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Niederbrombach

B 41: Die Umgehung Niederbrombach ist nicht unumstritten

Um die drei Dörfer Rötsweiler, Oberbrombach und Niederbrombach vom starken Durchgangsverkehr zu entlasten, muss endlich eine Umgehungsstraße her. Diese Notwendigkeit haben in den vergangenen Monaten die führenden Politiker in der Region und die Initiative der Serviceclubs an der oberen Nahe (Viscon) im Zusammenhang mit dem geforderten Ausbau der B 41 wiederholt zum Ausdruck gebracht. Doch das wird nicht von allen so gesehen.

Der Verkehr auf der B 41 rollt zwischen Birkenfeld und Idar-Oberstein nicht nur mitten durch die drei Orte Niederbrombach, Oberbrombach und Rötsweiler, sondern es geht auf diesem Abschnitt zudem einmal steil den Berg hinauf und dann wieder hinunter. Foto: Reiner Drumm
Der Verkehr auf der B 41 rollt zwischen Birkenfeld und Idar-Oberstein nicht nur mitten durch die drei Orte Niederbrombach, Oberbrombach und Rötsweiler, sondern es geht auf diesem Abschnitt zudem einmal steil den Berg hinauf und dann wieder hinunter.
Foto: Reiner Drumm

Wie sieht es in den drei Orten selbst aus? Wird dort der Bau einer Umgehungsstraße überhaupt gewünscht? Die NZ hat bei den drei Gemeindechefs nachgefragt und festgestellt, dass das Stimmungsbild geteilt ist.

Wie mehrfach berichtet, ist die Umfahrung Rötsweiler, Oberbrombach, Niederbrombach im Bundesverkehrswegeplan 2030, der kurz vor seiner Verabschiedung im Berliner Parlament steht, in der Kategorie "Weiterer Bedarf mit Planungsrecht" eingestuft. In den ersten Entwürfen des Bundesverkehrsministeriums war das Projekt – genau wie die Ortsumgehung Martinstein – zunächst nicht mehr berücksichtigt worden. Allerdings haben beide Umfahrungsstrecken nun auch ihren Status "Vordringlicher Bedarf" verloren, den sie im früheren Bundesverkehrswegeplan 2003 noch hatten – was vor Ort heftig kritisiert wird.

Entlastung dringend erwünscht

Hans-Dieter Kappler, Ortschef von Rötsweiler-Nockenthal, bringt die Haltung seiner Gemeinde prägnant auf den Punkt: "Wir wünschen uns die Ortsumgehung dringendst und würden die B 41 lieber heute als morgen loswerden." Im kleinen Doppelort haben deshalb auch mehr als 200 Menschen im Frühjahr die große Unterschriftenaktion der Viscon-Initiative zum Ausbau der wichtigsten Verkehrsader in der Region unterstützt.

Die Lärmbelastung, vor allem durch Lkw, sei enorm und bereite so manchem direkten Anwohner schlaflose Nächte. Dreck und Abgase kommen erschwerend hinzu, fasst Kappler die negativen Auswirkungen der B 41-Ortsdurchfahrt zusammen. Der Gemeindechef sagt aber auch: "Mir fehlt der Glaube daran, dass die Umgehungsstraße tatsächlich kommt. Ich bin jetzt über 60 Jahre alt und werde das nicht mehr erleben."

Kappler erinnert daran, dass über eine Umgehungsstraße schon seit den 1970er-Jahren diskutiert wurde und es ebenso lange eine Grobplanung für eine mögliche neue Trasse gebe. Da das Projekt nun im neuen Bundesverkehrswegeplan de facto herabgestuft worden sei, sieht er kaum Chancen, dass in absehbarer Zeit Baurecht geschaffen werden kann.

Sein Amtskollege Helmut Brächer aus Oberbrombach betont: "Bei uns ist die Lage ebenfalls eindeutig: Wir wollen die Umgehungsstraße." Dass sich der Verkehr bisher durch den Ort quält, bezeichnet Brächer vor allem wegen des Lärms als "große Belastung für die Anwohner". Ähnlich wie in Rötsweiler gebe es auch in Oberbrombach keine Gewerbetreibende, "die wegen der Laufkundschaft von der Lage in einer Ortsdurchfahrt profitieren würden", fügt der Gemeindechef hinzu. Genau wie Kappler glaubt aber auch Brächer nicht an eine baldige Verwirklichung des Projekts. "Da bin ich alles andere als optimistisch. Ich kann mich erinnern, dass die Variante, die jetzt favorisiert ist, fast mit der identisch ist, die schon mal abgesteckt wurde, als ich noch ganz jung war. Wäre die Umgehungsstraße damals gebaut worden, hätte man viel Geld sparen können", sagt Brächer.

Gravierende Folgen für Geschäfte?

Einig ist sich Bernd Brombacher, Ortschef von Niederbrombach, mit Kappler und Brächer in der Einschätzung, dass der Bau einer Umgehungsstraße wahrscheinlich noch in weiter Ferne liegt. Er hat mit Blick auf dieses Projekt aber eine andere Einstellung als seine Kollegen aus den Nachbardörfern: "In Rötsweiler und Oberbrombach haben sie durch die Ortsdurchfahrt nur Dreck und Lärm". Für Niederbrombach gelte hingegen: "Auch für uns bedeutet die B 41 viel Dreck und Lärm. Wir haben durch die Straße aber auch einen großen Nutzen." Gemeint ist die Tatsache, dass der lediglich 500 Einwohner zählende Ort eine bemerkenswerte Infrastruktur mit einem Kaufhaus, Metzger, Bäcker, einem Gasthaus, zwei Malergeschäften, zwei Autohäusern, zwei Bankfilialen und noch einigen anderen Gewerbebetrieben aufweist. Der Bau einer Umgehungsstraße könnte für diese Geschäfte gravierende Folgen haben, fürchtet Brombacher. "Der Durchgangsverkehr sorgt für sehr viel Umsatz im Dorf." Der Niederbrombacher Gemeindechef räumt allerdings ein, dass es im Ort geteilte Meinungen gibt und sich vor allem viele direkte B 41-Anlieger eine Umgehung wünschen.

Die Pläne für diese neue, mögliche Trasse sieht Brombacher jedoch kritisch. Der Grund: Die vom LBM favorisierte Variante fünf sieht den Bau einer Brücke über den Schwollbach vor. Das bis zu 80 Meter hohe Bauwerk würde sich in unmittelbarer Nähe der letzten Häuser von Niederbrombach an der Straße Richtung Kronweiler über das Tal spannen. "Wir hätten also immer noch eine Bundesstraße im Ort, nur würde sie 80 Meter höher liegen", kritisiert der Gemeindechef. Er fragt sich zudem, "warum es immer die großen und teuren Lösungen sein müssen". Nach seiner Auffassung gibt es nämlich eine Möglichkeit, die den drei Dörfern schnell und kostengünstig helfen würde. "Es wäre für uns alle viel gewonnen, wenn wir den reinen Durchgangsverkehr der schweren Lkws aus den drei Orten herausbekommen", sagt Brombacher.

Mautstation bei Enzweiler

Gemeint sind die Brummis, die aus Richtung Idar-Oberstein zur A 62-Auffahrt bei Birkenfeld über die B 41 rollen. Diesen Verkehr sollte man so umleiten, dass er ab Enz-weiler an Frauenberg, Reichenbach und Baumholder vorbei auf die A 62-Auffahrt bei Freisen gelotst wird, schlägt Brombacher vor. Auf dieser Strecke gibt es nämlich keine Ortsdurchfahrten. Damit die Brummifahrer diese Trasse auch tatsächlich nutzen, schwebt Brombacher die Einrichtung von Mautstationen bei Enzweiler und Birkenfeld vor.

Von unserem Redakteur Axel Munsteiner

Idar-Oberstein Birkenfeld
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