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Kreis Birkenfeld

Busfahrer bringt Knirps wieder nach Hause

Was macht ein kleiner Junge, vielleicht drei oder vier Jahre alt, der mit dem Bus in den nächsten Ort zum Kindergarten möchte und feststellen muss, dass die Kindertagesstätte geschlossen hat? Er weint. Nicht so, wenn der Busfahrer Armin Tatsch heißt.

Armin Tatsch ist mit Leib und Seele Busfahrer. Die Ruhe, die er ausstrahlt, überträgt sich meist auch auf seine Kundschaft.
Foto:  Andreas Nitsch
Armin Tatsch ist mit Leib und Seele Busfahrer. Die Ruhe, die er ausstrahlt, überträgt sich meist auch auf seine Kundschaft.
Foto: Andreas Nitsch

Kreis Birkenfeld – Was macht ein kleiner Junge, vielleicht drei oder vier Jahre alt, der mit dem Bus in den nächsten Ort zum Kindergarten möchte und feststellen muss, dass die Kindertagesstätte geschlossen hat? Er weint. Nicht so, wenn der Busfahrer Armin Tatsch heißt.

Aber der Reihe nach: Armin Tatsch fährt seit Beginn des neuen Schuljahres eine neue Route, aber das ist für ihn nichts Ungewöhnliches. Schließlich ist er seit knapp 44 Jahren Busfahrer. Da sind Tourenänderungen an der Tagesordnung. Um 7.04 Uhr startet er in seinem Heimatdorf Hottenbach. Über Hellertshausen und Stipshausen geht's zur ehemaligen Kaserne nach Rhaunen, von dort zur Schule. Zunächst fährt Tatsch Schüler; danach sind die Kindergartenkinder an der Reihe. In Weitersbach, Hausen, Oberkirn und Gösenroth sammelt er die Mädchen und Jungen ein, lässt sie am Katholischen oder am Evangelischen Kindergarten in Rhaunen raus. Der Nachwuchs wird dort stets schon von einer Kindergärtnerin erwartet. So weit der unspektakuläre Alltag.

Doch am Montag ist alles ein wenig anders. Schon in Weitersbach steigt kein Kind ein, auch in Hausen herrscht gähnende Leere an der Bushaltestelle. "Das kam mir schon komisch vor", erzählt der Senior. Er denkt sich allerdings nichts weiter dabei, schließlich komme es schon mal vor, dass Eltern ihre Kinder zu Hause lassen. Und in Oberkirn hellt sich seine Miene auch schon wieder auf. Dort steht zumindest ein Junge mit seinem Vater. Der Bub steigt ein, winkt kurz, und schon ist er auf dem Weg Richtung Rhaunen. Ein wenig verloren sieht der Kleine aus in dem riesigen Bus mit seinen 48 Plätzen.

In Rhaunen angekommen, steht an der Haltestelle für die Kinder des Katholischen Kindergartens niemand; ähnlich ist es am nächsten Stop. Hier will der drei oder vier Jahre alte Knabe aussteigen. Doch keine Kindergärtnerin wartet auf ihn, niemand sonst nimmt ihn in Empfang. Was also macht Armin Tatsch? Er schließt seinen Bus ab, nimmt den Kleinen an die Hand und dackelt mit ihm die gut 120 Meter hoch zur Kindertagesstätte. Doch dort ist alles verrammelt, das Eingangstor geschlossen. Was bleibt dem freundlichen Busfahrer anderes übrig, als mit dem Knirps wieder zum Bus zurückzugehen? Beiden ist allerdings nicht bange, mehr noch: Der Junge scheint sich sogar zu freuen, solch ein Abenteuer erleben zu dürfen.

Und dieses Abenteuer ist noch nicht zu Ende. Tatsch verfrachtet den Racker wieder in den Bus und fährt ihn schnurstracks wieder nach Oberkirn, wo er ja zugestiegen war. "Zum Glück konnte der Junge sagen, wo er wohnt", berichtet der über 70-Jährige weiterhin – sein genaues Alter möchte er nicht in der Zeitung veröffentlicht wissen. Es geht schon langsam auf 9 Uhr zu, da klingelt der Busfahrer an der Wohnungstür, glücklicherweise ist der Vater zu Hause. Völlig überrascht, aber froh nimmt er seinen Jungen in die Arme und stammelt: "Uns hat keiner Bescheid gesagt." Busfahrer Tatsch nickt verständnisvoll, lächelt verhalten, und mit einem knappen "Es ist ja nichts passiert" verabschiedet er sich auch schon.

Erst knapp zwei Wochen zuvor ist ihm ein ähnlicher Fall passiert. Nach einer Tour, alle verbliebenen Kinder waren am Evangelischen Kindergarten ausgestiegen, geht Tatsch – wie er es jeden Tag nach Tourende macht – noch einmal durch seinen Bus. "Plötzlich ragt da ein Fuß in den Gang", betont er. Die Situation ist klar: Das Kind war eingeschlafen und hatte so seine Station verpasst. Natürlich fährt Tatsch auch diesen Burschen zu seinem ursprünglichen Ziel, in den Katholischen Kindergarten. Ob der Junge – übrigens ebenfalls aus Oberkirn – denn ängstlich reagiert oder gar geweint hat, wollen wir wissen. "Bei mir weint niemand", entgegnet Busfahrer Armin Tatsch – fast schon ein wenig entrüstet. Und man glaubt es dem sympathischen Mann aufs Wort.

Von unserem Redakteur

Andreas Nitsch

Idar-Oberstein Birkenfeld
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