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Idar-Oberstein

Amtsgericht: Bucherfolg endet in skurrilem Streit um Bares

Das im Frühjahr 2017 erschienene Werk ist zweifelsohne gelungen, und alle 100 gedruckten Exemplare der Erstauflage fanden binnen kurzer Zeit dankbare Abnehmer: Dennoch haben sich am Mittwoch der Verfasser einer Chronik über ein Dorf in der VG Birkenfeld und seine Helferin bei dieser Arbeit im Amtsgericht Idar-Oberstein gegenübergesessen, weil zwischen ihnen Streit um die Auszahlung des erzielten Verkaufserlöses herrscht. Das Ende dieses kleinen, aber kurios anmutenden Justizkrimis ist jedoch vorerst noch offen. Denn seine Entscheidung wird das Gericht erst am 9. Februar bekannt geben.

Justitia
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
Foto: D.- W. Ebener/Archiv – dpa

Richterin Janine Schuster hatte zunächst vorgeschlagen, dass sich die streitenden Parteien auf einen Vergleich einigen sollten, damit es nicht wie bei einem Urteilsspruch einen Ausgang mit Gewinner und Verlierer gibt. Das lehnte der Kläger jedoch kategorisch ab.

In gemeinsamer Arbeit hatten der schon betagte Verfasser und seine deutlich jüngere Helferin die Ortschronik zusammengestellt. Im Vorfeld wurde auch eine Vereinbarung getroffen: Von jedem Exemplar, das nach dem Abend der Buchpräsentation verkauft wird, sollte die nun beklagte Frau 10 Euro erhalten. Das entspricht der Hälfte des Verkaufspreises in Höhe von 20 Euro.

940 Euro an Gesamteinnahmen

Direkt bei der Vorstellung in der Halle wurden damals 48 Chroniken veräußert, hinzu kamen fünf Freiexemplare. Die restlichen 47 Exemplare habe sie verkauft und somit insgesamt 940 Euro eingenommen, betonte die Frau in der Verhandlung. Der ihr zustehende Anteil hätte demnach 470 Euro betragen, die andere Hälfte dem Autor. Da sie den Verkauf steuerte, habe sie dem Autor zunächst als Vorauszahlung 40 Euro per Quittung überwiesen. Die restlichen 430 Euro wollte sie ihm dann an Pfingsten in dessen Haus direkt übergeben und legte es auf den Tisch. Damit war der Mann aber nicht einverstanden, und nur kurz darauf habe er das Bargeld wieder in ihren Briefkasten geworfen. Deshalb habe sie ihm später den Betrag in Höhe von 430 Euro auf sein Bankkonto überwiesen.

Der Autor hatte sich aber, wie er in der Verhandlung klarstellte, eine andere Vorgehensweise gewünscht. Er beanspruchte, dass ihm der komplette Verkaufserlös, also 940 Euro, ausgehändigt wird. Danach hätte die Helferin „für jedes verkaufte Buch 10 Euro von mir bekommen“, sagte er. An dieser Stelle fiel es Schuster schwer, die Argumentation des klagenden Autors nachzuvollziehen. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Problem nicht verstehe.“ Denn die anteilige Summe von 470 Euro sei dem Autor letztendlich ja übertragen worden. Daher könne sie auch „keinen ersichtlichen Rücktrittsgrund“ ausmachen, fügte die Richterin hinzu.

Vereinbarung später gekündigt

Denn der Konflikt schaukelte sich danach so hoch, dass der Autor mit Schreiben vom 30. Juni 2017 die vorherige Vereinbarung kündigen wollte. Diese Post sei ihr aber überhaupt nicht zugegangen, versicherte die Helferin. Sie räumte aber ein, dass der Autor mithilfe seiner Fahrerin Anfang Juli ein großes Kuvert in ihren Briefkasten werfen wollte, sie aber die beiden ihres Grundstücks verwiesen habe. „Das war eine klare Zugangsverhinderung. Die Beklagte hätte sehr wohl die Möglichkeit gehabt, die Kündigung wahrzunehmen“, argumentierte Benedikt Schleuter, der Anwalt des Autors.

Im Namen seiner Mandantin erwiderte deren Rechtsbeistand Thomas Geib jedoch, dass die Frau vermutet habe, dass der Umschlag das vorher an den Verfasser überwiesene Geld enthalten und sich damit die oben beschriebene Episode, die sich kurz nach Pfingsten ereignet hatte, wiederholen würde.

Weil der Autor und seine Anwälte von der Wirksamkeit der Rücktrittsvereinbarung überzeugt sind, verlangen sie von der Helferin nun die Zahlung des aus ihrer Sicht noch ausstehenden Restbetrags von 430 Euro. Im Übrigen sei der Verbleib von zwei Büchern ungeklärt, wobei der Autor am Ende der Verhandlung überraschenderweise erklärte: „Ich glaube, dass sogar vier Bücher fehlen.“ Die Frau hatte jedoch schon zuvor im Gerichtssaal vehement bestritten, dass Exemplare abhandengekommen seien, sprach von „übler Nachrede“ und beteuerte, dass alles ordnungsgemäß verrechnet wurde.

Sie hat zudem als Reaktion auf die im August 2017 eingereichte Klage des Autors ihrerseits Widerklage erhoben. Dabei geht es um einen Betrag von 150 Euro. Denn für die gemeinsame Arbeit an der Chronik hatte ihr der Autor üblicherweise 50 Euro pro Treffen gegeben. In drei Fällen habe er dies aber verweigert, weil es zu Streit gekommen war. Solche Auseinandersetzungen mit dem Verfasser habe es sogar noch häufiger gegeben. „Ich habe das aber über mich ergehen lassen, weil ich das Projekt nicht gefährden wollte, und wusste, dass es ein wunderbares Buch wird“, betonte die Frau. Allerdings hätte vorher wohl keiner der Beteiligten damit gerechnet, dass es zu einem solch skurrilen Nachspiel führen würde, dem das Gericht nun mit dem Urteil am 9. Februar ein (eventuell nur vorläufiges) Ende setzen muss.

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Idar-Oberstein Birkenfeld
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