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Idar-Oberstein

Branche ist sich einig: Vertrauen ist das wichtigste Kapital

„Edelsteine in der Vertrauenskrise?“ So lautete der Titel einer Gesprächsrunde, zu der die Goldschmiede-Zeitung gewichtige Stimmen aus der hiesigen Branche eingeladen hatte: Dr. Konrad Henn von der Firma Karl Faller, Christian Klein von der Diamantschleiferei Philipp Hahn Söhne, Edelsteinhändler Constantin Wild und Dr. Thomas Lind, Präsident der Gemmologischen Gesellschaft. Geleitet wurde die Runde von Axel Henselder, dem Chefredakteur des führenden Branchenmagazins.

Von unserem Reporter Jörg Staiber

Die Themenstellung hat einen durchaus ernsten und aktuellen Hintergrund: Die Nachfrage nach hochwertigen Farbedelsteinen, aber auch nach Diamanten ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, wobei vor allem der asiatische Markt eine Rolle spielt. Diese Nachfrage kann nicht befriedigt werden, da insbesondere bei Farbedelsteinen die Vorkommen begrenzt sind. Diese Angebotslücke weckt Begehrlichkeiten und führt zu unsauberen bis kriminellen Praktiken, die von der falschen Deklarierung von synthetischen Steinen über die manipulative Verwandlung von minder- in höherwertige Edelsteine bis hin zu einer völlig undurchsichtigen Zertifizierungspraxis reicht. Das Problem: Um einen Edelstein qualifiziert zu bewerten, ist das Wissen von Experten gefragt, und auch die sind sich keineswegs immer einig.

Da Edelsteine besonders in Asien oftmals als Geldanlage gekauft werden, von Käufern, die nicht gerade Liebhaber sind und von der Materie nur wenig Ahnung haben, bekommen die Zertifizierung und bei dieser die Kriterien Farbe und Herkunft ein immer höheres Gewicht. „Früher waren Natürlichkeit und Schönheit eines Steines die wichtigsten Eigenschaften für den Käufer“, berichtete Constantin Wild. „Heute ist es das, was in manchmal durchaus fragwürdigen Zertifikaten steht.“ Das bestätigte auch Thomas Lind. „Die Edelsteinprüflabors sind in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen. Dabei wird es auch für Experten immer schwieriger, einen natürlichen Stein von einer Synthese zu unterscheiden und Behandlungen zur Verbesserung der Steinqualität nachzuweisen.“ Auch die fantasievollsten Farbbezeichnungen würden sich mittlerweile „wie die Pest“ ausbreiten, so Lind wörtlich.

Das bestätigt auch Christian Klein für die Diamantbranche. Expertisen, die oftmals zeitaufwendig und teuer seien, lohnten sich ohnehin nur für größere Steine. Oft sei schon bei einem oberflächlichen Blick auf eine Expertise erkennbar, das diese nicht stimme, wenn etwa die Größe eines Steins falsch angegeben ist, berichtete er. Gleichzeitig sei die Tendenz zu beobachten, dass die klar definierten Kriterien der Diamantbranche, die die Steine vergleichbar machen, immer mehr aufgeweicht werden.

Diese Situation auf den internationalen Märkten tauge durchaus zur Stärkung des Standorts Idar-Oberstein, machte Konrad Henn deutlich. „Unsere Kunden profitieren von unserer Tradition und den langjährigen Kontakten“, betonte der Vorsitzende des Messevereins. „Früher stand der Juwelier und der Goldschmied mit ihrem Namen für die Qualität eines Steins ein. Heute kaufen die Leute Steine im Internet, ohne sie jemals in der Hand gehalten zu haben.“ Deshalb sei die Branche gefordert, ihr Know-how auf einem hohen Level zu halten, um dafür garantieren zu können, dass ein Produkt auch die versprochene Qualität habe. „Die Leute, die zu uns auf die Intergem kommen, die wissen genau, was sie bekommen“, betonte auch Klein im Hinblick auf die Diamantbranche.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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