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    Cochem

    Wo Nähe entsteht, fühlt Lambertz sich wohl

    Wolfgang Lambertz empfängt Gäste grundsätzlich nicht an seinem Schreibtisch im Cochemer Rathaus am Marktplatz. Er bittet sie lieber an einen kleineren hölzernen Beistelltisch daneben. Denn dieser, ebenfalls aus dunklem Massivholz, ist viel kleiner als der Schreibtisch. Vor allem aber ist er rund, lässt automatisch mehr Nähe zu. Offen, „nah bei den Leuten“ – das ist die Devise des Cochemer Stadtbürgermeisters, der am 24. September – wie vier weitere Kandidaten – zum hauptamtlichen Verwaltungschef der Verbandsgemeinde (VG) Cochem gewählt werden möchte. Selbstbewusst sagt er: „Ich glaube, dass ich als VG-Bürgermeister einiges für die Ortsgemeinden und die Stadt Cochem bewegen kann.“

    Ja, im historischen Rathaus am Marktplatz verbringt Wolfgang Lambertz weit mehr Zeit als in den eigenen vier Wänden an der Mosel. Aber „Gehöchnis“ findet er dort nicht, obschon er mit vielen sehr engagierten und lieben Menschen zusammenarbeitet. „Gehöchnis finde ich zu Hause, da, wo meine Frau Petra ist.“ Das wäre also geklärt, rundum geborgen und wohl fühlt sich Lambertz im Kreise der Familie. Doch der Mundartbegriff „Gehöchnis“ kommt ihm auch in den Sinn, wenn er definieren soll, was für ihn Heimat ausmacht. „Ich bin geprägt von der Region, der Landschaft, der Mosel“, sagt der 51-Jährige. Leicht verträumten Blickes erzählt er allerdings auch von den „schwellenden Höhen“ des Hunsrücks und der Eifel.

    Dabei stammt Lambertz aus Andernach. 1974, als Drittklässler, kam er mit seinen Eltern an die Mosel, da sein Vater, gelernter Schreiner, eine Stelle bei Möbel Steffen in Mastershausen antreten sollte. Auf Wohnungssuche fuhr die Familie von Valwig aus in Richtung Cochem. Unterhalb der Brauselay fiel ihr Blick zum ersten Mal auf Reichsburg, Altstadt, Pinnerkreuz. „Da stand für meine drei Jahre ältere Schwester Ulrike und mich fest: Das ist es. Wir werden in Cochem wohnen.“ So kam es.

    Lambertz liebt die Region, vor allem aber hält er fest: „Ich liebe es, wenn ich Menschen zusammenführen und gemeinsam mit ihnen etwas erreichen kann.“ Die Liebe zu seiner späteren Frau Petra entdeckte er im Jahr 1983 bei einer Floßfahrt auf der Lahn. Diese war Teil einer Jugendfreizeit, die Lambertz, bekennender Katholik, für die Cochemer Messdiener mitorganisiert hatte. Es funkte, die Chemie stimmte.

    Cochems Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz an seinem Schreibtisch. Wird der 51-Jährige bald Nachfolger von VG-Chef Helmut Probst?  Foto: David Ditzer
    Cochems Stadtbürgermeister Wolfgang Lambertz an seinem Schreibtisch. Wird der 51-Jährige bald Nachfolger von VG-Chef Helmut Probst?
    Foto: David Ditzer

    Mit Chemie kennt Lambertz sich bestens aus, schließlich hat er ein entsprechendes Studium in Bonn absolviert. Sein Geschäft, die Galerie Art & Work baute er sich allerdings mit seiner Frau Petra auf, die in Mainz Buchwesen studiert hat. Zuerst, von 1994 an, im Hof seiner Schwiegereltern. 1997 erwarben beide das Haus an der Moselpromenade. Wie seine Frau ist Wolfgang Lambertz „schon immer ein Bücherfreak gewesen“, der gerne einen Blick „hinter den Spiegel“ wirft, geschichtsbegeistert ist, ohne datenversessen zu sein. „Mich interessieren Systeme, ich will wissen, warum etwas wie passiert.“

    2009 zog Lambertz für die CDU in den Cochemer Stadtrat ein, wurde 2011 zum Stadtbürgermeister gewählt. Für ihn war und ist es „die größte Herausforderung, Menschen zusammenzuführen“. Heute gebe es im Stadtrat – anders als früher – ein Miteinander. „Das genieße ich am meisten“, konstatiert Lambertz lächelnd.

    Er legt Wert auf guten, kurzen Draht zu den Menschen in allen Stadtteilen, achtet und pflegt Traditionen. Und er trägt bei Einsätzen stolz eine Uniformjacke mit der Aufschrift „Bürgermeister der Stadt Cochem“. Die Cochemer Feuerwehr hat sie ihm geschenkt. Die Jacke signalisiert dem Ex-THWler, als Teil der Truppe gesehen zu werden. „Es ist wichtig, Menschen das Gefühl zu geben, dass sie gebraucht werden, dass du dich dafür interessierst, was sie tun, und ihre Arbeit wertschätzt.“ Ohne sie zu bevormunden. „Dort, wo ich helfen kann, helfe ich.“ Und was wäre seine erste Amtshandlung als neuer VG-Bürgermeister? Da hat Lambertz eine sehr konkrete Idee: Sein Büro bekommt einen runden Besprechungstisch. Eine Verwaltung darf keine Trutzburg sein. „Ich will die Aufgabe der VG als Dienstleister für die Ortsgemeinden, die Stadt und die Bürger betonen.“

    Von unserem Redakteur David Ditzer

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