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Idar-Oberstein

Beim Fußball verschwinden Barrieren

Vera Müller

Reiner Jungbluth ist Jahr für Jahr dabei, wenn die Mannschaft der Lebenshilfe Obere Nahe antritt, er nimmt die Sache als Kapitän jetzt mal in die Hand. Und versucht, in den letzten Sekunden eine Niederlage abzuwenden.

Daraus wird im Spiel gegen Worms aber nichts, und auch die Partien gegen den Schönfelder Hof und gegen Meisenheim gehen verloren. Es läuft nicht an diesem Morgen in der Stadenhalle. Der Kapitän bleibt ruhig. Mit 52 Jahren ist Jungbluth der Älteste im Team der Lebenshilfe Obere Nahe unter der Regie ihres Trainers Karl-Otto Gemmel.

Fußball verbindet, lässt Barrieren verschwinden: Behinderte Sportler spielen mit Begeisterung und Können Fußball, und vor allem sind sie in diesem Fall gar nicht so anders als die Podolskis, Müllers, Özils und Neuers dieser Welt. Vielleicht weniger eitel, vielleicht sogar ehrlicher und vor allem nahbar. Und so gestaltet sich das auch bei den zurzeit stattfindenden Hallenfußball-Landesmeisterschaften des Behinderten- und Rehabilitationssport-Verbands (BSV), die bis Donnerstag zum 30. Mal in der Tiefensteiner Stadenhalle ausgetragen werden.

Sport als Kraft- und Glücksquelle: Behinderte Menschen wollen sich bewegen, weil es ihnen Spaß macht und guttut. Und weil sie sich mit anderen messen wollen. Dazu kommt das wunderbare Gefühl, Teil eines Teams zu sein und womöglich zum Erfolg beizutragen. Oder auch Niederlagen gemeinsam zu bewältigen wie im Fall des Teams der Lebenshilfe, das höhere Erwartungen an den Turnierverlauf hatte.

Seit einem Jahr betreut Karl-Otto Gemmel die Mannschaft. Elf Spieler, der jüngste ist 20, treffen sich einmal wöchentlich zum Training in der Stadenhalle. Bei schönem Wetter wird draußen gespielt. Gemmel hat ein Händchen für die Jungs, die er betreut. Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, motiviert mit seiner positiven und fairen Grundhaltung. Laut wird er nie. Er ist schon jetzt eine Art Vater oder großer Bruder für die Spieler, die sich schnell aufregen, aber auch schnell wieder runterkommen – einfach eine klasse Truppe.

Wenn die anderen besser sind, muss man das eben anerkennen. Vielleicht hätte er das Team in der schwächeren Gruppe C anmelden sollen, fragte er sich hinterher. An der Unterstützung von außen kann es nicht gelegen haben, dass es eher unrund lief. Ein Baustein der Inklusion: Die Anerkennung durch, nicht behinderte Menschen macht stolz und hebt das Selbstwertgefühl. Es waren erfreulicherweise so einige zu Gast und feuerten die Jungs kräftig an. Faire Gesten gab es reichlich. Die Schiedsrichter Heinz Hofmann und Jürgen Schmidt hatten ziemlich leichtes Spiel, wenngleich Schmidt sagt: „Man muss schon zeigen, wer der Chef im Ring ist, und die übermotivierten Spieler ab und zu bremsen.“

Vor der Siegerehrung hatte Gemmel einen spektakulären Auftritt. Der Idar-Obersteiner, der im Bereich des Behindertensports umfassend ausgebildet ist, trainiert neben den Fußballern auch die Taekwondosportler der Lebenshilfe Obere Nahe. Und das mit großem Erfolg, wie man sehen konnte.

Eine Spur von Traurigkeit wird bei aller Freude über eine tolle Meisterschaft die Stimmung prägen: Ab 2018 wird das Turnier in Mainz stattfinden. Die Rahmenbedingungen in Tiefenstein ermöglichen nicht mehr, was da in Zukunft geplant ist, heißt es vonseiten des BSV. Vom kommenden Jahr an wird in Mainz in einer größeren Halle gespielt, sodass immer zwei Spiele parallel ausgetragen werden können. Dadurch lässt sich die Veranstaltung von vier auf zwei Tage verkürzen. An dem so hinzugewonnenen dritten Tag können dann die Frauen erstmals ein solches Fußballturnier austragen. Gemmel kündigt an, dass man bei der Lebenshilfe versuchen will, ein Frauenteam zusammenzustellen. Noch eine Premiere ist geplant: Erstmals wurde mit dem Futsalball gespielt. Dieser ist leichter zu beherrschen als ein herkömmlicher Fußball, wie Erfahrungen im BSV zeigen.

Von unserer Redakteurin Vera Müller

Idar-Oberstein Birkenfeld
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