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Cochem-Zell

Sensibles Thema: Schützenvereine öffnen sich für Muslime

Andreas Egenolf und Christoph Bröder

Es scheint ein sensibles Thema zu sein: Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft (BHDS) hat einen Öffnungsprozess in Gang gesetzt: Künftig sollen die Mitgliedsvereine der Bruderschaft sowohl Andersgläubige als auch Frauen und Männer anderer sexueller Orientierung aufnehmen. Bisher galt der Leitspruch „Für Glaube, Sitte und Heimat“ nämlich hauptsächlich für christliche Mitglieder, denn der Bund ist Teil der Kirche. Wie stehen die Schützen in der Region zu dieser Öffnung? Ist die Thematik dort schon bekannt?

„Für Glaube, Sitte und Heimat“ lautet der Leitspruch des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft.
„Für Glaube, Sitte und Heimat“ lautet der Leitspruch des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft.
Foto: Archiv Kevin Rühle

Im Bezirksverband Maria Laach, dem größten Bezirksverband der Diözese Trier, dem auch einige Schützenbruderschaften im Kreis Cochem-Zell angeschlossen sind, war sowohl die andere sexuelle Orientierung wie auch die Öffnung für Andersgläubige des Öfteren schon Thema. „Genau wie in anderen Bezirksverbänden gehen auch bei uns die Meinungen diesbezüglich auseinander, wobei die Tendenz zur Öffnung schon erkennbar ist“, schreibt Volker Fischenich, Stellvertretender Bezirksbundesmeister des Bezirksverbandes Maria Laach, in einer Erklärung.

„Die sexuelle Orientierung eines Menschen ist eine sehr intime und persönliche Angelegenheit und sollte somit bei einer Mitgliedschaft keine Rolle spielen. Daher bin ich der Meinung, auch gleichgeschlechtliche Schützenpaare können als Paar auftreten, jedoch ohne hier das Ansehen der Kirche zu schädigen. Aus meiner christlichen Sicht sehe ich die Ehe zwischen Mann und Frau allerdings höher an als die gleichgeschlechtliche Ehe, auch wenn unsere Gesetze heute diesbezüglich anders lauten“, lässt Fischenich verlauten.

Bezüglich der Aufnahme von Andersgläubigen sieht er sogar eine Chance: „Gerade in der jetzigen Zeit, in der das Thema Islam und Flüchtlinge das Thema schlechthin ist, sehe ich uns Schützen, welche wir uns der Katholischen Kirche verpflichtet sehen, in der Pflicht, aus Nächstenliebe gerade den Flüchtlingen zu helfen. Wo haben wir eine bessere Möglichkeit, Andersgläubigen, welche sich entschlossen haben, ihr weiteres Leben hier bei uns in Deutschland zu verbringen, unsere Kultur und unseren Glauben näher zu bringen als im Vereinsleben?“ Nichtchristen in den Verein aufzunehmen, heiße zudem nicht, den eigenen Glauben und Leitspruch aufgeben zu müssen.

Fischenich begrüßt die Öffnung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft. „Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit gehören nach meinem christlichen Verständnis nicht zur Nächstenliebe. Ich zumindest freue mich schon jetzt auf Fragen und Diskussionen mit Menschen einer anderen religiösen Herkunft.“ Inwieweit die Aussagen von Fischenich repräsentativ für die Schützen im Kreis Cochem-Zell sind, lässt sich nur schwer sagen. Beim Thema scheint eher Zurückhaltung gegeben zu sein. Eine Anfrage beim Bund der St.-Sebastianus-Schützenjugend (BdSJ) blieb unbeantwortet. „Wir kommen als Vorstand des BdSJ am Donnerstag, 16. März, wieder zusammen. Leider ist es mir nicht möglich, Ihnen vorher eine offizielle Antwort auf Ihre Fragen zukommen zu lassen“, schreibt Jeanette Göbel aus Gevenich, die Pressereferentin des BdSJ Trier, in einer E-Mail. Auch Bundesschützenkönig Stefan Tullius aus Kaisersesch äußerte sich der RZ gegenüber nicht zu diesem Thema, sondern verwies auf höhere Stellen.

Von unseren Reportern Andreas Egenolf und Christoph Bröder

Hintergrund und aktuelle Entwicklung

Der Ursprung, warum der BHDS nun eine Öffnung seiner Mitgliedsvereine in Gang bringt, liegt bereits im Juli 2014: Im westfälischen Werl-Sönnern war seinerzeit ein türkischstämmiger, in Deutschland geborener Muslim Schützenkönig geworden. Laut Satzung des BHDS konnten bisher jedoch nur Christen, also Katholiken, Evangelische oder Anglikaner, Mitglied sein. Bei seiner Bundesvertreterversammlung am vergangenen Sonntag hat der BHDS mehrheitlich beschlossen, künftig auch Muslime zum Königsschuss zuzulassen.

Zudem wurde ein Beschluss förmlich aufgehoben, der homosexuellen Schützenmajestäten untersagt, mit dem Lebenspartner als Königspaar aufzutreten.

Cochem Zell
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