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    Neubrandenburg/Fischbach

    Auch Nebenkläger Hötger legt Revision ein – Wie es im Fall Sarah weitergehen kann

    Der erschütternde Fall von Sarah H., die in Alt Rehse zu Tode gefoltert wurde, wird den Bundesgerichtshof gleich in mehrfacher Hinsicht beschäftigen. Der Anwalt des zu fünf Jahren Haft verurteilten Lebensgefährten des Opfers, Henning Köhler, hat Revision eingelegt, wie ein Sprecher des Landgerichtes Neubrandenburg am Freitag bestätigte. Wie der Idar-Obersteiner Anwalt und Nebenkläger Damian Hötger nun im Gespräch mit unserer Zeitung betont, hat auch er Revision eingelegt.

    In diesem Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) soll der Tatverdächtige Axel G. die 32-jährige Sarah H. gequält haben, bevor die junge Frau vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen starb.
    In diesem Haus in Alt Rehse (Mecklenburg-Vorpommern) soll der Tatverdächtige Axel G. die 32-jährige Sarah H. gequält haben, bevor die junge Frau vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen starb.
    Foto: picture alliance

    Damit wird der Bundesgerichtshof den Prozessverlauf auf Gesetzesverletzungen hin prüfen. Der 51 Jahre alte Axel G. war der Freiheitsberaubung und Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen worden. Er hatte nach Auffassung des Gerichtes die 32 Jahre alte Sarah H., die erst ein halbes Jahr vorher aus Fischbach zu ihm gezogen war, nackt ans Bett gefesselt, mit einer selbst gebastelten Peitsche misshandelt und dann sterben lassen. Der Verteidiger hatte Freispruch gefordert, da seinem Mandanten die Tat nicht nachzuweisen sei und zudem einige juristische Formfehler zu bemängeln seien.

    Wie der Idar-Obersteiner Anwalt und Nebenkläger Damian Hötger nun im Gespräch mit unserer Zeitung betont, hat auch er Revision eingelegt. Nun heißt es erst einmal abwarten, da das schriftliche Urteil des Gerichts wohl erst in sechs bis acht Wochen vorliegt. Die Revision muss jedoch innerhalb einer Woche nach mündlicher Urteilsverkündung eingelegt werden. Henning Köhler wie auch Damian Hötger haben diese Frist eingehalten.

    Die Revision muss dann schriftlich innerhalb eines Monats nach Zugang der schriftlichen Urteilsgründe selbst begründet werden. Dabei berücksichtigt das Revisionsgericht, der Bundesgerichtshof, nur Rechtsfehler. Es entscheidet allein auf Grundlage des Urteils des Landgerichts Neubrandenburg.

    Hötger: Es geht um ein klares Signal für Gerechtigkeit

    Maßgeblich wird sein zu belegen, dass der verurteilte Axel G. den Tod Sarahs in Kauf nahm. „Wer zwei Stunden mit einer Peitsche auf einen anderen Menschen schlägt, ihn foltert und ihm nichts zu trinken gibt, kann sich nicht später hinstellen und sagen, er hätte von nichts gewusst“, betont Hötger, der bereits in seinem Plädoyer in Neubrandenburg eine Verurteilung wegen Totschlags durch Unterlassen und Störung der Totenruhe von elf Jahren gefordert hatte.

    „Selbst wenn man zugesteht, dass er den Tod nicht wollte, so hat er ihn in Kauf genommen und sich damit abgefunden. Daher ist es keine Körperverletzung mit Todesfolge mehr, wo etwa durch unglückliche Umstände die Todesfolge eintritt. Das mag der Fall bei einer Schlägerei sein: Jemand stößt den anderen um, er fällt unglücklich und verstirbt. Hier war es aber so, dass Sarah ihren Peiniger bat, sie loszubinden und ihr zu trinken zu geben. Spätestens ab diesem Moment übernimmt dann Axel G. eine sogenannte Garantenstellung für Sarahs Leben, sodass ihm der spätere Tod als Totschlag zugerechnet werden muss.“

    Auch wenn eine spätere Urteilsaufhebung durch den Bundesgerichtshof Sarah nicht mehr lebendig mache, gehe es um ein klares Signal für Gerechtigkeit: „Die Menschen in diesem Land – in deren Namen das Urteil gesprochen wurde - lassen es nicht zu, dass einer den anderen totschlägt.“ Das Urteil vom 17. März hatte bundesweit für Empörung und Kopfschütteln gesorgt und unzählige Kommentare in den sozialen Netzwerken nach sich gezogen.

    Hötger erläutert die Rechtslage: Würden die Revisionsanträge beide abgelehnt, würde das Urteil rechtskräftig. Würden beide zugelassen, wäre es offen, wie es letztlich ausgeht. Am Neubrandenburger Landgericht würde vermutlich mit einem anderen Richter ein neues Verfahren eröffnet. Würde lediglich die Revision von Axel G. zugelassen, würde ebenfalls neu verhandelt – allerdings könnte das Gericht die Strafe nicht erhöhen, sondern lediglich belassen, senken – oder wie vom Verteidiger gefordert, einen Freispruch aussprechen.

    Würde nur Hötgers Revision zugelassen, wäre ebenfalls ein neuer Prozess zu führen, der im Endeffekt zulasten oder aber auch zugunsten von Axel G. verlaufen könnte. Hötger, der eine Neubewertung der Tat im Blick hat, hat bereits die Protokolle angefordert. In den nächsten Wochen wird er die Begründung der Revision vorbereiten. Entscheidend dabei: Es zählt nur, was bereits im Urteil steht. Es darf kein neues Material oder ein weiterer Zeuge hinzugezogen werden.

    Von unserer Redakteurin Vera Müller

    Sarah H.: Chronik eines einsamen Lebens Drama geht weiter: Prozess um zu Tode gefolterte Sarah H. wird neu verhandelt  [Update]Fall Sarah: Anwalt Hötger setzt auf RevisionZu Tode gefoltert: Nach Revision kommt Fall Sarah vor den BundesgerichtshofUpdate im Fall Sarah: Verteidiger geht nach Urteil in Revisionweitere Links
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