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Greimersburg

Zukunftsprojekt in Greimersburg: "Oos Ahle" ins Laufen bringen


Thomas Brost

Das Konzept ist über alle Kritik erhaben, dennoch fehlt der letzte Kick, um die Wohn-Pflege-Gemeinschaft in Greimersburg („Oos Ahle“, Unsere Alten) auf den Weg zu bringen. Neues Selbstbewusstsein haben die Greimersburger jetzt getankt: Ihr Konzept zur Belebung des Ortskerns ist bundesweit im Gespräch, als eine von 22 Kommunen haben sie es bis in die Endrunde von „Kerniges Dorf!“, einem Wettbewerb des Bundeslandwirtschaftsministeriums, geschafft (siehe Zusatztext). Die Fachjury zeigte sich angetan „vom Engagement zum Erhalt der Daseinsvorsorge mit dem Dorfladen ,Oose Lade' sowie von den Konzepten für das geplante Seniorenwohnprojekt und die Bürgergenossenschaft“. So weit die Lobrede, aber was passiert nun konkret im 700-Einwohner-Dorf?

Ein ehemaliger Bauernhof unweit des Dorfladens soll der Standort für die Wohn-Pflege-Gemeinschaft werden.
Ein ehemaliger Bauernhof unweit des Dorfladens soll der Standort für die Wohn-Pflege-Gemeinschaft werden.
Foto: Christoph Bröder

„Wir arbeiten weiter an der Zukunftsfähigkeit von Greimersburg. Insbesondere liegt der Fokus auf dem Dorfkern, in dem zusätzlich Gemeinderäume und ein Dorfplatz entstehen sollen“, sagt Ortsbürgermeister Hans-Werner Junglas. Und das Seniorenwohnprojekt. Für Letzteres sind nicht nur viele Hände, sondern auch dicke Portemonnaies vonnöten. Auf drei festen Säulen soll die Einrichtung gestellt werden.

1. Bürgergenossenschaft: Sie ist ein wesentlicher Eckpfeiler des Projektes, in das zwölf Menschen einziehen sollen, zwei davon in stationärer Pflege. Ziel ist es, zum einen mit der Bürgergenossenschaft als Investor Geld einzusammeln. Dazu sollen möglichst viele Anteile zu 500 Euro je Anteil von Bürgern gezeichnet werden. „Wir wollen die Finanzierung auf ganz, ganz viele Schultern verteilen“, betont Junglas, der auch Bürger aus den Nachbarkommunen einlädt, bei dem bislang einmaligen Seniorenprojekt mitzuhelfen. Ein Prototyp soll auf einem 2000 Quadratmeter großen Bauernhof vis-à-vis vom Dorfladen gebaut werden, für das Grundstück hat die Gemeinde das Vorkaufsrecht. Fragen müssen vorab beantwortet werden wie diese: Wie groß müssen die Zimmer für Senioren sein? Wie wird der Brandschutz gewährleistet? Beraten wird die Gemeinde, die als Pilotkommune auch Förderung vonseiten des Landes beanspruchen darf, von einem Wittlicher Fachbüro.

Acht Männer und Frauen wollen bei der Bürgergenossenschaft, deren Gründung unmittelbar bevorsteht, fest mitmachen. „Wir wollen möglichst schnell Gelder einsammeln und auch die Nachbargemeinden mitnehmen“, macht Junglas gute Stimmung für das Projekt, das „für uns auf dem Land einen großen Nutzen bringt“. Stichwort: Solange die Senioren können, sollen sie in einer angenehmen und möglichst bekannten Umgebung alt werden dürfen. Je mehr Genossen, desto besser also. Auch die Kreisverwaltung bejaht das Projekt.

1,5 bis 2,0 Millionen Euro müssen als Investitionssumme kalkuliert werden, da wäre natürlich ein größerer Investor gern gesehen. Die Rendite für eine Einlage soll nach Auskunft von Projektleiter Lauxen bei 1 Prozent liegen.

2. Betreiber: Ein Ambulanter Pflegedienst soll vertraglich gebunden werden, um Betreuungsleistungen für die Senioren anzubieten. Zehn Menschen werden „niedrigschwellig“ am Tag betreut, zwei weitere stationär. Zurzeit liegen die Bewerbungen von zwei professionellen Pflegediensten vor.

3. Bürgerverein: Der kürzlich gegründete Bürgerverein soll den Pflegedienst unterstützen, er ist die dritte Säule im System. „Wenn das Seniorenprojekt zustande kommt, werden wir die Betreuung der Menschen unterstützen“, sagt Paul Lauxen, der Vorsitzende des Vereins, der bereits 60 Mitglieder hat. Will heißen: Ehrenamtler gehen mit, wenn ein Bewohner Lust auf einen Spazier- oder Kirchgang hat. Ferner begleiten sie die Senioren in den Dorfladen oder zu Dorffesten. Oder sie schauen ganz einfach vorbei, um die Senioren zu unterhalten. „Das ist das i-Tüpfelchen an Betreuung, das heute in den Altenheim nicht mehr geleistet werden kann“, betont Paul Lauxen.

Der Verein hat noch mehr vor, er will, dass seine Mitglieder die Chance haben, die häusliche Pflege zu lernen – auf Kosten des Vereins. „Wir wollen eine Fortbildung ermöglichen“, sagt Lauxen. Die Ehrenamtlichen sollen nicht überbelastet werden, aber Lauxen will ihnen bald die Fragen stellen: „Was kann jemand wann anbieten? Wollen Sie Hilfe haben oder selbst helfen?“ Gedacht ist auch daran, einen Mittagstisch für Senioren im Dorf anzubieten, an denen sie sich beköstigen können. Oder als Kochhilfe: Mitbürger sollen über den Verein, so Lauxen, „Hintergrundwissen erlangen, um an Ort und Stelle zu helfen“. Als mögliche Betätigungsfelder zählen auch Garten- und Friedhofsarbeit oder ein Fahrdienst zu Ärzten, Ämtern, Apotheken.

Doch der „Oberzweck“ (Lauxen) ist die Verwirklichung der Wohn-Pflege-Gemeinschaft, die im nördlichen Rheinland-Pfalz bisher einmalig wäre. Deswegen schaut auch Mainz mit Argusaugen in das kleine Eifeldorf. Aber auch dort scharrt man vernehmlich „mit den Hufen“. „Das Ganze ist mit viel Vorarbeit verbunden“, lässt Lauxen durchblicken, seit 2012 trägt man sich mit diesem neuartigen Gedanken. Junglas und Lauxen hegen jetzt diesen einen Wunsch: „Wir wollen das Baby jetzt ans Laufen kriegen.“

Der Bürgerverein nimmt noch Mitglieder auf, der Mitgliedsbeitrag kostet 2 Euro je Monat, 3 Euro je Familie/Monat, 5 Euro für Firmen und Institutionen. 1 Euro will der Verein für eine Hilfeleistung haben, Übungsleiter sollen die Chance haben, Pauschalen zu beanspruchen. Infos zum Projekt „Oos Ahle“/Kontakt: Ortsbürgermeister Hans-Werner Junglas, unter der E-Mail-Adresse greimersburg@vgcochem.de, Telefon 0151/117.124 52.

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

Im Eifeldorf gibt es praktisch keinen Leerstand

Unter 147 Bewerbern hat es Greimersburg geschafft, in die Endrunde des Bundeswettbewerbes „Kerniges Dorf!“ einzuziehen. Bei der Grünen Woche in Berlin hat Projektleiter Paul Lauxen dafür eine Ehrenurkunde in der Kategorie „Kernig im Wandel: kleine Dörfer“ erhalten. Unter den fünf Siegern war neben anderen die Gemeinde Mückeln (Vulkaneifelkreis).

Die fünfköpfige Jury lobte, dass Greimersburg den Ortskern stärkt. Im Kern gibt es praktisch keinen Leerstand. Vier neue Wohnhäuser sind nach dem Abriss in der Ortsmitte entstanden. Zwei Objekte hat die Gemeinde selbst gekauft. Und das neuartige Wohn-Pflege-Projekt könne „anderen Dörfern Orientierung geben“. bro
Cochem Zell
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