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Baumholder

Ein Wow-Effekt mitten in Baumholder

Stefan Conradt

Was lange währt, wird richtig gut – mit diesem abgewandelten Sinnspruch kann man das Baumholderer Regionalmuseum Goldener Engel passend umschreiben. Gestern wurde das Kulturzentrum, das an der Stelle des früheren Hotels gleichen Namens entstanden ist und neben dem Regionalmuseum künftig auch die Tourist-Info und die Stadtbibliothek beherbergt, feierlich eröffnet. Am Stadtfestwochenende können Besucher am Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr schon mal einen Blick auf die sehenswerte Sammlung werfen.

Vor zahlreichen geladenen Gästen hielt Innenminister Roger Lewentz die Festrede, die voll des Lobes für das neue Museum und dessen Initiatoren ausfiel.  Fotos: Reiner Drumm
Vor zahlreichen geladenen Gästen hielt Innenminister Roger Lewentz die Festrede, die voll des Lobes für das neue Museum und dessen Initiatoren ausfiel. Fotos: Reiner Drumm
Foto: Reiner Drumm

Bei der Eröffnung begrüßte Stadtbürgermeister Günther Jung alle Gäste per Handschlag an der Tür – darunter eine Delegation aus der amerikanischen Partnerstadt Delaware. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz sprach von einem „besonderen Tag für Baumholder, für die VG, aber auch für ganz Rheinland-Pfalz“. Die amerikanische Präsenz in Baumholder habe auch einen Ausschlag auf das Bundesland mit der größten Anzahl an US-Soldaten in Deutschland – Tendenz: steigend. Derzeit bereite sein Ministerium eine Ausstellung „100 Jahre Amerikaner in Rheinland-Pfalz“ vor, die Anfang des Jubiläumsjahres 2019 in Berlin eröffnet werden soll: „Die könnte ich mir gut auch hier vorstellen.“ Die Förderung solcher Projekte sei für das Land gut investiertes Geld, der Holzschwamm, der dafür gesorgt hatte, dass das ursprüngliche historische Gebäude nicht mehr zu retten war, sei fast schon ein Glücksfall gewesen: „Jetzt haben Sie hier einen Wow-Effekt mitten in der Stadt“, lobte Lewentz, der als Geschenk eine Rheinland-Pfalz-Wappenfahne mitgebracht hatte, das Gebäude.

Museumsleiterin Ingrid Schwerdtner, ihre Mitarbeiter Jeanette Böhm und Dr. Ulrich Schmid führten Innminister Roger Lewentz gemeinsam mit dem Stadtvorstand und Architekt Marcus Hille durch die Ausstellung, in der ein alter Willys-Jeep durch die Wand zu fahren scheint.
Museumsleiterin Ingrid Schwerdtner, ihre Mitarbeiter Jeanette Böhm und Dr. Ulrich Schmid führten Innminister Roger Lewentz gemeinsam mit dem Stadtvorstand und Architekt Marcus Hille durch die Ausstellung, in der ein alter Willys-Jeep durch die Wand zu fahren scheint.
Foto: Reiner Drumm

Der Ingelheimer Architekt Marcus Hille erläuterte die Philosophie des Gebäudes mit seinen luftigen Galerien und den vielen Fenstern und unterstrich, dass man die geplanten Baukosten in Höhe von 3,6 Millionen Euro unterboten habe. Er überreichte an den Stadtbürgermeister und den Beigeordneten Christian Flohr einen symbolischen Hausschlüssel.

Verbandsgemeindebürgermeister Bernd Alsfasser lobte das Ergebnis der langen Bauphase und berichtete, dass er nun bei jedem Besuch an seinen Vater erinnert werde. Dessen Volksempfänger, der jahrzehntelang in der Werkstatt in Heimbach stand, ist nun Bestandteil der Ausstellung und spielt unaufhörlich Zarah Leanders Hit „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ aus dem Jahr 1942. Die musikalische Umrahmung bei der Eröffnung übernahm das Landespolizeiorchester – „das beste in ganz Deutschland“, wie der Innenminister unterstrich.

Lange hatten die Baumholderer auf die Eröffnung warten müssen, immer wieder war es in der Bauphase zu Problemen und zeitlichen Verzögerungen gekommen, seit die Stadt das marode Gebäude im Jahr 2007 gekauft hatte. Baubeginn war im August 2013. Das lange Warten hat sich gelohnt, darüber waren sich die ersten Besucher am Freitag einig. Das Museum arbeitet die Geschichte der Region, die Entstehung des Truppenübungsplatzes Baumholder und mehr als 60 Jahre als US-Standort mit all seinen Auswirkungen auf die Stadt und die umliegenden Gemeinden auf.

Besucher können nachempfinden, dass schon in den 1950er-Jahren im Westrich eine Amerikanisierung und Modernisierung des täglichen Lebens stattfand, wie sie das restliche Deutschland erst sehr viel später erlebte. Die Einflüsse des American Way of Life auf das Zusammenleben der Menschen bis in die heutige Zeit wird beim Gang durch die Ausstellung deutlich: Die Baumholderer sind – anders als viele andere Gemeinden – daran gewöhnt, mit Menschen anderer Kultur friedlich zusammenzuleben.

Das Museum erzählt die Geschichte einer US-Garnisonsstadt von vor dem Zweiten Weltkrieg bis heute, eine Geschichte, die exemplarisch für viele Gemeinden und Städte in Rheinland-Pfalz sowie in ganz Deutschland steht – und doch völlig anders ausfällt. Denn nirgendwo sonst außer vielleicht in Ramstein sind die Kontraste zwischen dem kleinen deutschen Städtchen und der großen Garnison so eklatant wie hier.

Mitglieder des Heimat- und Kulturkreises, der das Museum betreiben wird, stehen am Wochenende für Führungen zur Verfügung. Ab November soll es die dann auch in englischer Sprache geben, die Begleittexte sind schon jetzt zweisprachig – das ist gut so, denn das Interesse ehemaliger US-Soldaten, die ihre frühere zweite Heimat in „Germany“ wiedersehen wollen, ist groß. Davon berichtete der ehemalige Kommandeur der Ersten Panzerdivision am Standort Baumholder und spätere Präsidentenberater Mark Kimmitt, der eigens zur Museumseröffnung aus den USA angereist war.

Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt
Idar-Oberstein Birkenfeld
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