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Idar-Oberstein

Siebenarmiger Leuchter kehrt wieder heim

Die Odyssee des siebenarmigen Leuchters der Familie Paula und Heinrich Eppstein aus Oberstein ist zuende. Helmut Becker, der die Menora vor 75 Jahren erhalten hatte, überreichte den Leuchter in einer kleinen Feier im Parkhotel an die in Israel lebende Tamar Strauß. Die Enkelin des Obersteiner Ehepaars, das 1942 im Ghetto in Lublin im heutigen Polen ermordet wurde, sagte gerührt: "Jetzt ist er heimgekehrt in den Schoß der Familie ..."

Tamar Strauß nahm im Parkhotel in Idar den vor 70 Jahren bei der Reichspogromnacht geretteten siebenarmigen Leuchter ihrer Familie wieder in Besitz. Er war vom Schalom-Verein aufbewahrt worden.
Tamar Strauß nahm im Parkhotel in Idar den vor 70 Jahren bei der Reichspogromnacht geretteten siebenarmigen Leuchter ihrer Familie wieder in Besitz. Er war vom Schalom-Verein aufbewahrt worden.

Heinrich Eppstein wurde 1887 in Hoppstädten als siebtes Kind des Kantors und Lehrers der dortigen jüdischen Gemeinde geboren. Schon mit 20 Jahren wirkte er als Kaufmann in Oberstein, obgleich er lieber der Berufung des Vaters gefolgt wäre. Erst viel später, 1942, wird er Vorstand der israelitischen Gemeinde Oberstein und Synagogenvorsänger. Er handelte mit Maschinenöl, Fetten, Putzwolle, Bürstenwaren und betrieb zusammen mit seinem Bruder eine Papierhandlung und später auch ein kleines Milchgeschäft.

Das Ehepaar Heinrich und Paula Eppstein wohnte mit seinen Kindern in der Hauptstraße 192 in Oberstein und später, als der Druck auf die jüdischen Bürger durch die NSDAP immer stärker wurde, im Erdgeschoss der Synagoge in der Austraße. Wie alle gläubigen jüdischen Familien feierte die Familie Eppstein den Sabbat mit dem siebenarmigen Leuchter, der Menora, der wahrscheinlich noch ein Erbe der Familien Mayer/Eppstein aus Hoppstädten war.

Helmut Becker, einer der letzten Zeitzeugen der NS-Zeit in unserer Stadt und Region, hat immer wieder erzählt, wie dieser Leuchter in seine Obhut kam: Als dreizehnjähriger Junge rannte er fast täglich an der Synagoge vorbei, weil seine Mutter in der Austraße in einem Haushalt arbeitete. Nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, als er an der noch rauchenden Synagoge vorbeikam, als Thorarollen und zertrümmertes Synagogenmobiliar auf der Straße lagen, übergab ihm Paula Eppstein weinend den siebenarmigen Leuchter, um diesen vor weiterer Zerstörung zu schützen. Und Helmut Becker hat darauf geachtet, dass der Leuchter geschützt und beschützt war – fast sein ganzes Leben lang.

Heinrich und Paula Eppstein wurden 1942 in Lublin ermordet. Nach der Gründung des SchalomVereins übergab Becker dem Verein jenen in der NS-Zeit bedrohten und doch geretteten Leuchter.

Anne Sinclair, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, hat bei ihrer Recherche zur Familie Eppstein von der in Israel lebenden Enkelin der Eppsteins, Tamar Strauß geb. Eppstein erfahren, Jutta Walber, die Vorsitzende, stellte den Kontakt mit der Familie her. Schließlich kam es mehr als 70 Jahre nach dem Tod der Großeltern zu jener denkwürdigen Heimkehr des Leuchters in die Familie Eppstein. red

Idar-Oberstein Birkenfeld
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