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Herrstein

Der letzte Müller kann noch viel erzählen

Jörg Staiber

Alte Mühlen umweht neben einem gehörigen Schuss Nostalgie oft der Hauch des Geheimnisvollen, manchmal sogar etwas Zwielichtiges. So kann man sich auch bei der an einem versteckten Abschnitt des Fischbachs gelegenen Hahnenmühle gut vorstellen, dass sich dort Schinderhannes mit seinen Spießgesellen getroffen hat, die Mühle vielleicht sogar eines seiner Verstecke war, gerade so wie die nahe gelegene Mühle in Weiden, wo er 1798 festgenommen wurde.

Angst vor Räubern muss dort aber am kommenden Sonntag und Montag jeweils von 11 bis 18 Uhr niemand haben, wenn Berthold Braun, der letzte aktive Müller der Hahnenmühle, und sein Sohn Matthias möglichst zahlreiche Gäste anlässlich des Deutschen Mühlentages begrüßen möchten.

Besucher können nicht nur die Mühle im weitgehenden Originalzustand bewundern, so wie sie seit ihrem letzten Umbau im Jahr 1907 erhalten ist. Neben Führungen und einigen Demonstrationen wird es auch eine Ausstellung mit Werkzeugen aus dem Nachlass des Mühlenbauers Fickus aus Schauren geben. Mühlenbauer waren nicht nur für den Neu- und Umbau von Mühlen zuständig, sondern wurden auch bei größeren Reparaturen, die der Müller nicht selbst erledigen konnte, zu Hilfe gerufen. Das brachte ihnen die Bezeichnung „Mühlendoktor“ ein, und eine Rechnung belegt, dass man auch auf die Hahnenmühle die Dienste des Schaureners in Anspruch genommen hatte.

Wie lange die Hahnenmühle bereits besteht, lässt sich nicht genau feststellen, aber vermutlich bereits seit dem Mittelalter. Obwohl nicht weit vom Herrsteiner Ortskern gelegen (wenn man Herrstein in Richtung Kempfeld verlässt, geht hinter der Firma Wayand ein Weg nach links ab), gehört die Hahnenmühle doch zum Gemeindegebiet von Mörschied, war vermutlich sogar einmal Bannmühle, was bedeutet, dass alle Bauern des jeweiligen Grundherrn ihr Korn nur in dieser Mühle mahlen lassen konnten. Den Namen Hahnenmühle erhielt sie von Peter Hahn, der gegen 1850 nach Einheirat in die Mühle eine rege Bautätigkeit entwickelte und den Betrieb erheblich vergrößerte.

Der Besucher bekommt auf dem idyllischen Gelände einiges geboten, im Mittelpunkt steht aber natürlich das für seine Art untypische Mühlengebäude. Mühle und Wohnbereich sind unter einem Dach zusammengefasst, was allein schon unüblich ist. Noch ungewöhnlicher ist die innere Anordnung der Mühle: Die beiden unteren Ebenen sind in der Art von Halbgeschossen gegeneinander versetzt, der obere Teil ruht anstatt auf Stützmauen auf gusseisernen Säulen. Vor 1930 wurde das baufällige zweite Wasserrad durch einen Elektromotor ersetzt. Während des Zweiten Weltkrieges lief die Mühle wegen des kriegsbedingten Ausfalls vieler Großmühlen zumeist im 24-Stunden-Betrieb und wurde somit stark beansprucht. Deswegen musste in der Nachkriegszeit eine Überholung und Modernisierung erfolgen: Schälgang sowie Ausmahlgang wurden durch eine Schälmaschine oder einen zweiten Walzenstuhl ersetzt.

Bertholt Braun war der letzte aktive Müller der Hahnenmühle. Hier hatte er bereits von 1949 bis 1953 seine Lehrzeit absolviert. „Wir waren damals noch fünf oder sechs Müllerlehrlinge in der Berufsschule“, erinnert er sich. „Insgesamt gab es im Kreis rund 20 Mühlen, allein vier in Fischbach. Doch in den 1960er-Jahren begann das große Mühlensterben, wobei viele der kleineren Mühlen mit Stilllegungsprämien zur Aufgabe gedrängt wurden.

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Jörg Staiber

Idar-Oberstein Birkenfeld
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