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VG Birkenfeld

Fluglärm im Nationalpark: Inhaber des Forellenhofs Trauntal gibt Anbaupläne auf

Axel Munsteiner

Wirkt sich der zunehmende Lärm von Flugzeugen negativ auf den Tourismus im Nationalpark Hunsrück-Hochwald aus? Zumindest zwei Gastgeber aus der VG Birkenfeld betonen, dass sie von ihrer Warte aus diese Frage mit einem klaren Ja beantworten können. Einer von ihnen, Dietmar Windsberger vom Forellenhof Trauntal in Börfink, sagt zudem, dass er nicht zuletzt aufgrund dieses Problems auf eine ursprünglich geplante Großinvestition in seinem Betrieb im Herzen des Schutzgebiets verzichten wird. Das ist aber noch nicht alles.

Foto: Gerhard Hänsel

In Paragraf 4 des Nationalparkgesetzes heißt es, dass der Zweck darin liegt, dass dort „die besondere Eigenart, landschaftliche Schönheit, Ruhe und Ungestörtheit bewahrt, entwickelt und wiederhergestellt werden soll“. Was die Punkte Ruhe und Ungestörtheit angeht, sieht die Realität im Luftraum über dem Nationalpark aber ganz anders aus, beklagt sich nicht nur Windsberger. Auch Gisela und Gerhard Herber, die in Hattgenstein eine Ferienwohnung mit zwölf Betten vermieten, sprechen davon, dass der „infernalische Krach“ vor allem von Kampfjets ihrem Betrieb stark zusetzt. „Wir hatten Stammgäste aus Bayern, die früher jedes Jahr dreimal zu uns gekommen sind. Inzwischen bleiben sie weg – und zwar mit der ausdrücklichen Begründung, dass ihnen der Fluglärm bei uns zu viel geworden ist“, sagt Gisela Herber. Ein anderer Gast habe ihnen nach einer Wandertour im Zauberwald von permanenten Flugmanövern von Militärmaschinen berichtet und diese Eindrücke so kommentiert: „Wir dachten eigentlich, dass wir in einem Nationalpark Urlaub machen und nicht in einem Kriegsgebiet.“

Gäste flüchteten von Terrasse

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch Windsberger: Der Forellenhof liegt auf circa 600 Meter Höhe. „Wenn ein Jet in 1200 Meter Höhe über uns donnert, ist das von der Lärmbelastung natürlich noch viel stärker als in niedrig gelegeneren Gebieten“, sagt der Forellenhof-Betreiber. Schon mehrfach seien Gäste, die auf der Terrasse gesessen hatten, ins Innere geflüchtet, weil sie die Atmosphäre als bedrohlich empfanden. Häufiger habe er deshalb von Urlaubern bereits Aussagen nach dem Motto „Der Aufenthalt hier war ja schön, aber der Krach ist gerade in einem Nationalpark unzumutbar“ gehört. Deshalb engagiert sich Windsberger inzwischen auch in der in Kaiserslautern angesiedelten Bürgerinitiative gegen Fluglärm, Bodenlärm und Umweltverschmutzung.

Windsbergers traditionsreicher Forellenhof ist nicht nur ein bekanntes Speiselokal. Es verfügt aktuell auch über 20 Betten im Haus und zusätzlich acht Betten in der Ferienwohnung Hengstbachtal. Ursprünglich wollte er den Forellenhof um zehn weitere Ferienwohnungen erweitern. „Dann hätten wir auch Platz gehabt, um ganze Busgruppen unterzubringen.“ 600.000 Euro wollte die Familie investieren, wobei das Privatprojekt mithilfe eines EU-Zuschusses aus dem Topf des Leader-Programms verwirklicht werden sollte. Bei der dafür zuständigen Geschäftsstelle der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf in Hermeskeil haben die Windsbergers inzwischen aber bereits Bescheid gegeben, dass sie ihre Pläne auf Eis legen.

Bei diesem Entschluss haben zwar auch noch einige andere Faktoren eine Rolle gespielt, etwa bürokratische Hürden, aber die zunehmende Belastung durch den Fluglärm sei ein wesentlicher Aspekt gewesen, „vorerst von dieser Investition die Finger zu lassen“, sagt Dietmar Windsberger. Im Hinblick auf die Erweiterung hatte der Forellenhof zudem bereits sein Personal aufgestockt. 16 Mitarbeiter sind aktuell dort beschäftigt. „Wir müssen nun aber notgedrungen zwei haupt- und zwei nebenberufliche Kräfte freistellen“, sagt Windsberger, der zudem eine „Anpassung“ sprich Verkürzung der Öffnungszeiten des Forellenhofs ankündigt.

Auch die Herbers, die seit 13 Jahren Gastgeber von Urlaubern in Hattgenstein sind, sagen, dass sie bis vor einiger Zeit noch über den Bau eines zusätzlichen Ferienhauses nachgedacht haben. „Unter diesen Umständen hat das aber keinen Sinn“, sagt Gisela Herber. Sie sieht die Nationalparkregion in puncto Fluglärm als besonders betroffen an, „weil sich bei uns noch viel zu wenige Leute wehren. Das muss sich ändern.“ Dieser Meinung ist auch Windsberger – und deshalb haben beide Gastgeber sich entschlossen, ihre Beschwerden publik zu machen.

Bürgerumfrage in Brücken

Zumal sie offenbar nicht allein sind. Laut Herbert Leyser von der VG-Verwaltung gibt es nämlich noch weitere Gastronomen, die sich bei der Tourist-Information über das Problem des zunehmenden Fluglärms beklagt haben. Wie in der NZ bereits berichtet wurde, hat sich erst kürzlich der VG-Rat mit dem Thema befasst, und in Brücken gab es eine Bürgerumfrage, bei der in fast allen Rückmeldungen der Fluglärm als wachsende Belastung bezeichnet wurde.

Verbandsgemeindebürgermeister Bernhard Alscher sieht die Sache etwas differenzierter. Aus militärischer Sicht könne er die Notwendigkeit der Manöver verstehen, und man müsse auch anerkennen, dass bei den Flügen der Kampfjets darauf geachtet werde, die Belastung in der Großregion einigermaßen gerecht zu verteilen. „Allerdings kann es auch nicht sein, dass sich zum Beispiel in der Pfalz alle zusammentun, um sich gegen das Problem zu wehren, und wir lassen alles mit uns geschehen“. Auch die Anrainer des Nationalparkgebiets sollten sich zu Wort melden, zumal auch der zivile Luftverkehr – etwa im Hinblick auf das größere Frachtaufkommen auf dem Flughafen Hahn – zunimmt, sagt Alscher. Für ihn eher ungewöhnlich ist jedoch die Feststellung, „dass bei diesem Problem in erster Linie die große Politik gefragt ist, weil ich nicht weiß, wie ich als kleiner Bürgermeister bei dieser Sache einen Zugriff bekommen kann“.

Nur in einem Punkt sieht er die Chance, kurzfristig Abhilfe zu schaffen. Hans-Joachim Billert, Vorsitzender des Nationalparkfreundeskreises und als früherer Flugkapitän sowie Ausbilder der Lufthansa ein ausgewiesener Fachmann, hatte kürzlich bei einem VG-Arbeitskreistreffen darauf hingewiesen, dass speziell geschulte Piloten durchaus auch in der Lage sind, eine Maschine mit ihrem Startgewicht wieder zu landen. Der tonnenweise Ablass von Kerosin in kritischen Situationen sei also nicht zwingend nötig. „Deshalb sollten wir darauf drängen, dass nur Piloten, die diese spezielle Schulung haben, in unserem Bereich unterwegs sind“, sagt Bürgermeister Bernhard Alscher.

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Idar-Oberstein Birkenfeld
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