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Idar-Oberstein

BioNTech schafft bis zu 60 neue Hightech-Jobs in Idar-Oberstein

Von der breiten Öffentlichkeit relativ unbeachtet, hat sich mitten in Idar-Oberstein ein Forschungsunternehmen von Weltruf entwickelt: BioNTech Innovative Manufacturing Services, das bis vor wenigen Wochen noch unter dem Namen Eufets firmierte, ist weltweit eines der ältesten und erfahrensten Biotechnologieunternehmen, das sich auf GMP-zertifizierte Zell- und Gentherapieprodukte wie virale Vektoren, Zellprodukte und in vitro transkribierte mRNA spezialisiert hat. Jetzt investiert das Mainzer Unternehmen kräftig in den Standort Idar-Oberstein, erweitert die Produktionskapazitäten erheblich und schafft zusätzlich zu den rund 140 bestehenden bis zu 60 weitere hoch qualifizierte Arbeitsplätze.

Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

Seit mehr als 20 Jahren liefert die Firma für viele Menschen lebenswichtige Arzneimittel auf Basis von Zell- und Gentherapien. Die Idar-Obersteiner Tochtergesellschaft ist neben der eigenen Forschung für die Herstellung von vom Mutterkonzern entwickelten wegweisenden Immuntherapeutika verantwortlich, darunter die in der klinischen Entwicklung befindlichen individualisierten IVAC-Krebsvakzine.

In solchen Reinräumen entstehen in der Vollmersbachstraße Arzneimittel auf Basis von Zell- und Gentherapien für den Kampf gegen Krebs. In der ehemaligen Eufets, die jetzt wie der Mainzer Mutterkonzern BioNTech heißt, werden die Produktionskapazitäten kräftig erweitert. Foto: Markus Hintzen
In solchen Reinräumen entstehen in der Vollmersbachstraße Arzneimittel auf Basis von Zell- und Gentherapien für den Kampf gegen Krebs. In der ehemaligen Eufets, die jetzt wie der Mainzer Mutterkonzern BioNTech heißt, werden die Produktionskapazitäten kräftig erweitert.
Foto: Markus Hintzen

Die Produktion in der Vollmersbachstraße wird nun weiter ausgeweitet. Die Kapazitäten werden durch den Bau eines neuen Gebäudes neben dem bisherigen Eufets-Komplex deutlich erweitert, die Reinraumgröße wird dabei verdoppelt und die Entwicklungs- und Qualitätssicherungsinfrastruktur ausgebaut. Das Investitionsvolumen bewegt sich laut BioNTech „im zweistelligen Millionenbereich“. Nach dem Ausbau sollen 40 bis 60 weitere hoch qualifizierte Arbeitsplätze entstehen – Laboranten, technische Angestellte (MTA/BTA) und Wissenschaftler. Schon jetzt sind in Idar-Oberstein 140 Mitarbeiter beschäftigt.

BioNTech möchte durch die Millioneninvestition den steigenden Bedarf an Zell- und Gentherapie-Produkten, insbesondere Zell-Immuntherapien, bedienen, heißt es aus Mainz. Sean Marett, Vorstand operatives Geschäft, erläutert auf NZ-Anfrage: „Wir investieren weiterhin hohe Summen in die Herstellung von individualisierten Produkten. CAR-T- und autologe TCR-Therapien werden voraussichtlich eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Krebs spielen, dabei sind modernste Herstellungsverfahren mit Produktchargen für jeden einzelnen Patienten sowie ausreichende Kapazitäten entscheidend. Da unser Fokus auf individualisierten Immuntherapien zur Behandlung von Krebs liegt, haben wir Eufets umbenannt, um die Zugehörigkeit zur Marke BioNTech deutlicher hervorzuheben.”

Außenansicht​ der BioNTech Innovative Manufacturing Services (vormals Eufets) in der Vollmersbachstraße. Foto: BioNTech<br>
Außenansicht​ der BioNTech Innovative Manufacturing Services (vormals Eufets) in der Vollmersbachstraße.
Foto: BioNTech

Dr. Klaus Kühlcke ergänzt: „Die strategische Expansion wird uns auch die Produktion von Zell- und Gentherapieprodukten für unsere Kunden in kommerziellem Maßstab ermöglichen. Sie stellt einen wichtigen Meilenstein in unserer Produktionsgeschichte dar.“ Kühlcke ist seit 1997 Eufets- und nun BioNTech-Geschäftsführer. Der 57-Jährige, der zwischen Idar-Oberstein und Oslo (wo seine Familie lebt) pendelt, hat in Marburg und Köln Biologie studiert und an der Universität Hamburg promoviert.

Und warum investiert ein weltweit agierendes Biotechnologieunternehmen in diesem großen Ausmaß in eine Forschungs- und Produktionsanlage in der Provinz? Dazu sagt BioNTech-Sprecherin Regina Jehle: „Die Herstellung von Zell- und Gentherapien sowie RNA- Vektoren ist in Bezug auf die Produktionszeit und – was noch wichtiger ist – was die Qualitätsanforderungen betrifft, enorm anspruchsvoll. BioNTech Innovative Manufacturing Services (die ehemalige Eufets) hat sich einen hervorragenden Ruf für qualitativ hochwertige und zuverlässige Produkte am Standort Idar-Oberstein aufgebaut. Dieser Ruf, die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die hohen Standards waren für unsere Entscheidung ausschlaggebend. Mit diesen Rahmenbedingungen ist es daher für uns der einzig sinnvolle und gangbare Weg, die Produktionsanlage in Idar-Oberstein weiter auszubauen.“

Lexikon

GMP-Zertifizierung: Arzneimittel müssen gemäß den Richtlinien der „Guten Herstellungspraxis“ (auf Englisch: Good Manufacturing Practice/GMP) hergestellt werden. Arzneimittelhersteller werden von der Aufsichtsbehörde inspiziert und im Erfolgsfall nach GMP zertifiziert.

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In vitro-transkribierte mRNA: In vitro heißt „im Reagenzglas“. In vitro-Transkription von mRNA bedeutet, dass im Reagenzglas DNA (also Erbinformation) in RNA „umgeschrieben“ wird. RNA ist ein Botenmolekül, das die in der DNA enthaltene Information besitzt und dafür sorgt, dass sie in Eiweiße (Proteine) „übersetzt“ wird.

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Individualisierte IVAC-Krebsvakzine: Arzneimittel, das spezifisch für einen Patienten hergestellt wird und eine Immunantwort gegen seinen spezifischen Tumor auslösen soll.

Hintergrund: BioNTech AG und Eufets

Die BioNTech AG ist ein Biotechnologieunternehmen mit Sitz in Mainz, weltweit Vorreiter bei individualisierten Krebsimmuntherapien sowie das größte nicht börsennotierte biopharmazeutische Unternehmen in Europa.

Das Unternehmen vereint alle wichtigen Disziplinen der personalisierten Immuntherapie unter einem Dach – von der Diagnostik über die Wirkstoffentwicklung bis zur Produktion. Das Unternehmen wurde 2008 als Ausgründung aus der Johannes-Gutenberg-Universität gegründet. BioNTech AG beschäftigt weltweit mehr als 650 Mitarbeiter, die mehrheitlich in Forschungslaboren wie in Idar-Oberstein tätig sind.

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Die Eufets GmbH (seit 2001 AG) wurde 1997 von Prof. Dr. Axel A. Fauser und der Stefan-Morsch-Stiftung gegründet, um die Gentherapieforschung im Kampf gegen den Krebs zu forcieren. sc

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