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Senheim

Protest gegen Ausbau: Straßenpflaster soll Senheim weiter prägen

Thomas Brost

Eine geraume Zeit lang treibt die Gemeinde Senheim dieses Thema um: Wird das alte Pflaster mit Moselkies in der Straße „Altmai“ einer modernen Piste weichen müssen? Und ist dies der Anfang vom Ende der handgepflasterten Straßen in der Moselgemeinde? 20 Bürger wollen sich mit der Information, dass im Juni die ersten Bagger rollen sollen, nicht zufriedengeben.

Sie halten die Planung für die Straße „Altmai“ für einen Irrweg: Anlieger und Anwohner aus dem Umfeld. Der Gemeinderat jedoch hält an seiner Planung ebenso fest wie das Abwasserwerk der Verbandsgemeinde.  Foto: Thomas Brost
Sie halten die Planung für die Straße „Altmai“ für einen Irrweg: Anlieger und Anwohner aus dem Umfeld. Der Gemeinderat jedoch hält an seiner Planung ebenso fest wie das Abwasserwerk der Verbandsgemeinde.
Foto: Thomas Brost

Rund 330.000 Euro soll der Umbau der Straße „Altmai“ kosten – die Beitragsbescheide sind vor wenigen Tagen allen Beitragszahlern ins Haus geflattert. Denn: Die Gemeinde erhebt wiederkehrende Beiträge, alle Zahler aus dem Ortsteil Senheim müssen sich beteiligen. 148.500 Euro zahlt die Gemeinde von der Gesamtsumme selbst.

„Hier steht zur Disposition, was an der Mosel einmalig ist“, sagt Christof Anders und listet in einer Rückschau bis 1754 die historische Komponenten der Bebauung des „neuen Senheim“ auf. Insbesondere erwähnt er das Pflaster, das im Zusammenspiel mit dem verwendeten Moselkies etwas Besonderes sei – das hatte schon die Jury beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ so sehr beeindruckt, dass sie es schriftlich fixierte. Anders ist angesäuert: „Alte Moseldörfer versuchen sich historisch zu verkaufen, Senheim versucht sich abzuschaffen.“ Der Gemeinderat favorisiert mehrheitlich einen Ausbau der Straße in Betonsteinpflaster, der alte Kies käme weg. Auch seien die Erneuerung von Abwasserkanal und Wasserleitung unumgänglich.

Auf zweieinhalb Seiten begründen die Gegner des Ausbaus ihren Widerspruch. Sie werfen der Gemeinde vor, dass sie nicht auf die Problematik der Rissbildung in den Häusern eingehe. Nach Arbeiten im oberen Bereich der Gemeinde hätten sich die geologischen Verhältnisse gravierend verändert. „Es gibt mehr Risse in den Häusern, und was wird sein, wenn irgendwo eine Decke einfällt?“ fragt Hermann Josef Schmidt. Der Professor, der mit Frau seit 2006 in Senheim lebt, hat privaterseits ein Gutachten eingeholt, in dem viele Risse in seinem Anwesen aufgeführt werden.

Eine „erhöhte Unfallgefahr insbesondere für spielende Kinder und Rollatorennutzer“ prophezeit Schmidt, falls der Ausbau umgesetzt wird. Der Grund aus seiner Sicht: Der glattere Belag bei gleichbleibendem Gefälle in der „Altmai“ führe dazu, dass die Straße wohl geräuscharmer und schneller befahren werde. Weiterer Kritikansatz: Es fehle ein förmliches Straßenausbauprogramm für Senheim.

Und an den Kosten wird herumgerechnet. So glaubt Karl-Heinz Heimes, dass die 330.000 Euro nicht ausreichen werden. Er geht nach Einsicht in den Haushaltsentwurf von summa summarum 365.000 Euro aus. Dem widerspricht jedoch die Verbandsgemeinde. Der voraussichtliche beitragsfähige Aufwand beläuft sich auf rund 330.000 Euro, teilt die Verwaltung in Cochem auf RZ-Anfrage mit. Und: „Darin sind alle umlagepflichtigen Ausgaben (Baukosten, Baunebenkosten wie zum Beispiel Ingenieurleistungen) nach derzeitigem geschätzten Kostenvolumen enthalten.“ Zurzeit läuft die Ausschreibung der Baumaßnahme. Auch der soziale Aspekt der Beitragskosten wird diskutiert. Während Familie Schmidt mit etwa 600 Euro dabei sein wird, müssen andere mehr aufbringen. „Es gibt Leute bei uns, die müssen ein Drittel einer Jahresrente für den Ausbau hinblättern“, sagt Schmidt und runzelt die Stirn. „Zu viel.“ Karl-Heinz Heimes glaubt, dass nach der „Altmai“ ruck, zuck die Verbindungsstraßen an die Reihe kommen – das werde teuer.

Der harte Kern der Widerständler wird sich, sobald der Widerspruch abgeschmettert ist, zusammenfinden, um über den nächsten Schritt zur Rettung der Pflasterstraße zu beraten: den Klageweg.

Von unserem Chefreporter Thomas Brost

Cochem Zell
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