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Kaisersesch

Serie "Hinter den Kulissen": Willi Schrader malt die Orden des Escher Wend

Brigitte Meier

Büttenredner, Tänzer und Musiker, die nach einer Veranstaltung mit bunten Plaketten um den Hals nach Hause gehen, können sich über die höchste Karnevalsauszeichnung „am Bande“ freuen. In Kaisersesch zieren die mit fröhlichen Clowns, lachenden Narren und allerlei Glitzerfirlefanz versehenen Orden nicht nur die Brust der aktiven, unermüdlichen Spaßmacher, sondern in vergrößerter Ausgabe auch die Kulissen der Narrhalla des Escher Wend in der Pommerbachschule.

Willi Schrader malt die Kulissenorden für Kaisersesch, in diesem Jahr bekamen auch die Orden der vergangenen Jahre einen Platz.
Willi Schrader malt die Kulissenorden für Kaisersesch, in diesem Jahr bekamen auch die Orden der vergangenen Jahre einen Platz.
Foto: Kevin Rühle

Seit etwa zehn Jahren setzt Willi Schrader vor jeder Kappensitzung die Idee des damaligen Vorsitzenden des Escher Wend, Horst Walgenbach, um, die jeweiligen Orden als Bilder zur Bühnendekoration aufzuhängen. Dazu projiziert Schrader den Originalorden über ein Episkop in der gewünschten Größe auf eine Pressplatte, zeichnet die Umrisse nach und schneidet die vergrößerte Plakette aus. Dann mischt er Acrylfarben, um damit das Motiv originalgetreu aufzumalen. Das ist für den gelernten Malermeister im Ruhestand handwerklich eine leichte Übung, erklärt er. Je großflächiger ein Motiv ist, umso einfacher ist das Malen: „Etwas kniffelig kann es schon mal bei den feineren Details werden.“

Der 77-Jährige, der neben seinem Beruf „schon immer“ auch ein leidenschaftlicher Bildermaler war, freut sich, dass er dem Escher Wend bei der Gestaltung der Narhalla helfen kann. Als junger Mann war er selbst viele Jahre als Musiker im Karneval aktiv, und dafür wurden ihm schon viele Orden verliehen. Er sagt: „Jeder ist stolz auf seine Orden, denn sie sind eine Anerkennung für die Ehrenamtlichen.“ Diese gehen schließlich nur zur Unterhaltung der Narrenschar in die Bütt, wirbeln tanzend und singend über die Bühne oder fungieren teils schon Wochen vor den Sitzungen als Tanztrainerinnen, Kostümnäherinnen, Bühnenbauer oder Logistiker.

Der Orden für 2018 hängt prominent hinter dem Elferrat.
Der Orden für 2018 hängt prominent hinter dem Elferrat.
Foto: Kevin Rühle

Am Abend vor der ersten Kappensitzung sind jede Menge fleißige Helfer dabei, der nüchternen Schuleingangshalle bei der Umgestaltung zum gemütlichen Festsaal den letzten Schliff zu geben. Robert Werner, 2. Vorsitzender des Escher Wend, ist stolz auf die Helfer, die unter den kritischen Augen des „Logistikers“ Rainer Lansing durch die Halle wuseln. Jeder weiß, was er zu tun hat, sodass Lansing keine Sorge hat, dass sich am Ende jeder Luftballon, alle bunten Bänder und närrischen Arrangements am richtigen Platz befinden. Und Werner betont: „Die Leute haben Routine, denn sie müssen mehrmals auf- und abbauen, weil während der Woche hier der Schulbetrieb läuft.“ Gefordert sind die Bühnenbauer sowie die „Tisch- und Stühleaufsteller“ besonders am Freitag, wenn nachmittags für den Kinderkarneval alle Tische und Stühle weggeräumt werden, und später für die abendliche Kappensitzung wieder am Platz stehen müssen, nachdem die Halle aufgeräumt und gereinigt wurde: „Dafür haben wir nur anderthalb Stunden Zeit.“

Die von Schrader gemalten Riesenorden liegen zum Aufhängen noch auf einem Stapel bereit. Die meisten Orden wählen Vertreter des Escher Wend aus einem Katalog des Herstellers aus, so auch die Ausgabe für die Session 2018, der einen lustigen Clown mit Luftballons darstellt. Doch für besondere Anlässe werden auch Eigenkreationen in Auftrag gegeben, etwa der Jubiläumsorden zum 50-jährigen Bestehen des Escher Wend. Dieser unterscheidet sich dadurch, dass er aus den fünf vorhergegangen Orden mit Motiven Kaisersescher Wahrzeichen besteht und als ein Objekt zusammengesetzt ist. Schrader erklärt: „Das waren schon etwas anspruchsvollere Malerarbeiten.“ Herausragend in der Ordensammlung des Escher Wend ist die Plakette von 2014. Damals musste die Pfarrkirche einige Monate ohne den schiefen Kirchturm auskommen, der zur Renovierung abmontiert worden war. Und eben diese „kopflose“ Kirche, die durch einen Baukran ihres denkmalgeschützten Turms entledigt wird, ist auf dem Orden zu sehen.

Egal ob Clown, bunte Luftballons, Luftschlagen oder Motive aus Kaisersesch, Schrader liebt jeden einzelnen Orden, den er als Bühnendekoration hergestellt hat. Und solange seine Gesundheit mitspielt, möchte der 77-Jährige noch weitere Orden malen: „Es macht mir einfach viel Spaß.“ Allerdings würde er sich über jüngere Menschen freuen, die er als Nachwuchs anlernen kann. Denn er möchte, dass der Escher Wend die Narhalla auch weiterhin mit dieser originellen Dekoration schmücken kann.

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

Ins Gegenteil verkehrt

Der Ursprung der Karnevalsorden hat die gleichen Wurzeln wie der Karneval selbst, Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie waren als Persiflage auf das Gehabe des preußischen Militärs und der Obrigkeit gedacht, worüber sich die Jecken lustig machten.

Waren die ersten Karnevalsorden noch Ausdruck der Geringschätzung und Verachtung, so sind sie heute ein Zeichen der Anerkennung für den ehrenamtlichen Einsatz der aktiven Karnevalisten.
Cochem Zell
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