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Oberhambach

Besitzer von 50000 bunten Heften: Kalle Hörnig aus Oberhambach ist passionierter Comicsammler

Christoph Strouvelle

Kalle Hörnig ist großer Kenner der Comicszene und hat mit den illustrierten Heften viele Jahre seinen Lebensunterhalt bestritten. In seiner Sammlung finden sich Raritäten wie deutsche Erstausgaben von „Micky Maus“ und „Superman“. Und auch in seiner neuen Heimat Oberhambach kann er von seiner Passion nicht lassen.

Umgeben von alten Heften mit bunten Bildern: Kalle Hörnig besitzt einige seltene Comics.  Foto: Christoph Strouvelle
Umgeben von alten Heften mit bunten Bildern: Kalle Hörnig besitzt einige seltene Comics.
Foto: Christoph Strouvelle

Kaum eine Literatur ist so umstritten wie Comics. Für die einen ist es billiger Schund, andere hängen mit Leidenschaft daran, so wie Kalle Hörnig aus Oberhambach. „Das sind Geschichten in Form von Bildern, das ist fantastisch“, sagt der 63-Jährige. Es gibt wohl nur wenige Menschen in Deutschland, die sich in ihrem Leben so intensiv mit Comics befasst haben wie Hörnig. Bereits ab 1979 hat er einen Comicladen in Ludwigshafen für zwei Jahre betrieben, allerdings mit wenig Resonanz.

Einst Ladeninhaber in Mannheim

Nachdem Hörnig sein Abitur 1983 nachgemacht hatte, entschied er sich gegen ein Studium und wagte stattdessen einen zweiten Versuch, Comics zu verkaufen, diesmal in der Innenstadt von Mannheim. Mit Erfolg: „Der Comicladen hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt er. Denn damals habe es nur ganz wenige solche Geschäfte in Deutschland gegeben. Spezialisiert auf deutsche und auf amerikanische Comics, lockte Hörnig damals Kunden aus einem Einzugsgebiet von 300 bis 400 Kilometern in seinen Laden. Im Erdgeschoss bot er aktuelle Comics an, im Obergeschoss antiquarische Exemplare, die er sich zuvor in 200 Kilometer Umkreis aus dem Fundus von Kunden in Kellern und Speichern zusammengesucht hat. Die USA-Comics hat Hörnig erst über einen Mittelsmann bezogen, nach kurzer Zeit dann als Komplettprogramm selbst aus den USA importiert. „Jeden Monat stand dort ein halber Container voll mit Comics, die wurden nur gegen Vorkasse geliefert“, erinnert er sich.

2008 hat er den Laden aus gesundheitlichen Gründen verkauft. Doch seine Sammelleidenschaft ist erhalten geblieben. Einige Perlen in seinem Besitz: das erste „Micky-Maus“-Heft, das in Deutschland im September 1951 erschienen ist, alle drei Erstexemplare der „Superman“-Reihe, die in Deutschland erst 1950 in Schwarz-Weiß, dann 1953 zwei Jahre lang in einer Reihe „Buntes Allerlei“ und dann wieder 1966 erschienen sind sowie die erste deutsche „Batman“-Geschichte aus dem Jahre 1954, damals noch in der Reihe „Superman“.

Interessiert haben ihn lediglich sehr gut erhaltene Hefte, die sich Sammler auch etwas kosten lassen. Für ein Heft „Micky Maus Nr. 1“ im Topzustand werden schon mal 15.000 Euro geboten, sagt Hörnig. Wobei das kein Vergleich sei zu den USA, wo Comics den Stellenwert haben wie hier Gemälde berühmter Maler oder Briefmarken wie die Blaue Mauritius und von den Besitzern eingerahmt und an die Wand gehängt werden. Dort werden für eine Erstausgabe „Superman“ schon mal siebenstellige Summen gezahlt.

Hörnig kann den Wert eines Exemplars gut abschätzen: Er hat als Sachverständiger zehn Jahre in einer Kommission mitgearbeitet, die die Preise für erschienene Comichefte festgelegt und jährlich einen Katalog herausgebracht hat, ähnlich solchen Werken, wie sie unter Briefmarkensammlern üblich sind.

Begonnen hat Hörnigs Leidenschaft als 12-Jähriger. Zwar haben ihm seine Eltern kein Geld für Comics gegeben, doch als ihm von einem Freund 164 Rittercomics mit dem Helden Falk angeboten wurden, hat er diese für 12 Mark gekauft und in Raten abbezahlt. Seine zweite Heftreihe waren 187 Exemplare des Dschungelhelden Tibor: Die hat er bei einem anderen Jungen gegen ein Wurfmesser eingetauscht. 1977 als 23-Jähriger ist seine Leidenschaft dann wieder erwacht, als er an einem Kiosk ein „Superman“-Heft gekauft hat, „das erste vom eigenen Geld“.

50.000 Hefte eingelagert

Die „Tibor“- und „Falk“-Hefte sind noch in seiner Jugend verschwunden, das „Superman“-Heft hängt heute eingerahmt an der Wand. Doch wer in Hörnigs Haus in Oberhambach eine Bunte-Bilder-Welt vermutet, liegt falsch. Denn seine Sammlung von 50.000 Heften hat er in seiner Heimatstadt Ludwigshafen eingelagert. In den Regalen seines Wohnzimmers im Hunsrück finden sich nur einige in festem Cover eingebundene Exemplare im Regal, etwa von „Tim und Struppi“, „Donald Duck“, gezeichnet von Carl Barks, und „Prinz Eisenherz“ in verschiedenen Ausgaben. Dieser Comicheld fasziniert Hörnig am meisten. Zeichner Hal Foster, der vorher „Tarzan“ gezeichnet hatte, habe die Figur Eisenherz entworfen und die Geschichten „ganz toll gezeichnet“, sagt er. Die Proportionen seien richtig, die Stimmungen kommen rüber. Zudem habe Foster nicht nur erfunden, sondern habe recherchiert und sich Burgen und Landstriche angeschaut, bevor er sie zeichnete.

Inzwischen organisiert Hörnig Bogenturniere und hat sich in den vergangenen Jahren mit seinen Meisterschaften am Erbeskopf in der Region einen Namen gemacht. Doch dann hat ihn die Leidenschaft wieder gepackt: Seit zwei Jahren gibt er selbst Comics heraus. Hörnig nimmt historische Hefte aus verschiedenen Genres wie Urwaldhelden, Western-, Fantasy- und Horrorgeschichten aus den USA, übersetzt diese ins Deutsche und lässt sie für passionierte Sammler, wie er selbst einer ist, in kleiner Auflage drucken.

Hätte es auch passieren können, dass sich Hörnig nicht für Comics, sondern für klassische Buchautoren wie Goethe und Schiller interessiert? „Nein“, lacht Hörnig. „Da sind keine Bilder drin.“

Kalle Hörnig vertreibt seine Comics im Internet unter der Adresse www.ilovecomics.de

Von unserem Mitarbeiter Christoph Strouvelle

Idar-Oberstein Birkenfeld
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