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Koblenz/Cochem-Zell

Schwieriger Fall vor Gericht: Behinderter Mann missbraucht Mitbewohner

Ein nicht einfach zu beurteilender Fall von sexuellem Missbrauch hat das Landgericht Koblenz beschäftigt. Auf der Anklagebank sitzt ein 30-jähriger Mann mit geistiger Behinderung aus dem Kreis Cochem-Zell, der im November 2015 einen widerstandsunfähigen Mitbewohner sexuell missbraucht haben soll.

Statue der Justitia
Ein Behinderter soll einen Mitbewohner sexuell missbraucht haben.
Foto: David Ebener/Archiv – dpa

Da keine unmittelbaren Zeugen den Vorfall gesehen haben, und sich das Opfer aufgrund seiner Behinderung nicht mitteilen kann, ist die Strafkammer auf die Beobachtungen und Einschätzungen des Personals der Einrichtung, der gesetzlichen Betreuerin und des psychiatrischen Sachverständigen angewiesen.

Der Angeklagte selbst will sich vor Gericht nicht an den Vorfall erinnern. Aus den Akten und aus Zeugenaussagen geht jedoch hervor, dass er im Gespräch mit seinen Betreuern und bei der polizeilichen Vernehmung die Tat zugegeben hat. Ohne Aufforderung soll er sogar beschrieben haben, was genau er getan hat. Durch sein auffälliges Verhalten im Gerichtssaal wird die Besonderheit der Behinderung des Angeklagten deutlich. Er scheint es zu genießen, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, ist freundlich und sehr eloquent, bei Antworten auf Fragen schweift er immer wieder in völlig andere Bereiche ab. In den Sitzungspausen auf dem Flur verwickelt er ihm fremde Menschen in Gespräche zu deren Privatleben. Dabei wirkt seine Distanzlosigkeit nicht aggressiv, sondern eher belustigend.

Der Missbrauch des widerstandsunfähigen Mannes ist jedoch alles andere als lustig, wird während der Verhandlung deutlich. Aus den Schilderungen der Zeugen ergibt sich folgendes Bild: Der Angeklagte hat eine Mitarbeiterin darauf aufmerksam gemacht, dass sein Mitbewohner mit heruntergelassener Inkontinenzhose auf dem Flur stehe. Bei der Versorgung des hilflosen Mannes mit frischen Windeln stellte die Fachkraft Kratzspuren und Verletzungen in dessen Intimbereich fest.

Nach Aussage seiner gesetzlichen Betreuerin lebt der Angeklagte, der aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammt, in einer geschlossenen Wohngruppe einer Einrichtung im Kreis Cochem-Zell. Bei intensiver Überwachung habe es keine Probleme gegeben, bis er in eine andere Gruppe umziehen musste. Der Mann ist in einer Werkstatt beschäftigt, wo er nach Aussage seiner Betreuer gut mitarbeitet. Nach dem Vorfall 2015 lebt er wieder in seiner alten Gruppe, wo es bislang keine sexuellen Übergriffe mehr gab, wohl auch, weil er regelmäßig dämpfende Medikamente nimmt.

Die Diagnose des Sachverständigen lautet unter anderem: Störung der Impulskontrolle mit Verhaltensauffälligkeit und Distanzlosigkeit bei mittelgradiger intellektueller Beeinträchtigung. Der Psychiater hält die Unterbringung des 30-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus für nicht gerechtfertigt, wenn er unter engmaschiger Aufsicht bleibt und weiterhin seine Medikamente nimmt.

Die Kammer verurteilt den vermindert schuldfähigen und bislang nicht vorbestraften Mann wegen sexuellen Missbrauchs in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe. Er muss in der geschlossenen Gruppe bleiben und regelmäßig Medikamente nehmen. Das verspricht der Angeklagte und verabschiedet sich fröhlich mit Handschlag bei allen Prozessbeteiligten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

Cochem Zell
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