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    Leienkaul/Kaisersesch

    Sinnfrage nach Blick auf CDU-Wahlplakat: Eifler löst per Facebook eine Lohndebatte aus

    Der Facebook-Beitrag, mit dem der Tischler Simon Schlichter aus Leienkaul die Welle ins Rollen bringt, beginnt mit einer einfachen Feststellung: „Ich verstehe nämlich leider nicht den Sinn dieses Plakates!!!“ Gemeint ist ein CDU-Wahlplakat zur Bundestagswahl, das dem 28-Jährigen auf dem Mitfahrerparkplatz Kaisersesch aufgefallen ist. Darauf ist ein junger Tischler abgebildet, der schutzbrillenbewährt einen Holzbalken abschmirgelt. Jemand wie Schlichter. Der Slogan „Für gute Arbeit und gute Löhne.“ ist groß darauf zu lesen. Über das soziale Netzwerk wandte sich der Eifler direkt an die CDU-Kreisvorsitzende Anke Beilstein und MdB Peter Bleser, der am 24. September erneut direkt in den Deutschen Bundestag einziehen will. Er vertiefte die Sinnfrage. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

    Schmirgeln wie das Tischlermodel auf einem CDU-Wahlplakat – das kann Simon Schlichter aus Leienkaul. Allerdings kann er auch fundiert den Sinn des dazugehörigen Slogans „Für gute Arbeit und gute Löhne.“ hinterfragen. So trat er über das soziale Netzwerk Facebook eine Diskussion los.  Fotos: Screenshot/Ditzer
    Schmirgeln wie das Tischlermodel auf einem CDU-Wahlplakat – das kann Simon Schlichter aus Leienkaul. Allerdings kann er auch fundiert den Sinn des dazugehörigen Slogans „Für gute Arbeit und gute Löhne.“ hinterfragen. So trat er über das soziale Netzwerk Facebook eine Diskussion los. Fotos: Screenshot/Ditzer
    Foto: Screenshot/Ditze

    Dass er derart viel Wirbel mit seinem Beitrag vom 17. August auslösen würde, das hätte er nicht gedacht, hält Simon Schlichter fest. Mehr als 30 Mal wurde das Ganze geteilt, das heißt, von anderen Facebook-Nutzern weiterverbreitet, es gab zig Kommentare, unter anderen von Anke Beilstein und Peter Bleser. „Ich habe einfach nicht verstanden, was die CDU mit diesem Plakat ausdrücken möchte. So gut sind die Löhne nämlich nicht unbedingt im Handwerk“, sagt der Inhaber des Betriebs Holz-Design Schlichter. Und was in seinen Augen noch viel gravierender ist: „Gute Mitarbeiter zu finden, ist ganz, ganz schwierig.“

    Schmirgeln wie das Tischlermodel auf einem CDU-Wahlplakat – das kann Simon Schlichter aus Leienkaul. Allerdings kann er auch fundiert den Sinn des dazugehörigen Slogans „Für gute Arbeit und gute Löhne.“ hinterfragen. So trat er über das soziale Netzwerk Facebook eine Diskussion los. Fotos: Screenshot/Ditzer
    Schmirgeln wie das Tischlermodel auf einem CDU-Wahlplakat – das kann Simon Schlichter aus Leienkaul. Allerdings kann er auch fundiert den Sinn des dazugehörigen Slogans „Für gute Arbeit und gute Löhne.“ hinterfragen. So trat er über das soziale Netzwerk Facebook eine Diskussion los. Fotos: Screenshot/Ditzer
    Foto: David Ditzer

    Seine Gedankengänge zu dem Wahlplakat artikulierte Schlichter via Facebook, „neugierig“ und ohne um den heißen Brei herumzureden. Sind Arbeit und Lohn nach Ansicht der CDU schon gut? Und, wenn ja, ist dies das Verdienst der Christdemokraten? Oder bessert sich das Lohnniveau für Tischler und andere Handwerker womöglich erst, nachdem man am 24. September sein Kreuz bei der CDU gemacht hat? Und wie viel mehr wert ist die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten im Vergleich zu der eines Handwerksgesellen?

    Mit seinen Fragen und Überlegungen traf Schlichter offensichtlich einen Nerv. Um 14.38 Uhr ging der Beitrag online, um 19.01 Uhr schaltete sich Peter Bleser in die Kommentarfolge ein, um 23.12 folgte Anke Beilstein. Beide antworteten ausführlich. Schlichter bedankte sich ehrlich für die schnelle Reaktion: „Das zeigt mir, dass man auch als ,kleiner Mann' ernst genommen wird.“

    MdB Peter Bleser ging auch sofort auf ein Gesprächsangebot ein, das der junge Tischler ihm unterbreitet hatte. Nicht nur das, am nächsten Morgen hatte Schlichter das Berliner Büro des Abgeordneten am Telefon. Ob er dazu bereit sei, das angesprochene Thema persönlich mit Bleser und Beilstein zu besprechen. Klar.

    Tags darauf, also am Freitag, 18. August, um 16.47 Uhr verkündete Bleser auch in den Kommentaren unter dem Facebook-Beitrag: „Simon Schlichter und ich haben inzwischen telefoniert und uns auf einen Termin geeinigt. Am 12. September werde ich ab 19.00 Uhr in der „Alten Schule“ in der Koblenzer Straße 19 in Kaisersesch anzutreffen sein und gern mit Ihnen diskutieren.“ Alle Bürger seien dazu herzlich eingeladen.

    Okay, Simon Schlichter ist sich im Klaren darüber, dass hier erfahrene Politiker eine Steilvorlage im Wahlkampf nutzen. Aber was soll's? Es ist schließlich das Grundsatzthema, das dem jungen Unternehmer unter den Nägeln brennt: Was sind faire Löhne für Handwerker wie ihn? Und vor allem: Wie kann es gelingen, wieder genügend Fachkräfte für ein Handwerk zu begeistern? Simon Schlichter würde nämlich wahnsinnig gern noch einen zweiten Gesellen einstellen. Allein: Er findet keinen. Dabei hätte er genug Arbeit. Und wenn er einen zweiten Gesellen fände, könnte er auch in die Nachwuchsausbildung einsteigen. Vorher nicht. „Wenn man jemanden vernünftig ausbilden will, muss man sich schließlich auch um ihn kümmern“, konstatiert der Tischler und Holztechniker.

    Er beschäftigt einen Gesellen, der gerade einmal 30 Jahre alt ist. Ein junges Team, viel Gestaltungsspielraum, ein abwechslungsreicher Job, in dem man sich ein Stück weit selbst verwirklichen kann, eine modern eingerichtete Werkstatt, ein Bruttostundenlohn von 12,50 Euro aufwärts, je nach Qualifikation – das alles sind Pfunde, mit denen Schlichter auf der Mitarbeitersuche wuchern kann. Bislang ohne Erfolg. Ob und vor allem wie man ihm (und vielen anderen Handwerkern, denen es ähnlich geht) helfen kann, darum soll es in der Diskussion am nächsten Dienstag in Kaisersesch gehen. Schlichter: „Die Frage ist nur, was dabei herauskommt.“ Hoffentlich mehr als ein Slogan für ein Wahlplakat.

    Von unserem Redakteur David Ditzer

    Goldenes Handwerk? Mitdiskutieren in Kaisersesch

    Die Organisation der Diskussionsrunde „Für gute Arbeit und gute Löhne“ hat die Kreisgeschäftsstelle der CDU für Gastgeber Simon Schlichter übernommen. Die Runde, an der sich Anke Beilstein und Peter Bleser beteiligen, wird am Dienstag, 12. September, um 19 Uhr in der Alten Schule Kaisersesch beginnen.

    Jedermann ist eingeladen, sich an der offenen Diskussion zu beteiligen. Der Eintritt ist frei. Simon Schlichter hat schon eine Menge Zusagen von Leuten, die kommen möchten. dad

    Cochem Zell
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