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    Auf der Walz viel fürs Leben gelernt

    Im Oktober 2008, als der Zimmermann Martin Huck aus Sien seine Wanderschaft begann, sagte er bei seinem Abschied: „Ich möchte mich in den nächsten Jahren in meinem Beruf weiterbilden, neue Arbeitspraktiken kennen lernen sowie einen guten Schuss Lebenserfahrung sammeln, andere Menschen und auch neue Orte und Länder kennen lernen.“ Bei seiner Rückkehr, vier Jahre später jetzt im September 2012, sagte er: „Ich habe es nie bereut, auf Wanderschaft zu gehen und habe menschlich und handwerklich meinen Horizont enorm erweitern können.“

    Sien - Im Oktober 2008, als der Zimmermann Martin Huck aus Sien seine Wanderschaft begann, sagte er bei seinem Abschied: „Ich möchte mich in den nächsten Jahren in meinem Beruf weiterbilden, neue Arbeitspraktiken kennen lernen sowie einen guten Schuss Lebenserfahrung sammeln, andere Menschen und auch neue Orte und Länder kennen lernen.“ Bei seiner Rückkehr, vier Jahre später jetzt im September 2012, sagte er: „Ich habe es nie bereut, auf Wanderschaft zu gehen und habe menschlich und handwerklich meinen Horizont enorm erweitern können.“

    20 Gesellinnen und Gesellen begleiteten Martin Huck auf seinen letzten Kilometern zurück nach Sien. Rund 100 Schaulustige hatten sich am Ortsschild versammelt und wollten sich das anschließende Spektakel nicht entgehen lassen. Nachdem er, wie die Tradition es verlangt, über das Ortsschild von Sien geklettert war, wurde er zunächst von seiner Familie ganz fest in die Arme geschlossen. Viele Glückstränen wurden vergossen. Danach musste er die Flasche mit den Wünschen für eine glückliche Wanderschaft, die er vor vier Jahren vergraben hatte, wieder ausgraben.

    Zu später Stunde ausgekleidet

    Mit Musik und Gesang ging es dann durch Sien zu seinem Elternhaus, wo es eine kleine erste Wiedersehensfeier gab. Die eigentlich Rückkehrerparty fand dann am nächsten Tag mit über 100 geladenen Gästen als Hoffest statt. Dabei wurde Martin Huck zu später Stunde ausgekleidet. Er durfte seine typische Zimmermannskluft gegen normale zivile Kleider tauschen. Das war dann das offizielle Ende seiner Wanderschaft.

    Auf die „Walz“ gehen: Das ist ein jahrhundertealtes Brauchtum von Handwerkern, welches früher notwendig war, um überhaupt Meister in seinem Beruf werden zu können. Anlaufstellen waren für die Reisenden damals die Zünfte, die sich um das Jahr 1200 herum in den größeren Städten bildeten. In der Regel musste der Geselle für drei Jahre auf Wanderschaft. Heute sind etwa 800 Gesellen, 10 Prozent davon sind Frauen, in Deutschland organisiert und gehen auf die Walz. Sie halten sich politisch neutral und müssen unterwegs strenge Regeln einhalten – allen voran die sogenannte Bannmeile, die vorgibt, sich während der Wanderzeit seinem Wohnort nicht näher als 50 Kilometer zu nähern.

    Martin Huck hat Deutschland in den vier Jahren mehrmals durchwandert. Dabei hat er an vielen Orten und bei vielen Firmen gearbeitet, denn reisen kostet Geld. Es kam öfter vor, dass er nur für Kost und Logis gearbeitet hat. Gleich zu Anfang seiner Wanderschaft kam er nach Bendorf, wo er gemeinsam mit Sven, einem Altgesellen, der mittlerweile in Bremen eine eigene Firma aufgebaut hat, ein Baumhaus für die dortige katholische Jugend baute. Das dauerte fast vier Wochen und war ein optimaler Einstieg.

    Größere Bauprojekte wurden immer in den Sommermonaten angegangen. Da trafen sich dann 50 bis 100 Gesellen zu den sogenannten „Sommerbaustellen“, um soziale Projekte anzupacken. So zum Beispiel in der Nähe von Hamburg, wo ein Zirkus sich schwer erziehbarer Jugendlicher annimmt. Hier wurden Häuser gebaut, damit die Jugendlichen eine adäquate Unterkunft hatten und gleichzeitig auch trainieren konnten.

    Es bleibt das Wanderbuch

    Martin Huck zog es auch in benachbarte Länder. Er wanderte in den Wintermonaten über Norditalien nach Kroatien und zurück dann über Österreich in die Schweiz. Hier durfte er an einem Igludorf mitbauen. Slowakei, Ungarn und Rumänien waren weitere Stationen. Überall waren die Menschen sehr gastfreundlich und es war nie schwierig, Arbeit zu finden. Auch nach Übersee zog es Martin Huck. Dreieinhalb Monate verbrachte er in Neuseeland. Hier arbeitete er auf mehreren Baustellen, wobei er das erste Mal in seinem Leben Eukalyptusholz für mehrere Katamarane verarbeitete und Lehmputz für ein Ökodorf. Darüber hinaus baute er an einem größeren Segelschiff mit.

    All das Erlebte steht in Martin Hucks Wanderbuch, in das die Gesellen nie etwas selbst hineinschreiben. Es ist ein fremd geführtes Tagebuch, in dem Stempel der Städte, Arbeitszeugnisse sowie Kommentare von Firmen bei denen sie gearbeitet haben, verewigt sind. Darüber hinaus werden darin viele Bilder und Sprüche von anderen Mitgesellen gesammelt. Jetzt will Martin Huck nach einer kurzen Verweilzeit bei seinen Eltern schnell wieder in seiner Beruf als Zimmermann zurückkehren. Später will er seine Meisterprüfung ablegen und möglichst eine eigene Firma aufbauen. Wilhelm Nasarek

    Idar-Oberstein Birkenfeld
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