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Idar-Oberstein

Ein Flussradweg, der gar keiner ist

Ein miserables Zeugnis stellt der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) dem Nahe-Radweg im Kreis Birkenfeld aus. "Ein Flussradweg, der gar keiner ist", konstatierte Erhardt Vortanz, der stellvertretende ADFC-Landesvorsitzende, der die Tour von der Quelle bis nach Idar-Oberstein nicht nur abfuhr, sondern seine Eindrücke, Kritikpunkte und Lösungsvorschläge metergenau dokumentierte. Das Ergebnis stellte Vortanz jetzt beim von der Kreisverwaltung organisierten Rad-Symposium vor, zu dem trotz widriger Witterungsverhältnisse rund 80 Zuhörer kamen.

In fünf Arbeitsgruppen wurden Ideen zum Radtourismus gesammelt. Nicht überraschend: Beim Thema "Naturschutz" wurde am heftigsten diskutiert.
In fünf Arbeitsgruppen wurden Ideen zum Radtourismus gesammelt. Nicht überraschend: Beim Thema "Naturschutz" wurde am heftigsten diskutiert.

Idar-Oberstein – Ein miserables Zeugnis stellt der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) dem Nahe-Radweg im Kreis Birkenfeld aus. "Ein Flussradweg, der gar keiner ist", konstatierte Erhardt Vortanz, der stellvertretende ADFC-Landesvorsitzende, der die Tour von der Quelle bis nach Idar-Oberstein nicht nur abfuhr, sondern seine Eindrücke, Kritikpunkte und Lösungsvorschläge metergenau dokumentierte. Das Ergebnis stellte Vortanz jetzt beim von der Kreisverwaltung organisierten Rad-Symposium vor, zu dem trotz widriger Witterungsverhältnisse rund 80 Zuhörer kamen.

"Bei einem Flussradweg stellt man sich ja vor, man fährt mit der Bahn zur Quelle und dann immer schön bergab..." Beim Nahe-Radweg sei dies anders: Immer wieder hemmen nach Ansicht des Experten meist überflüssige Anstiege den Radfahr-"Fluss": "Man fährt steil rauf, dann wieder steil runter. Oben gab es aber nix besonderes zu sehen, also weiß man: Hier haben sie einfach nur gespart..." Das "Eingangstor" zum Kreis Birkenfeld stelle sich als schmuddelige Autobahnunterführung dar, belegte Vortanz mit eindrucksvollen Fotos. Viel zu selten ist die Nahe zu sehen. Sein Vorschlag: Mit sechs neuen Brücken könnte man dem Flussverlauf bis Kronweiler folgen.

Doch danach warten noch weitere Hemmnisse – allen voran die bei Kommunalpolitikern und Naturschützern umstrittene Route im Kammerwoog. Hier schlägt der ADFC drei Varianten vor: einen aufgeständerten Radweg in Ufernähe, eine höher gelegte Variante entlang der Felsen oder einen 70 Meter langen Tunnel. "Ich weiß, dass diese Vorschläge sehr teuer sind. Sie müssen entscheiden: Lohnt sich der Aufwand? Wir denken: Ja." Die bereits gebaute blaue Brücke gefällt dem Radfahrexperten gut ("Toll! Mut zur Farbe!"), ebenso wie er die Schiebe-Variante über eine Schiene die Treppen hoch zur Weinsau-Schule unproblematisch sieht. Dann kommt's aber dicke: "Dass man einen Radweg mitten durch eine Fußgängerzone legt, habe ich noch nie erlebt." Konflikte seien hier programmiert. Dabei bietet sich laut ADFC eine alternative Wegeführung durch die Austraße geradezu an. Was bis zur Kreisgrenze bei Bärenbach folgt, sind hohe Bordsteine, zu enge Radwege (Almerich), undurchsichtige (untere Hauptstraße) und unattraktive Wegeführungen (Nahbollenbach, Weierbach). "Warum nutzt man nicht vorhandene ruhige Wohnstraßen?", fragt Vortanz hier. Die umfangreiche Dokumentation soll nun den Gremien in Stadt und Kreis zur Verfügung gestellt werden. Landrat Axel Redmer und Bürgermeister Frank Frühauf sagten noch am Abend zu, dass bereits für die neue Radsaison Verbesserungen im Idar-Obersteiner Stadtgebiet angegangen werden.

Zuvor hatten unter der Moderation von Stefan Dietz Nathalie Hartenstein (Rheinland-Pfalz-Touristik) und Ute Meinhard (Naheland-Touristik) die Potenziale des Radtourismus auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene herausgestellt. Gerade die Mittelgebirge böten ideale Voraussetzungen für sportlich ambitionierte Radfahrer. Wie sich die Investitionen in Form zusätzlicher Wertschöpfung für die Region auszahlen, zeigte Wolfgang Reh (Eifel-Tourismus) und appellierte: "Bleiben Sie im Dialog!"

Analog zu den Traumschleifen für Wanderer Rundkurse zu entwickeln, riet Bernd Zollhöfer (Arge Velo-Plan Saarland). "Unsere Natur ist unser Faustpfand", ist Christian Gottlieb überzeugt, der ebenso wie Anja Eckhardt touristische Angebote in der Region vorstellte. Erfolgsrezepte aus anderen Gegenden riss Kreis-Wirtschaftsförderer Michael Dietz an.

In der abschließenden Diskussion mahnte Willi Weitz (Pollichia), im Interesse des Artenschutzes wassergebundene Decken statt Asphalttrassen zu favorisieren. Zuvor hatten die Teilnehmer an fünf Thementischen Ideen entwickelt. Positive Erkenntnis: Etliche Bürger sind bereit, sich mit Fachwissen und Engagement einzubringen, ob bei der Ausweisung von Strecken oder als Paten bei der Pflege der Radwege. Häufig seien schon mit geringen Mitteln erhebliche Verbesserungen möglich, so der Tenor. Stefan Conradt

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