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Birkenfeld

Nach vier Monaten Sperrmüll auf Abruf: Zahlen sagen noch wenig aus

Seit gut vier Monaten gibt es auch im Kreis Birkenfeld ein Abrufsystem für den Sperrmüll. Hintergrund für die Umstellung, die der Kreistag im Mai 2014 – zunächst für ein Jahr auf Probe – beschloss, war die zunehmende Zahl der Sperrmüllfledderer vor allem aus Osteuropa. Hinzu kamen Einnahmeverluste, da die Abfalldiebe in erster Linie die wertvollen Bestandteile wie Metalle mitgehen ließen.

Foto: Hosser

Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

Nun läuft es so wie in den meisten anderen Landkreisen (19 von 24) in Rheinland-Pfalz: Wer Sperrmüll loswerden will, ruft beim Abfallwirtschaftsbetrieb in Birkenfeld (AWB) an und bekommt innerhalb von drei bis sechs Wochen – derzeit sind es durchschnittlich 18 Werktage – einen Termin. Und das bis zu dreimal im Jahr: "Einen solchen Service gibt es in keinem anderen Landkreis im Land", unterstreicht Werkleiter Michael Suska.

Das neue System läuft ganz gut, wie der AWB-Chef im Gespräch mit der Nahe-Zeitung bekundet, wenn es auch derzeit einen kleinen Stau gibt: "April, Mai sind die klassischen Entrümpelungsmonate – da steht bei uns das Telefon nicht still." Im Januar und Februar konnte das System hingegen gemächlich anlaufen – bei nass-kaltem Wetter hat kaum jemand Lust, Sperrmüll vor die Tür zu stellen. Wegen der relativ freien Terminwahl sei es aber schwer, bereits jetzt Vergleiche mit dem Vorjahr anzustellen, was etwa das Müllvolumen angeht.

Mehrkosten von 144 000 Euro

Für die Entgeltkalkulation 2015 waren Mehrkosten von rund 144 000 Euro angesetzt worden, unter anderen wurde eine zusätzliche Stelle bei der Abfallberatung geschaffen. Das führte unterm Strich zu einer Anhebung der Personengebühr um 0,15 Cent pro Monat und Person. Suska erklärt: "Uns liegen bislang keine Anhaltspunkte vor, dass diese Kalkulation nicht eingehalten werden kann." Mit den wohl im Herbst vorliegenden genaueren Daten muss der Kreistag eine Entscheidung treffen, ob das System über den 1. Januar 2016 hinaus fortgeführt wird. Und ob die von vielen Kommunen gewünschten dezentralen Wertstoffhöfe das System eher be- oder entlasten. Derzeit kann Sperrmüll, der eilig entsorgt werden muss, auch zum Abfallwirtschaftszentrum Reibertsbach bei Reichenbach (an der ehemaligen Mülldeponie) gebracht werden – bis zu drei Kubikmeter sind zusätzlich zu den sechs Kubikmetern Freihausabholung kostenfrei. Für eine Expressabholung wird ein zusätzliches Entgelt fällig.

Unterm Strich sei die Umstellung relativ geräuschlos abgelaufen, berichtet der vormalige Büroleiter der VG Thalfang. Die wenigen Beschwerden, die beim AWB aufliefen, beruhten zumeist auf Informationsdefiziten – etwa wenn Bürger Materialien zur Abfuhr bereitstellen, die nicht kostenfrei entsorgt werden, wie behandeltes Holz aus dem Außenbereich oder Sondermüll. Solcherlei Dinge blieben aber auch vorher schon stehen, "insofern hat sich da nichts geändert", erinnert der Drohneckener.

Aus diesem Grund legt der AWB auch weiterhin größten Wert auf Abfall- und Kundenberatung: "Die Beratungsgespräche dauern nicht selten mehr als eine Viertelstunde", berichtet der Werkleiter. Man könnte es sich auch einfacher machen und nur auf Postkarten- und Internetanforderung setzen, "dann haben aber hinterher wahrscheinlich die Abfuhrunternehmen mehr Probleme vor Ort. Das versuchen wir von vorneherein zu vermeiden", reagiert Suska auf Kritik, die Anmeldemöglichkeiten für das neue System seien nicht ausreichend. Per E-Mail ist eine Anmeldung bereits jetzt möglich.

Suska: Zahlen nicht vergleichbar

Bis Ende April hatten rund 3300 Haushalte von der Möglichkeit der Sperrmüllanforderung Gebrauch gemacht. Dabei wurde eine Gesamtmenge von rund 950 Tonnen eingesammelt. Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt etwa 1700 Tonnen. Die Erlöse aus Wertstoffverkäufen aus der Sammlung liegen im ersten Quartal 2015 laut Werkleitung um etwa 2000 bis 3000 Euro niedriger als im Vorjahr, aber selbst dieser Fakt ist ohne große Aussagekraft. Suska erläutert: "Rund 1000 Euro davon sind auf veränderte Marktpreise zurückzuführen, der Rest resultiert aus den geringeren Mengen."

Die Zahlen seien aber grundsätzlich nicht vergleichbar: "Nach den Erfahrungen anderer Kreise bei einer solchen Umstellung ist davon auszugehen, dass die Bürger im ersten Jahr noch sehr zögerlich mit der Abrufabfuhr umgehen." Zudem sei es so, dass wohl aufgrund der Ungewissheit, wie und ob das neue System funktioniert, überdurchschnittlich viel Sperrmüll bei den letzten Straßenabfuhren 2014 bereitgestellt wurde.

Und: Mit dem neuen System kann die Mengenbegrenzung besser kontrolliert werden als vorher, weil die Kunden vorab angeben müssen, welche Menge sie herauszustellen gedenken. Befürchtungen einiger Kommunalpolitiker, dass es aufgrund des neuen Systems vermehrt zu wilden Sperrmüllablagerungen komme, haben sich laut Suska bislang nicht bestätigt. Für das letzte Quartal ist in Zusammenarbeit mit dem Umweltcampus Birkenfeld eine Studie zur Kundenzufriedenheit geplant – spätestens wenn die Ergebnisse vorliegen, wird man klarer sehen. Allerdings muss der Kreistag schon vorher eine Entscheidung treffen, ob es beim Abrufsystem bleibt und an welchen Stellschrauben unter Umständen noch gedreht werden muss.

Idar-Oberstein Birkenfeld
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