nicht – wie ursprünglich angenommen – 1267 erstmals urkundlich erwähnt wird, sondern sich ein entsprechender Eintrag bereits im Jahr 1240 findet. „Das war für uns aber natürlich kein Grund gewesen, das Fest wieder abzublasen. Rolf Weber hat uns außerdem auch damit getröstet, dass man wahrscheinlich sogar ein noch ein älteres Datum der Ersterwähnung findet, wenn man nur weiter tief genug in den Archiven graben würde“, betonte Caspary.

    Da sich die Dienstweilerer angesichts der neuen historischen Erkenntnisse also nicht vom Feiern abhalten ließen, war am Samstag im Gemeinschaftshaus, in dem Kaffee und Kuchen verkauft wurden, und auf dem Platz hinter dem Gebäude, wo Getränkestand und Festzelt aufgebaut waren, ganztägig viel los. Auch an Spaß für die Kinder war mit Hüpfburg und Zaubershow gedacht. Zudem konnten sich die Besucher die Oldtimertraktoren anschauen, die neben dem Dorfbrunnens ausgestellt waren, oder sie durften morgens den Darbietungen des Gemischten Chors Dienstweiler und des Musikvereins Ruschberg lauschen.

    Natürlich gehören zu einem solchen Jubiläumsfest auch Grußworte dazu. Dazu waren Pfarrerin Ira Köhler, die CDU-Bundestagsabgeordnete Antje Lezuis, der SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Noss, VG-Chef Bernhard Alscher sowie Landrat Matthias Schneider gekommen. Sie alle hatten viel Lob für den Ort, seine Entwicklung und dessen Bürger parat, wobei der Landrat noch schmunzelnd hinzufügte, dass er ein besonderes Augenmerk auf Dienstweiler habe, weil er ja ganz in der Nähe auf Burg Birkenfeld wohnt und abends öfter mal beim Spazierengehen schaut, was sich zum Beispiel im Neubaugebiet von Dienstweiler so alles tut.

    Mit dieser Aussage des Landrats ist fast schon der perfekte Bogen zur neuen Ortschronik geschlagen. Denn in ihr kommt auch zur Sprache, dass im Mittelalter viele Diener und Wachleute der Birkenfelder Burg in Dienstweiler wohnten und diese sich daran erfreuen konnten, dass ihre Herren sie von den meisten Abgaben befreiten, die andere Untertanen zahlen mussten.

    Gemeinschaftswerk vieler Autoren

    Die 280 Seiten starke Ortschronik wurde am Nachmittag von Caspary und Karsten Schultheiß von der Kreisverwaltung präsentiert. Sie gaben damit zugleich den Verkaufsstart für das Buch, das zum Preis von 24 Euro erhältlich ist und auf dessen Inhalt die NZ noch ausführlicher eingehen wird. Neben Schultheiß, der federführend die Redaktion übernahm, hatte auch der Ehrenvorsitzende des Vereins für Heimatkunde, Adolf Grub, maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Ortschronik. Deren auffallende Besonderheit ist es, dass sie ein großes Gemeinschaftswerk ist und viele der insgesamt 33 Beiträge von 18 verschiedenen Autoren von Einheimischen aus Dienstweiler verfasst wurden. Viel Wert wurde in der Ortschronik auch darauf gelegt, dass sie, abgesehen vom Blick aufs Mittelalter, nicht mit ellenlangen historischen Abhandlungen überfrachtet wurde, sondern die jüngere Vergangenheit und die Gegenwart eine wichtige Rolle spielen. Insofern ist die Chronik auch ein lebendiges Ortsporträt, da sie zum Beispiel fast alle Häuser im Ort abbildet und von deren Geschichte sowie den früheren und aktuellen Bewohnern erzählt. Auch wird geschildert, was es mit dem Strohbären auf sich hat, der traditionell am Fastnachtsdienstag durchs Dorf geführt wird.

    Mit den Schüssen aus den Pistolen und Gewehren der Böllerfreunde Nahetal wurde schließlich das Abendprogramm mit Livemusik der BBQ Blues Band und der Gruppe Independent eingeläutet. „Es war ein schönes Fest, das sehr gut angenommen wurde. Das Zelt war fast den ganzen Tag über voll“, resümierte Caspary.

    Dank an 50 freiwillige Helfer

    Ein wichtiger Faktor für das Gelingen der Veranstaltung war zudem, dass – abgesehen von einem Schauer am späteren Nachmittag – der Wettergott den Dienstweilerern hold war und es fast die ganze Zeit über trocken blieb. Zudem bedankte sich Caspary ausdrücklich bei den rund 50 Helfern, die beim Fest zum 650. Geburtstag freiwillig im Einsatz waren.

    Von unserem Redakteur
    Axel Munsteiner

    grenze-BZ

    Das war am Samstag in Dienstweiler so alles los: Caroline und Pascal Theis schauten mit ihren Töchtern Elisa und Luise bei der Ausstellung von Oldtimertraktoren vorbei. Zum 650-jährigen Bestehen des Dorfs gab es von den Nachbarn aus Hoppstäden-Weiersbach einen Marmorstein als Geschenk. Auf der Bühne im Festzelt versammelten sich einige Autoren der Ortschronik.

    Danach ließen es die Böllerfreunde Nahetal krachen. Foto: Axel Munsteiner

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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