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Cochem

Skurriler Anblick in Cochem: Obdachloser richtet sich im Parkhaus ein

Kevin Rühle

Etwas irritiert schauen Kunden des Cochemer Parkhauses in den Vorraum des Treppenaufgangs: Neben der Tür zum Aufzug stehen eine Schlafcouch, ein Schrank, ein kleiner Tisch. Vor einem Hocker liegen Hausschuhe. Es riecht unangenehm. Der Anblick wirkt skurril: Ein Obdachloser aus Osteuropa hat sich hier häuslich eingerichtet. Der Mann steht dick eingepackt vor dem Eingang des Parkhauses. Er trägt Vollbart, raucht eine Zigarette. Doch die vermeintliche Gemütlichkeit trügt: Es dürfte einer der letzten Abende gewesen sein, an denen der Mann hier übernachten konnte.

Seit Monaten lebt der Obdachlose in Cochem, Anwohner beschreiben ihn als friedlich und freundlich. Eine Kommunikation fällt allerdings schwer, da er weder Deutsch noch Englisch spricht. „Wir haben dem Mann schon früh Hilfe angeboten, doch er will diese nicht annehmen“, sagt Wolfgang Lambertz, ehemaliger Stadtbürgermeister. Zuerst übernachtet der Obdachlose im Treppenaufgang der alten Cochemer Brücke, später in Hauseingängen in der Innenstadt. Dann kommt der Winter, die Temperaturen sinken drastisch.

Lambertz erinnert sich, dass ihm Hilfe in Koblenz angeboten wurde, „und auch eine Unterkunft hier in Cochem wäre möglich gewesen“, sagt der Cochemer VG-Chef. Doch bis auf einen Schlafsack lehnt der Mann jede Hilfe ab. Die Stadt kauft eine Busfahrkarte in die Heimat des Mannes, doch dieser steigt unterwegs aus und kehrt zurück an die Mosel. Und auch Landsleute des Obdachlosen wollen helfen. Sie kaufen ihm ein Flugticket, doch auch dieses Angebot lehnt er schließlich ab, „er will in Cochem bleiben“, sagt Lambertz. So kommt es zum Parkhaus-Quartier.

Doch umso häuslicher die Einrichtung wirkt, desto größer wird der Protest der Cochemer. „Tolles Erscheinungsbild für Cochem“, heißt es in Beiträgen in sozialen Netzwerken, in der Kneipe gegenüber wird spekuliert, wann endlich der Fernseher aufgestellt wird. Anwohner haben beobachtet, dass vor allem Frauen den Zugang zum Parkhaus meiden und lieber die Zufahrtsrampe benutzen, obwohl diese für Fußgänger gesperrt ist.

Die Stadt Cochem selbst ist mit den Umständen ebenfalls unzufrieden, Bauhofleiter Uwe Schaaf kündigt für heute die Räumung des Vorraums an. „Bei der Kälte wollten wir nichts unternehmen, aber jetzt ist es auch langsam gut“, sagt Schaaf, der sich bei der Polizei über die Durchsetzung eines Hausverbots informiert hat. Die angehäuften Gegenstände und Möbel sollen vorerst eingelagert werden. Man ist sich einig: Man muss Hilfe anbieten, aber der aktuelle Zustand im Parkhaus sei nicht hinnehmbar. Niemand weiß, wie es nun weitergeht. Wolfgang Lambertz: "Er muss die angebotene Hilfe annehmen, sonst lässt sich wenig machen.“

Von unserem Redakteur Kevin Rühle

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