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Hesweiler

Wo es früher schon mal eins auf die Finger gab: Wie fleißige Helfer die Alte Schule in Hesweiler sanieren

Ulrike Platten-Wirtz

In der Alten Schule in Hesweiler ist was los. Jedenfalls der Lautstärke nach zu urteilen. Unterricht findet im ehemaligen Klassenraum zwar schon lange nicht mehr statt. Dafür sind seit Dezember aber ein halbes Dutzend fleißige Helfer dabei, die Alte Schule zu sanieren.

Ein eingespieltes Team rund um Ortsbürgermeister Manfred Wilhelms (rechts) sorgt dafür, dass es mit der Renovierung zügig vorangeht.
Ein eingespieltes Team rund um Ortsbürgermeister Manfred Wilhelms (rechts) sorgt dafür, dass es mit der Renovierung zügig vorangeht.
Foto: Ulrike Platten-Wirtz

Dort, wo früher das Klassenzimmer war, hat Franz Wagner eben neue Steckdosen montiert. Er erinnert sich noch gut an frühere Zeiten: „Hier hat man auch schon mal was auf die Finger gekriegt“, sagt der heute 60-Jährige. Bis in die 1960er Jahre gingen die Kinder aus Hesweiler noch im Dorf zur Schule. Später wurden in dem einzigen Klassenraum der Schule noch Erst- bis Viertklässler unterrichtet, bis auch die Grundschüler Ende der 1970er Jahre die Mittelpunktschule in Blankenrath besuchten. „Als die Schule nicht mehr als solche gebraucht wurde, hat die Gemeinde das Gebäude mitsamt der angrenzenden Lehrerwohnung vermietet“, erklärt Ortsbürgermeister Manfred Wilhelms. Als die bislang letzten Mieter der Schule im vergangenen September auszogen, beschloss der Gemeinderat, die Wohnung zu sanieren.

„Das entsprach hier alles nicht mehr modernen Standards“, sagt Wilhelms. Die Kosten dafür wurden von der Verbandsgemeindeverwaltung Zell auf rund 46.000 Euro geschätzt. Das war den Hesweilern zu teuer. Unter Wilhelms' Federführung schritten die engagierten Bürger selbst zur Tat. „Wir machen die Arbeit in Eigenleistung und müssen nur das Material zahlen“, sagt Wilhelms. Die Kosten reduzieren sich so um die Hälfte. „Echte Handwerker haben wir eigentlich nur zwei. Einen Elektriker und einen Maurer“, sagt Wilhelms. Trotzdem läuft die Sache gut an.

Der Ortschef hat den größten Teil der Wände selbst verputzt. Ob er das mal gelernt hat? „Eigentlich nicht“, sagt er. Das meiste hat er sich selbst beigebracht oder bei anderen abgeschaut. Die frisch verputzten Wände sehen auf jeden Fall ziemlich professionell aus. Hilfe bekam der Bürgermeister von seinem Schwiegersohn und Enkel Lennard. Wie ein alter Hase wirft der 11-Jährige den Putz von der Kelle an die Wand und verteilt ihn anschließend mit dem Reibebrett. „Hat mir mein Opa beigebracht“, erklärt er fachmännisch. Auch Vater Daniel Fischer stellt sich geschickt an. Dabei ist der eigentlich gelernter Winzer. Aber wenn es darum geht, etwas für die Gemeinde zu tun, packt man in Hesweiler eben gemeinsam an.

Der älteste Helfer ist Heinz Kloster. Der 75-Jährige ist gebürtiger Rheinhesse, engagiert sich aber gern in seiner Wahlheimat. Kloster ist hauptsächlich für Aufräumarbeiten zuständig. „Was glauben Sie, wie es hier aussehen würde, wenn man nicht dauernd den Dreck wegräumt?“, fragt er. Tatsächlich sieht es auf der Baustelle ziemlich ordentlich aus. Sobald Putz abgeklopft, Löcher gebohrt oder Kabel abgeschnitten werden, ist Kloster zur Stelle und entsorgt den Dreck im dafür vorgesehenen Bauschuttcontainer. Jeder Helfer hat seine Aufgabe, so kommt keiner dem anderen in die Quere. Spätestens im Sommer soll die rund 90 Quadratmeter große Wohnung bezugsfertig sein. Das scheint sich in der Gegend schon herumgesprochen zu haben. Es waren schon einige potenzielle Mieter da, um sich die Räumlichkeiten anzusehen. Und die waren ziemlich begeistert. Vom alten Mief einer Volksschule keine Spur. Im Gegenteil. Alles wirkt luftig, hell und modern.

Die Ehrenamtler haben Trockenmauern eingezogen, sodass eine großzügige Küche sowie Wohn-, Schlaf- und Arbeitszimmer sowie ein behindertengerechtes Bad entstanden sind. Wo früher die Schüler ihre Jacken aufhängten, ist auch heute die Garderobe. „Zusätzlich gibt es noch einen Abstellraum“, erklärt Wilhelms. Von der Decke strahlen moderne Einbauleuchten, der Boden wird mit Vinyldielen ausgelegt, die Türen sind so breit, dass man bequem mit einem Rollstuhl durchkommt. Die Helfer haben eben an alles gedacht. Und damit sie nicht die Lust verlieren, bringen die Frauen aus dem Dorf samstags auch schon mal eine warme Mahlzeit vorbei.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz

Cochem Zell
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