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    Reichenbach

    Babyleiche gibt auch nach 25 Jahren noch Rätsel auf

    Etwas Efeu, Erika – mehr Pflanzen wachsen nicht vor dem Grabstein mit der eingravierten Sonne darauf. Ein „unbekanntes Mädchen“, so steht's eingemeißelt, liegt hier auf dem Friedhof in Reichenbach begraben. Eine Jahreszahl verrät das Jahr der Beerdigung: 1986. Doch was ist damals geschehen – vor 25 Jahren?

    Der Grabstein des unbekannten Mädchens ist seit 25 Jahren auf dem Friedhof in Reichenbach zu sehen.
    Der Grabstein des unbekannten Mädchens ist seit 25 Jahren auf dem Friedhof in Reichenbach zu sehen.
    Foto: Stefan Conradt

     

    Ortsbürgermeister Joachim Ritter kennt die Geschichte. Auf der Kreismülldeponie, die seit 2005 geschlossen ist, wird per Zufall ein totes Baby in einem Plastikbeutel gefunden. Es ist ein Neugeborenes. „Ob eine Totgeburt oder eine Frühgeburt, weiß ich allerdings nicht mehr“, sagt er. Die Ermittlungen der Polizei seien damals wohl ins Leere gegangen.

    Unterlagen sind noch vorhanden

    Michael Brandt, Leitender Oberstaatsanwalt in Bad Kreuznach, glaubt zunächst nicht, dass in seinem Hause noch Unterlagen zu dem Fall existieren. Doch eine Mitarbeiterin weiß, wo man nachschauen muss. Wenig später hält er eine dicke Akte in Händen. Daraus geht hervor, dass die Babyleiche am 25. Februar 1986 auf der Deponie entdeckt wird. Einen Tag später findet im Rechtsmedizinischen Institut in Mainz die Obduktion statt.

    Der Körper ist in mehrere Tüten eingepackt – Tüten, wie sie in Baumholder als Massenware ausgegeben werden. Es ist davon auszugehen, dass das Kind nach der Geburt noch gelebt hat und auch weiterhin lebensfähig war. Das hat eine Lungenschwimmprobe ergeben. Zahlreiche Verletzungen werden zwar an dem Körper festgestellt. Doch der eingeschaltete Sachverständige kann und will sich nicht auf die Todesursache festlegen. Er hält ein schweres Schädelhirntrauma für möglich. Außerdem hat das Kind wohl Blut eingeatmet. Wie das Kind zu Tode gekommen ist, lässt sich nicht mehr sagen. Denn auf dem Deponiegelände haben permanent Planierungsarbeiten stattgefunden. Es ist also auch möglich, dass das Baby nach seinem Tod von einem Bagger oder einer Planierraupe verletzt wurde.

    Die Planierarbeiten sind es auch, die einen weiteren Ermittlungsansatz zunichte machen. Da sich nicht mehr feststellen lässt, zu welchem Müllfahrzeug der abgeladene Schutt gehört, kann auch nicht mehr exakt gesagt werden, aus welcher Region, aus welchem Ort der Unrat kam. Die Ermittler um den Idar-Obersteiner Polizeibeamten Karl-Heinz Felske versuchen es trotzdem. Der Umgebungsmüll aus einem Umkreis von etwa zwei Meter um den Leichnam herum wird untersucht. „Das war ganz gewöhnlicher Hausmüll“, sagt Felske heute im Gespräch mit der NZ. Mehrere Adressen kommen zum Vorschein, alle gehören zu Wohngebäuden in Baumholder. „Wir haben die Adressen angefahren und nachgefragt“, berichtet Felske, der damals 36 Jahre alt war. „Wir haben bei Ärzten und in Krankenhäusern recherchiert. Aber es ist nichts herausgekommen.“

    Letztlich bleibt unklar, ob das Kind von einer Bürgerin aus Baumholder in eine Tonne gelegt wurde. Gut möglich ist auch, dass der Leichnam nachts von einer auswärtigen Person heimlich entsorgt wurde. Aufrufe in Medien, auch in amerikanischen, werden gestartet. Zeitungen in den Kreisen Birkenfeld, Kusel und St. Wendel berichten mehrmals von dem Leichenfund – ohne Erfolg. Die Ermittlungen werden schließlich eingestellt.

    Fall wird wieder aufgerollt

    Vor zehn Jahren dann, 2001, wird der Fall noch einmal aufgerollt. Kripobeamte aus München melden sich, können vielleicht helfen. Die Chancen, dass die Eltern des damals gefundenen Kindes doch noch gefunden werden, stehen nicht schlecht. Es existiert noch Gewebe, aus dem DNA-Material gewonnen werden kann. Mehr noch: Die Blutgruppe des Babyleichnams ist so selten, dass sie „in höchstem Maße geeignet ist“, beide Elternteile festzustellen.

    Doch bislang bleiben Mutter und Vater des unbekannten Mädchens, das seit 25 Jahren auf dem Friedhof in Reichenbach liegt, unauffindbar. Das Grab wird von der Ortsgemeinde gepflegt und unterhalten. Zwar wurde die Ruhefrist mittlerweile von 35 auf 25 Jahre gesenkt. Dennoch denkt niemand daran, das Grab einzuebnen. „Ohne Zwang treiben wir das nicht voran“, sagt Ortsbürgermeister Ritter. Erika und etwas Efeu werden wohl noch länger die letzte Ruhestätte ohne Grabeinfassung schmücken.

    Von unserem Redakteur 
Andreas Nitsch

    Baumholder, Kirn, Bad Kreuznach und Mayen - Tote Babys erschüttern immer wieder das ganze Land
    Idar-Oberstein Birkenfeld
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