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    Kreis Birkenfeld

    Bürgerversammlung zur Wassergall: Sachliche Diskussion trotz Wut und Ärger

    Richtig voll war das Sportheim Regulshausen am Donnerstagabend, als bei einer von der Bürgerinitiative „Offene Wassergall“ organisierten Versammlung über die Schließung des auf Hintertiefenbacher Gemarkung liegenden Teilstücks und mögliche Schritte zur Lösung des Problems diskutiert wurde. Trotz aller deutlich werdender Empörung der Regulshausener wurde es keineswegs die hitzige und chaotische Veranstaltung, die viele prognostiziert hatten, sondern bei aller zwischendurch bisweilen aufbrausenden Stimmung eine sachliche und am Thema orientierte Debatte.

    Von unserem Reporter Jörg Staiber

    Das hing sicher auch damit zusammen, dass drei von vier Politikern aus der Region kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt hatten. So waren – einen Tag, nachdem die Sperrung mit der Aufstellung einer Schranke zementiert worden war – Oberbürgermeister Frank Frühauf, VG-Bürgermeister Uwe Weber und die Bundestagsabgeordnete Antje Lezius nicht erschienen. Lediglich der SPD-Bundestagskandidat Joe Weingarten kam und ließ sich sechs Wochen vor der Wahl die Gelegenheit nicht entgehen, bei einem brisanten Thema als weitgehend Unbeteiligter eine gute Figur zu machen. Dabei fand er geschickt die Balance zwischen einer verständnisvollen Haltung für die Wut der Regulshausener und einer vermittelnden Position, indem er etwa bis zum Bau einer neuen Trasse die stundenweise Öffnung der Wassergall für Pendler forderte, aber auf der anderen Seite auch das rücksichtslose Fahrverhalten vieler Regulshausener vor der Schließung anprangerte.

    Rechtzeitig zur Bürgerversammlung wurde die Schranke an der Wassergall installiert. Bundestagskandidat Joe Weingarten, der aus Alsenz anreiste, wurde übrigens von Navi und Smartphone zur Wassergall geleitet. Er wusste natürlich, dass er die Zufahrt über die Vollmersbachstraße nehmen musste. Foto: Hosser<br>
    Rechtzeitig zur Bürgerversammlung wurde die Schranke an der Wassergall installiert. Bundestagskandidat Joe Weingarten, der aus Alsenz anreiste, wurde übrigens von Navi und Smartphone zur Wassergall geleitet. Er wusste natürlich, dass er die Zufahrt über die Vollmersbachstraße nehmen musste.
    Foto: Hosser

    Zunächst stellte BI-Sprecher Joachim Elfner die Entwicklung aus Sicht der BI dar. Dabei hob er sein Unverständnis für die Absagen von Frühauf und Weber hervor, aber auch das aus seiner Sicht mangelnde Engagement des Landrats. „Wir sind entsetzt, dass die Verwaltungschefs sich wegducken“, kritisierte er. Es sei bei gutem Willen von beiden Seiten eine einvernehmliche Lösung möglich, aber seitens der VG Herrstein nie gewollt gewesen. Zum Beleg zitierte Elfner eine Bemerkung, die am Ende eines Gesprächs mit Verwaltungsvertretern gefallen sein soll: „Wenn sich herausstellen sollte, dass die Wassergall gewidmet ist, dann entwidmen wir sie eben.“

    Dem OB warf Elfner vor allem vor, dass er gegenüber dem Verwaltungsgericht die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge über die Wassergall als unproblematisch dargestellt habe. Elfner verteidigte, dass man bei der nun eingereichten Feststellungsklage die Frage nach der Widmung für die gesamten 1,7 Kilometer der Verbindung, also auch den Idar-Obersteiner Abschnitt, stelle. Erst dadurch werde deutlich, so Elfner, dass die Wassergall in ihrer Gesamtheit eine öffentliche Straße sei.

    Volles Haus im Regulshausener Sportheim. Diskutiert wurde lebhaft, aber meist fair und sachlich.  Foto: Hosser
    Volles Haus im Regulshausener Sportheim. Diskutiert wurde lebhaft, aber meist fair und sachlich.
    Foto: Hosser

    Gefragtester Mann in der Runde war an diesem Abend Rechtsanwalt Gunther Cherdon, der die BI vertritt. Der frühere Ministerialbeamte kritisierte mit deutlichen Worten das Verhalten der städtischen Verwaltung, die sich seiner Auffassung nicht genug für ihre Regulshausener Bürger einsetze. Die bisherigen Urteile der Gerichte sind aus seiner Erfahrung auch zum Teil damit zu erklären, dass man sich dort kaum vorstellen könne, dass sich Verwaltungen – etwa bei der Frage der Rettungswege – so unverantwortlich verhalten und sie deshalb viele Ausführungen der BI nicht ernst nähmen.

    Zahlenmäßig stark vertreten waren Mitglieder des Stadtrates, abgesehen von CDU und der Linken, von denen niemand erschienen war. Am Schluss der Veranstaltung bezogen die Fraktionsvorsitzenden von SPD, LUB und Freie Liste sowie Grünen-Stadträtin Kerstin Rogoll, Stellung. Man sei vom Vorschlag des Oberbürgermeisters, eine alternative Trasse zur Kreisstraße 34 anzulegen, überrascht worden, bekannte SPD-Sprecher Jupp Mähringer und gab zu verstehen, dass der Meinungsbildungsprozess in seiner Partei bezüglich künftiger Lösungen noch nicht abgeschlossen sei.

    Es müsse alles Denkbare getan werden, um eine Lösung zu finden, betonte LUB-Sprecher Harald Iring, der selbst in Regulshausen wohnt. Die beste sei zweifellos der Ausbau der bestehenden Trasse, ansonsten müsse man über Alternativen nachdenken. „Es ist bemerkenswert, was ihr auf die Beine stellt“, zollte Thomas Engel der BI Anerkennung. Allerdings habe sie durch das jüngste Verwaltungsgerichtsurteil an Boden verloren. Der Ansatz des OB, eine alternative Trasse anzustreben, sei der richtige Weg.

    Kerstin Rogoll gab zu bedenken, dass der Neubau einer Trasse sowohl finanzielle als auch zeitliche Probleme mit sich bringe, auf jeden Fall müsse eine Zwischenlösung gefunden werden. Sie regte an, künftige Verhandlungen von einem professionellen Mediator begleiten zu lassen. Die kämpferischsten Worte an diesem Abend kamen von SPD-Stadträtin Elisabeth Jost. Auch wenn Gerichte die Sperrung bislang als rechtmäßig beurteilt hätten, so würden sie doch von den meisten Bürgern als Unrecht empfunden, erklärte sie. Es müssten daher politische Lösungen gefunden werden, die dem allgemeinen Rechtsempfinden entsprechen.

     

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