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Kaisersesch/Lutzerath

Raiba Eifeltor: Bank streicht die Filialen in Alflen und Düngenheim

Thomas Brost

Das Filialsterben in der regionalen Bankenlandschaft geht weiter. Zum 31. März macht die Raiffeisenbank Eifeltor ihre Pforten in den beiden Zweigstellen in Düngenheim und Alflen dicht. Die beiden Mitarbeiter plus zwei Reinigungskräfte werden weiterbeschäftigt.

Am 31. März endet der Bankservice in der Raiba-Filiale in Düngenheim (Foto). Das Gebäude in der Hauptstraße ist lediglich angemietet. Dort wird der Bankautomat abgebaut. In Alflen ist die Lage anders: Das Gebäude ist im Besitz der Bank, die es am liebsten an die Ortsgemeinde verkaufen möchte.
Am 31. März endet der Bankservice in der Raiba-Filiale in Düngenheim (Foto). Das Gebäude in der Hauptstraße ist lediglich angemietet. Dort wird der Bankautomat abgebaut. In Alflen ist die Lage anders: Das Gebäude ist im Besitz der Bank, die es am liebsten an die Ortsgemeinde verkaufen möchte.
Foto: Christoph Bröder

Begründet wird die Schließung der Filialen, die nur zweieinhalb Tage in der Woche geöffnet waren, zum einen mit der geringen Kundenfrequenz. „Innerhalb zweier Jahre ist die Nutzungsquote um bis zu 33 Prozent rückläufig gewesen“, sagt Vorstand Thomas Welter. Es habe nur ein bis zwei Ein- beziehungsweise Auszahlungen pro Stunde in Alflen und Düngenheim gegeben. In Alflen habe man versucht, mit einer Öffnung am Freitagnachmittag insbesondere Beschäftigte des Fliegerhorstes anzusprechen – vergebens.

Zum anderen spielen gesetzliche Neuerungen eine entscheidende Rolle. Seit 3. Januar muss eine umfangreiche Risikobewertung von Anlagen dokumentiert werden, seit heute, 13. Januar, eine neue Zahlungsdiensterichtlinie (PSD II), die den Weg für einen tief greifenden Wandel des europäischen Zahlungsverkehrsmarkts ebnet. Die Folge: Der Beratungsaufwand samt Dokumentierung wird „erheblich größer“, wie Raiba-Vorstand Elmar Franzen erklärt. „Komplexe Beratungsgespräche sind in einer Einmannfiliale nicht mehr durchführbar.“ Man müsse jetzt immer mindestens zu zweit sein. Trägt das Modell der Raiffeisenbank noch angesichts der Tatsache, dass man das Filialnetz von 16 (2016) auf nunmehr sieben reduziert hat? „Wir zeigen nach wie vor Präsenz in der Fläche und werden unsere Kunden nicht vernachlässigen“, betont Thomas Welter. Das Geldinstitut legt Wert darauf, dass weniger mobile Kunden auch aus dem Umfeld der Filialen, die jetzt schließen, von einem Bargeld-Bringservice profitieren können. Von einem Bankmitarbeiter könnten auch Überweisungen abgeholt werden.

Das Hauptaugenmerk gilt aus Vorstandssicht der Connect-Filiale in Kaifenheim, einer Onlinefiliale, in der von zu Hause aus Serviceaufträge erledigt werden können. „In ihr können binnen 20 Sekunden 80 Prozent der Anrufe bewältigt werden“, so Vorstand Welter. Die Connect-Filiale wurde vor zwei Jahren eingerichtet, sie hatte 100 Anrufe zu Beginn. Heute melden sich 300 Anrufer am Tag, zu Spitzenzeiten steigt die Nachfrage auf 400 Anrufe. Sechs Mitarbeiter in Teilzeit arbeiten montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr dort.

Der gesamte digitale Bereich wird bei der Raiba Eifeltor an Bedeutung gewinnen. Kundenkontakt über WhatsApp? Keine allzu ferne Zukunftsmusik. Bei einem Testlauf war Thomas Welter verblüfft, dass ohne Ankündigung mehr als 50 Nachrichten über diesen Kurznachrichtendienst bei ihm aufpoppten. „Das hätte ich mir nicht vorstellen können.“ Die Folge daraus: Um die Kunden mit allgemeinen Informationen auf dem Laufenden zu halten, sei dies ein lohnenswerter Kanal. Die technischen Dinge werden derzeit abgeklärt, um die Anbindung in Kaifenheim möglich zu machen.

Aufgebaut werden soll auch eine Videoberatung. „Dafür brauchen wir Personal und Räume, die wir vor fünf Jahren nicht haben mussten“, so Welter. Ein Livechat über die Internetseite soll künftig möglich sein. Ferner soll eine Applikation (App) über Smartphone oder andere Geräte Beratungstools liefern. Wie weit geht die Onlineausrichtung? „Wir werden nicht nur digital am Markt sein. Andernfalls verlören wir unsere DNA“, bekräftigt Welter.

Händeringend sucht die regionale Bank Mitarbeiter. Derzeit hat sie einen Auszubildenden, im Sommer werden es zwei sein. Ein Praktikant von der FOS Kaisersesch ist auf Zeit an Bord. In den nächsten zehn Jahren verlassen 40 Prozent der 53 Mitarbeiter altersbedingt die Bank. Wenigstens eine gute Nachricht: Diejenigen, die jetzt als Azubis (Bruttoverdienst im Schnitt 1000 Euro) einsteigen, haben gute Karriereaussichten. „Wir brauchen sie langfristig, sie sollen aus der Region kommen“, betont Elmar Franzen. Zumal auch die Kundschaft der Genossenschaftsbank immer älter werde. Wie gerade diese Generation die Nachricht neuerlicher Filialschließungen aufnehmen wird? Welter und Franzen sagen unisono, dass Kaisersesch (für Düngenheim) und Lutzerath (für Alflen) dies auffangen könne. Die Entfernung betrage ja nur jeweils vier bis fünf Kilometer.

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

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