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Ulmen/Müllenbach

Rückepferd im Forst: Mit einem PS wird im Wald aufgeräumt

Wenn die Vegetation allenthalben zur Ruhe kommt und in eine Art Winterschlaf fällt, dann schlägt die Stunde der Holzernte. Doch statt einer tonnenschweren Maschine, die mit Seilwinden die Stämme aus dem Wald erst zu den Rückegassen zieht und dann an die Fahrwege zum Poltern bringt, kam diesmal im Forstrevier Hochpochten, zwischen Ulmen und Müllenbach gelegen, ein Rückepferd zum Einsatz. Geradezu leichtfüßig zog es die Baumstämme aus dem Waldgebiet heraus. Der Einsatz des Rückepferdes verbindet gleich mehrere Vorteile.

Der Noriker-Hengst Diamant und sein Führer, Forstunternehmer Jan Havrila, sind ein eingespieltes Team. Im Forst bewegen sie sich sicher und ziehen die geernteten Fichtenstämme zu den Rückegassen. Foto: Forstamt Cochem
Der Noriker-Hengst Diamant und sein Führer, Forstunternehmer Jan Havrila, sind ein eingespieltes Team. Im Forst bewegen sie sich sicher und ziehen die geernteten Fichtenstämme zu den Rückegassen.
Foto: Forstamt Cochem

Der Forstunternehmer Jan Havrila kam mit seinem Noriker-Hengst namens Diamant in den Hochpochtener Wald, um dort erstmals eine Naturverjüngungsgruppe mit jungen Fichten – eine ehemalige Windwurffläche – zu durchzuforsten. Noriker-Pferde sind trittsichere, arbeitswillige Gebirgskaltblutpferde und stammen ursprünglich aus Österreich. Für einen Einsatz im Wald ist ein Rückepferd ideal, denn „das Pferd kann viel schonender im Bestand arbeiten“, berichtet Michael Fohl, Revierleiter in Hochpochten. Dabei entstünden an den verbleibenden Bäumen weniger Schäden, als wenn die Stämme mit einer stationären Seilwinde aus der Fläche herausgezogen werden.

Sogenanntes Schwachholz, Stämme mit rund 20 Zentimeter Durchmesser, wie Fohl erläutert, wurde aus dem Forst geerntet, und Diamant zog die mit Ketten an seinem Geschirr befestigten Stämme auf Kommando seines Führers Havrila aus dem Bestand heraus zur Rückegasse. Die stehen geblieben Fichten haben nun genügend Platz, um sich in den kommenden Jahren zu stabilen Bäumen entwickeln zu können. Auf diese Weise werden nicht nur die stehen gebliebenen Bäume geschont. Auch der Boden profitiert davon, denn durch das viel geringere Gewicht im Vergleich zu Forstmaschinen – Diamant bringt gute 800 Kilo auf die Waage – wird der Boden nicht so sehr verdichtet, als wenn schwere Maschinen über die Flächen fahren würden. Und die Rückegassen, zu denen Diamant die Stämme zieht, liegen 40 Meter auseinander – früher betrug die Distanz zwischen den einzelnen Gassen gerade einmal 20 Meter, berichtet der Revierleiter.

Allerdings, dies macht Einsatzleiter Hermann Thiem von der Logis GmbH, die Havrila an Fohl vermittelt hat, deutlich, sind die Arbeiten, die Havrila mit Diamant erledigt, nur Vorlieferarbeiten. Von den Rückegassen aus müssen die Stämme von einem Schlepper in einem weiteren Arbeitsgang an den Fahrwegen gepoltert werden.

Der Arbeitsaufwand, wenn ein Rückepferd im Einsatz ist, ist also höher und damit auch teurer – etwa 40 Prozent, wie Thiem auf Nachfrage berichtet. Jedoch seien Revierleiter Fohl diese Arbeiten zum selben Preis angeboten worden, als wenn ausschließlich Maschinen zum Einsatz gekommen wären.

Fohl ist mit dem Resultat überaus zufrieden und wünscht sich, in Zukunft häufiger Rückepferde in der Forstwirtschaft einsetzen zu können. Man versuche, Rückepferde wieder mehr im Forst zu etablieren, berichtet auch Hermann Thiem. „Aber es gehört viel Idealismus dazu“, sich ein Rückepferd anzuschaffen und auszubilden. „Das Problem ist, geeignete Unternehmer zu finden, die auch ein Pferd haben“, berichtet Fohl.

Von unserer Redakteurin Mira Müller

Cochem Zell
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