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Ediger-Eller

Singen ist wie die Luft zum Atmen: Herbert Clemens und Walter Franzen sind seit 70 Jahren im Kirchenchor

Ulrike Platten-Wirtz

Singen gehört für Herbert Clemens (85) und Walter Franzen (84) zum Leben wie die Luft zum Atmen. Die beiden Mitglieder des Kirchenchores Cäcilia Ediger-Eller sind kürzlich für jeweils 70 Jahre Mitgliedschaft geehrt worden. „Ein solches Jubiläum hat Seltenheitswert“, sagt Vorsitzender Günter Conzen.

Vereinsvorsitzender Günter Conzen (links) ist stolz auf die Jubiläen mit Seltenheitswert. Herbert Clemens (von links) und Walter Franzen singen beide seit 70 Jahren im Kirchenchor Ediger-Eller. Den Gratulanten schlossen sich Präses Pater Peter Lönarz (rechts) und Chorleiter Wilhelm Basten an.
Vereinsvorsitzender Günter Conzen (links) ist stolz auf die Jubiläen mit Seltenheitswert. Herbert Clemens (von links) und Walter Franzen singen beide seit 70 Jahren im Kirchenchor Ediger-Eller. Den Gratulanten schlossen sich Präses Pater Peter Lönarz (rechts) und Chorleiter Wilhelm Basten an.
Foto: Markus Kroth

Der Chorgesang hat für die beiden über 80-Jährigen immer zum Leben dazugehört. „Schlimmer als nicht mehr singen zu dürfen, wäre für mich nur, wenn ich nicht mehr in den Wingert könnte“, gesteht Herbert Clemens mit einem Augenzwinkern. Der Wasserbauarbeiter und Vater von fünf Kindern war sein Leben lang Nebenerwerbswinzer mit Herzblut.

Vor 70 Jahren, als sowohl Clemens wie auch Franzen mit dem Singen im Chor anfingen – Clemens im Kirchenchor Ediger, Franzen im Männergesangverein Bremm – war es „eine Ehre, singen zu dürfen“. Dabei galt Herbert Clemens' Interesse ursprünglich nicht vorrangig dem Gesang. „Meine Frau war damals schon im Kirchenchor, und da habe ich mich schon ihretwegen bemüht, auch ein guter Sänger zu werden“, sagt Clemens. Als Messdiener ist er bereits mit 15 Jahren dem Chor beigetreten. „Damals war man nicht nur stolz, wenn man singen durfte. Es war auch eine gute Gelegenheit, mal rauszukommen“, sagt er.

Walter Franzen, der als gebürtiger Bremmer in seiner Jugend zuerst dem Männergesangverein des Nachbarorts angehörte, trat nach seiner Heirat dem Kirchenchor Ediger bei. Obwohl er als Holzbildhauer beruflich stark eingespannt war, fand er, genau wie sein Sangeskollege Clemens, immer die Zeit, um zu den Proben zu gehen. „Selbst wenn so etwas Spannendes wie Fußball im Fernsehen lief, fehlten die beiden nie“, betont Conzen.

Zurzeit macht der Kirchenchor Ediger-Eller mal Pause. „Die meisten Sänger – von einst 50 Mitgliedern waren zuletzt noch 17 aktiv – sind nicht mehr die jüngsten. Der älteste Sänger ist gar 92 Jahre alt. „Da ist auf die Stimmkraft insgesamt nicht mehr zu 100 Prozent Verlass“, sagt Conzen. Deshalb hat man beschlossen, nur noch gelegentlich und bei besonderen Anlässen aufzutreten. Junge Leute dazu zu bewegen, im Chor mitzumachen, ist dem Vorstand bisher leider nicht gelungen. Conzen selbst steht dem Chor seit 36 Jahren vor, er bedauert die Entwicklung, die zum Notstand führte. „Wir haben so viele schöne Erinnerungen an die gemeinsame Zeit“, sagen die drei Sänger unisono.

Bis in die 60er-Jahre waren die Kirchenchöre Ediger und Eller getrennt. Damals gab es zusätzlich sogar noch zwei Gesangvereine. Das wäre heute undenkbar. Allein weil es gar nicht mehr so viele junge Leute gibt wie früher, sagen die Sänger mit Bedauern in der Stimme.

Für besondere Anlässe kommt der Kirchenchor aber auch heute noch zusammen. Bei Walter Franzen steht nächstes Jahr die Diamantene Hochzeit an, Clemens ist in diesem Jahr schon 65 Jahre verheiratet. Grund genug für den Kirchenchor, den Jubelpaaren ein Ständchen zu bringen. Die Regeln der Cäcilia sind in dieser Hinsicht übrigens sehr streng. „Wer nicht zum Chor gehört, der kriegt auch nicht gesungen“, heißt es. Da sind sich die Mitglieder einig. Sonst käme ja jeder daher und würde um ein Ständchen bitten. Das wäre den Sängern dann doch zu viel. Für ihre Mitglieder ölen die Sänger allerdings gern die Kehlen.

Im Repertoire befinden sich übrigens ausschließlich kirchliche Lieder. Weltliches überlassen die Cäciliensänger anderen. Besonders beliebt war in früheren Zeiten die Martinus-Messe. Davon schwärmen die Sänger bis heute. „Jetzt können wir so schwierige Chorwerke nicht mehr anvisieren“, bedauert Conzen. Aber einfache Chorliteratur tut es ja auch. Hauptsache, es darf gesungen werden. Wenn derzeit auch nur gelegentlich. Im Kirchenchor Cäcilia hofft man darauf, dass sich wieder junge Leute einfinden, damit der mehr als 350 Jahre alte Chor noch einmal eine Renaissance erleben darf.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz

Chor mit Tradition

Herbert Clemens und Walter Franzen wurden vom Trierer Bischof Stephan Ackermann mit einer Goldenen Brosche, auf der die Zahl 70 eingraviert ist, sowie einem Dankschreiben mit Urkunde ausgezeichnet, das Präses und Pfarrer Peter Lönarz überreichte.

Der Kirchenchor Cäcilia Ediger-Eller besteht seit 1665. Chorleiter ist derzeit Wilhelm Basten. Erster Vorsitzender Günter Conzen. upw

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