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Winningen

Region vernetzt sich: Terrassenmosel will sich als starke Marke behaupten

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, sagte einst Helmut Schmidt. Der Altkanzler meinte dies mit Blick auf mystische Erscheinungen. Vision ja, Mystik nein, aber eine große Idee – das steht hinter dem Plan, die Schwebel-Keller in Winningen wiederzubeleben. Die teils unterirdischen, ehemaligen Weinkeller, in denen vor Jahrzehnten 1200 Fuderfässer und 250.000 Flaschen Wein Platz fanden, der Tristesse zu entreißen, das haben sich der Journalist Klaus Lammai und mehrere Mitstreiter auf die Fahne geschrieben. Ihr Ziel: Die Schwebel-Keller sollen Heimstatt eines Terrassenmosel-Zentrums werden. Und eine Klammer von der Untermosel mindestens bis zum Bremmer Calmont bilden.

Eine inhaltliche Klammer zwischen dem Uhlen und dem Bremmer Calmont (Foto) will der Terrassenmosel-Verein schaffen.
Eine inhaltliche Klammer zwischen dem Uhlen und dem Bremmer Calmont (Foto) will der Terrassenmosel-Verein schaffen.
Foto: Kevin Rühle

1. Wieso sollen die Schwebel-Keller reaktiviert werden? Im Bauch des hochherrschaftlichen Schwebel-Anwesens an der Moselfront befinden sich Weinkeller, die zwischen Koblenz und Trier zu den größten zählen. Seit Jahrzehnten stehen sie leer. Tut sich dort nichts, so Klaus Lammai, „dann werden sie in wenigen Jahrzehnten in sich zusammenfallen“. Für ihn war das Schwebel-Haus „schon immer ein mystisches Gebäude“. Als Kind spielte er am Bahndamm Fußball. Der benachbarte Riesenkeller regte die Fantasie an. Jetzt soll dort „Neues geschaffen und regionale Zukunft begründet werden“, sagt Lammai an einem Informationsabend in Winningen.

2. Wie könnte das Anwesen bespielt werden? Die Hauptakteure des Abends waren zehn Studenten der Hochschule Koblenz. Zusammen mit ihren Professoren Marc Immel und Uwe Simon setzten sie ihre Gedanken in fünf plastische Entwürfe um, die sie auf eine Leinwand projizierten und erläuterten. Resultat ist eine beeindruckende Bandbreite von Nutzungskonzepten für die Schwebel-Keller. Von gediegen-traditionell bis futuristisch-kühn. Der eine will ein Fahrrad-Hostel mit einem großen Restaurant nebst Vinothek unterbringen, der andere ein Sommelierzentrum und ein interaktives Museum. Die gut 80 Zuhörer jedenfalls geizten nicht mit Beifall. Eine fünfköpfige Jury hatte es nicht leicht, sie musste die drei Erstplatzierten küren. Klaus Lammai: „Wir müssen jetzt irgendwas umsetzen, denn so was gibt es in 250 Kilometern um Winningen herum nicht noch mal.“ Helfen müssten die Politik mit Fördertöpfen, Winzer, Touristiker und engagierte Bürger, die das Projekt entschlossen vorantreiben wollen.

3. Wer sind die Förderer eines Terrassenmosel-Zentrums? Da ist in erster Linie eine neue Gemeinschaft zu nennen, die die Gründung eines „Terrassenmosel-Vereins“ plant. Zum inneren Kreis zählt auch Albrecht Gietzen. Der Ortsbürgermeister von Hatzenport erläuterte, dass man mit dem Verein und einem Zentrum „ein Gegengewicht zur Mittelmosel“ schaffen wolle. Und eine gemeinsame Identität für die Moselaner zwischen Pünderich oder Bremm und Winningen. Zumal der altbackene Slogan „sonnige Untermosel“ wohl endgültig ausgedient hat.

4. Wie realistisch ist ein Verbund zwischen Bremm und Winningen? Noch stehen zu wenige Moselaner dahinter. Aus dem Kreis Cochem-Zell war fast keiner nach Winningen gekommen, dagegen aus Hatzenport und Kobern-Gondorf viele. Es ist „unheimlich schwierig, die Winzerschaft bei uns zu motivieren“, weiß Hildegard Moritz aus Pommern. Aber gerade die jungen Winzer müssten jetzt „kreis- und gebietsübergreifend“ denken und sich vernetzen. Der Plan: „Auch wir sind ,Mythos Mosel', nicht nur die Region um Bernkastel-Kues. Wir müssen uns begeistern.“ Bis die Vision eines Vereins und eines Terrasenmosel-Zentrums wahr wird, müssen noch dicke Bohlen gebohrt werden.

Von unserem Chefreporter Thomas Brost

Neues Interieur für die alten Keller

Die Schwebel-Keller haben unbestritten ihren Reiz. Vor wenigen Jahren sind sie die Stätte einer Lichtinstallation gewesen, in diesem Jahr findet im Juli dort zum ersten Mal die Veranstaltung der Winninger Jungwinzer unter dem Titel „Bass und Bouquet“ statt.

Interessante Gedanken haben sich Studenten der Hochschule Koblenz über eine bespielbare Anlage gemacht. Gewonnen hat das Konzept der beiden Master-Architekturstudenten Eric Lenz und Philipp Gliedner.

Cochem Zell
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