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    Stipshausen

    Über allem schwebt der Kosmos: Ausstellung im Atelier Munsteiner

    Kaum zu glauben: 20 Jahre schon leitet Tom Munsteiner das Atelier in der Wiesenstraße in Stipshausen, das weltweit berühmt ist für außergewöhnliche, oft bahnbrechende Edelsteingestaltung, die dort seit 1974 entsteht.

    „Kosmos“ heißt eine der neusten Schöpfungen von Tom Munsteiner. Die Stele aus Bergkristall mit Phantomkristallen ist 53 Zentimeter hoch und hat ein Gewicht von 17.300 Karat. Foto: Jürgen Cullmann/Lichtblick Fotodesign
    „Kosmos“ heißt eine der neusten Schöpfungen von Tom Munsteiner. Die Stele aus Bergkristall mit Phantomkristallen ist 53 Zentimeter hoch und hat ein Gewicht von 17.300 Karat.
    Foto: Jürgen Cullmann/Lichtblick Fotodesign

    Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

    Damals begann Toms Vater Bernd Munsteiner die tradierte Handwerksbranche aufzumischen mit Fantasieschliffen und völlig neuen Bearbeitungsmethoden und Formen. Dank Bernd Munsteiner und seinen weltweiten Mitstreitern rückte der Farbedelstein aus den Auslagen der Juweliere, wo er meist in Gold und Platin gefasst darauf wartet, die Damenwelt zu verzücken, ins Rampenlicht der Welt der Kunst. Spätestens mit der monumentalen Aquamarinstele „Dom Pedro“, die heute im Smithonian National Museum of Natural History in Washington D.C./USA zu bewundern ist, hatte Munsteiner senior sein Ziel erreicht: die Edelsteinschleif- und -schneidekunst auf die gleiche Ebene zu heben wie die Malerei oder Bildhauerei.

    Einmal alle zwei Jahre im Herbst lud der „Edelsteindesign-Papst“, wie er in der Szene genannt wird, Kollegen und Gleichgesinnte ins verschlafene Hunsrückdorf ein, das dann für zwei Wochen zum Nabel der Edelsteinwelt wurde. Unterm Strich waren es 65 Künstler, die sich in diesem Zeitraum in „Stiepse“ präsentierten. Elf Ausstellungen, stets auf allerhöchstem Niveau, organisierte Bernd Munsteiner (heute 74), ehe er die Geschicke seines mittlerweile mittelständischen Unternehmens (derzeit sind es mehr als zehn Angestellte) in die Hand seines Sohnes Tom (48) und dessen Frau Jutta (49) legte, die seine Arbeit seitdem nahtlos fortführen.

    Auch für Tom und Jutta ist es nun schon die 11. Atelierausstellung, die am heutigen Freitag am Stipshausener Ortsrand eröffnet wird. Neben den Hausherren und dem Seniorchef sind diesmal zwei Künstler aus der Generation von Bernd Munsteiner mit dabei, die ebenfalls längst Weltruf genießen und auch in der Edelsteinregion keine Unbekannten sind: der Amerikaner Michael Good (75) und der Niederländer Robert Smit (76).

    Eröffnet wird die Ausstellung vom renommierten Kunsthistoriker Dr. Bernd Goldmann aus Bamberg. Er hat schon einen Blick auf die 2017er-Exponate geworfen und sagt: „Auch in der Jubiläumsausstellung werden wieder Grenzen überschritten.“ Zu sehen sei „Edelsteinkunst im besten Sinne“.

    Michael Goods Schmuckgestaltung und seine Skulpturen genießen weltweit sehr hohe Anerkennung. Er gilt als Erfinder der antiklastischen Schmiedetechnik, einer Methode der „kalten“ Metallbearbeitung. Bei der Herstellung seiner Skulpturen folgt Good den natürlichen Rhythmen und Bewegungen des Metalls. Die Werke des Amerikaners sind in Museen in den USA, in Japan und Europa zu finden. Auch im Atelier Munsteiner waren Arbeiten von Michael Good schon zu bewundern: 1992 bei der 11. Ausstellung von Bernd Munsteiner, der wie Good Mitglied der Künstlergruppe AJDC (American Jewelry Design Council) ist, und bei der 4. Atelierschau von Tom im Jahr 2002.

    Robert Smit ist seit drei Jahren Träger des Goldenen Ehrenrings der Gesellschaft für Goldschmiedekunst in Hanau, die damit Smits Lebenswerk würdigt. Er gehöre zu den großen Wegbereitern des Avantgarde- und Autoren-Schmucks, heißt es in der Laudatio. Der 1941 in Delft geborene Künstler hat sich auch als Maler einen Namen gemacht, einige seiner Arbeiten zieren die Wände der Atelierausstellung. Mittlerweile hat er auch die Fotokopie und die Computergrafik für sich entdeckt.

    Hausherr Tom Munsteiner stellt zwei neue Werke ins Zentrum der Schau: „Apollo“ ist ein fast 200 Karat schwerer und besonders schöner blaugrüner Paraiba-Turmalin, den Munsteiner mit seiner typischen Hinterschlifftechnik in Sternform veredelt hat. Entstanden ist so ein Halsschmuck der Extraklasse. Die Bergkristallstele „Kosmos“ (17.300 Karat, 53 Zentimeter) symbolisiert die vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer – ganz oben thront der Kosmos, was altgriechisch Schmuck bedeutet. Der verwendete Bergkristall, in den Munsteiner geschlängelte Linien und luftblasenähnliche Sequenzen eingeschliffen hat, ist alles andere als rein: Es gibt Gas- und Wasserblasen, Phantomkristalle, Fremdeinschlüsse und andere Störungen – fantastisch beleuchtet wird das Ganze durch die Reflexionen, die der meisterhafte Steingestalter seiner Arbeit verpasst hat. Man könnte stundenlang vor dieser Stele stehen und sie auf sich einwirken lassen. Die Arbeit kann als Sinnbild für das Archaische der Schöpfung stehen.

    Jutta Munsteiners neuste Arbeiten sind „Charakterköpfe“: Steine in Anhängern oder Ringen, die für die große Palette der menschlichen Eigenheiten stehen. Ihre handwerkliche Perfektion zeigt sich etwa bei der erotischen Körperlichkeit des Halsschmucks „Aphrodite“ oder im feinen Schliff des Amethysts bei „Marilyn“. Bernd Munsteiner zeigt neben Arbeiten seiner Serie „Achatimpressionen“ ein Wandbild „Impressionen in Lapis und Achat“, das sein Grundthema Harmonie durch Vielfalt variiert. Wie bei den Achatwandbildern bilden vier völlig unterschiedliche Steinsegmente ein niemals kopierbares Gesamtkunstwerk. Lapislazuli gilt als ältestes als Schmuckstein genutztes Mineral, er wurde im alten Persien schon vor mehr als 5000 Jahren geschliffen.

    • Die Ausstellung im Atelier Munsteiner ist von Samstag, 7. Oktober, bis Sonntag, 15. Oktober, täglich (auch Samstag und Sonntag) in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
     

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