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    Abentheuer

    Denkmaltag in der einstigen Eisenhütte: In Abentheuer wurde wieder Metall gegossen

    Mit einem umfangrangreichen Programm haben Caspar Kampf, der Besitzer der einstigen Eisenhütte Abentheuer, sowie Julia und Thorsten Flick, die im benachbarten früheren Verwaltungsgebäude seit etwa einem Jahr die Ferienwohnung „Zeiträume” anbieten, anlässlich des Tags des offenen Denkmals 2017 viele Besucher nach Abentheuer gelockt. Den ganzen Tag über war auf dem Gelände am Dorfrand ein stetes Kommen und Gehen von Interessierten. Unter dem Motto „Macht und Pracht“ hatten sie sich auf einen spannenden und informativen Tag eingestellt.

    Besitzer Caspar Kampf (links) zeigt, beobachtet von einem Besucher, wie einst in der Hütte Gussstücke produziert wurden.  Foto: Ilona Brombacher
    Besitzer Caspar Kampf (links) zeigt, beobachtet von einem Besucher, wie einst in der Hütte Gussstücke produziert wurden.
    Foto: Ilona Brombacher

    Zum Tag des offenen Denkmals eröffneten die Eheleute Flick zudem in ihrem Haus einen aufwendig renovierten Fachwerkladen, in dem sie nachhaltige, ökologische Baustoffe anbieten. Zudem lud der jüngst auf die Eisenhütte Abentheuer gezogene Schriftsteller und Künstler Norman Liebold in sein neu eingerichtetes Atelier ein und stellte seinen seit 2002 bestehenden Verlag Amator Veritas mit Lesungen vor.

    Großes Interesse fanden neben den Gießvorführungen die Führungen über das weitläufige Gelände mit den zahlreichen monumentalen Zeugen der Vergangenheit. Mehr als 70 Gäste folgten allein der Mittagsführung, obwohl das Wetter gerade zu diesem Zeitpunkt sehr gemischt und eher feucht war. Sehr aufmerksam und doch aus sicherem Abstand beobachteten gut 50 Zuschauer die Gussvorführung, bei der ein für die Region typisches Schild für den neuen Fachwerkladen gefertigt wurde. Caspar Kampf, Nachfahre der einstigen Hüttenbetreiber, erläuterte den Formenbau am Beispiel einer der Festplaketten, wie sie auch zu Beginn der Eisenindustrie im Hunsrück gängige Praxis waren. Der Erlös der entstandenen Gussstücke aus Messing, Bronze und Silber kommt dem Erhalt des Industriedenkmals zugute.

    Niemand fühlte sich gedrängt, das weitläufige Gelände mit seinen diversen Nebengebäuden bot den Gästen allerhand Bestaunenswertes wie die Ferienwohnung „Zeiträume“, in der sich die Lebens- und Firmenphilosophie der Betreiber widerspiegelt, als auch die Ahnenbildergalerie im Haupthaus auf dem Weg zur Verköstigung mit Gulaschsuppe und Kuchen. Unter dem altehrwürdigen Walnussbaum konnten Messer, Möbel und Taschen begutachtet werden. Unter einem Pavillon stand der stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Nationalpark Hunsrück-Hochwald, Rainer Scriba, für Fragen rund um das Schutzgebiet zur Verfügung, dessen Grenze sich direkt hinter der einstigen Eisenhütte befindet. Zur Geschichte des Industriedenkmals, das 1499 erste Erwähnungen findet, ist eine gesonderte Reportage in Arbeit, die demnächst in der Nahe-Zeitung veröffentlicht wird.

    Das Großvorhaben des jetzigen Besitzers Caspar Kampf, das von Paulus Eisenschmidt erbaute Hüttenwerk mit viel Eigenarbeit und Unterstützung von Denkmalfreunden in die Zukunft zu überführen, ist dem jungen Familienvater keine Erblast, sondern heimatverbundene Verpflichtung. Der „Abenteuerspielplatz seiner Kindheit“, wie er ihn selbst nennt, wurde für ihn und seine Unterstützer zum greifbaren Verbindungsglied zur Regionalgeschichte, das gerade auch für die Entwicklung des Tourismus im Nationalparklandkreis eine enorme Anziehungskraft ausüben könnte. Denn zur Geschichte der Nationalparkregion gehören ja nicht nur die Kelten und die Römer, sondern gerade auch die Eisenindustrie des 17. und 18. Jahrhunderts. Stolz zeigte Kampf den Gästen auch eine aus Gusseisen gefertigte Brücke mit sechs Meter Spannweite, wie sie in ganz Deutschland nur sechsmal existiert. Das Exemplar aus Abentheuer wurde 1981 anlässlich der 125-Jahr-Feier des Vereins Deutscher Ingenieure nach Berlin transportiert. Kampfs Absicht ist, sie auf dem Hofgut an ihrer angestammten Stelle wiederaufzubauen.

    Von unserer Mitarbeiterin Ilona Brombacher

    In der Blütezeit schufteten 300 Arbeiter an den Hochöfen

    Mit ihrer enormen Roheisenproduktion zählte die Abentheurer Hütte zu den größten der insgesamt 65 Eisenwerke zwischen Saarburg und Rheinböllen, erklärt der heutige Besitzer Caspar Kampf den Zuhörern bei einer der Führungen: „Hier befand sich das erste Eisenschneidwerk auf deutschem Boden.“ Der Unternehmer Remacle de Hauzeur führte aus Wallonien diese Technik ein, die in Deutschland viele Nachahmer fand.Um die beiden Hochöfen zu befeuern, wurde täglich die Holzkohle aus 80 Festmetern Buchenholz benötigt. Nur zweimal sei ein Hochofen länger als ein Jahr ohne Unterbrechung in Betrieb gewesen. Ein wichtiger Standortfaktor war die Kraft von einst 16 Wasserrädern und das dazu benötigte Gefälle auf dem Hüttengut.In der Blütezeit um 1775 beschäftigte die Abentheurer Hütte 300 Arbeiter.

    100 Jahre später wurde sie stillgelegt. ilb

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