40.000
Aus unserem Archiv
Kaisersesch

Nähen fürs Theater: Kreative Frauen halten die Fäden in der Hand

Brigitte Meier

Eigentlich sind Klavier, Keyboard oder Flöte die Instrumente, mit denen sie den Aufführungen der Freilichtbühne am schiefen Turm musikalischen Ausdruck verleiht. Doch genauso gut beweist Annemarie Tassler an der Nähmaschine in der Kostümwerkstatt des Kaisersescher Theatervereins künstlerische Fingerfertigkeit. Ihr gegenüber sitzt Elke Koller, die ebenso ihren langjährigen Wirkungskreis als engagierte Frontfrau der Friedensbewegung vorübergehend hintanstellt, um mit vielen weiteren Näherinnen die Kostüme für die Aufführung „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare herzustellen. Im Juli ist es soweit.

Annemarie Tassler (links) und Elke Holler (rechts) gehören zum Team der fleißigen Näherinnen, der dafür sorgen, dass die Theateraufführung am schifene Turm in Kaisersesch zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Foto: Wolfgang Thielen
Annemarie Tassler (links) und Elke Holler (rechts) gehören zum Team der fleißigen Näherinnen, der dafür sorgen, dass die Theateraufführung am schifene Turm in Kaisersesch zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.
Foto: Wolfgang Thielen

Damit die Hobbyschneiderinnen die zueinander passenden Stoffteile mit möglichst geraden Nähten zusammenbringen, hat Lacramiora Albu sozusagen die Fäden in der Hand. Sie hat an einem größeren Theater in Rumänien als Gewandschneiderin gearbeitet und sofort zugesagt, als sie gefragt wurde, ob sie die Kostümproduktion mit ihrem Profiwissen begleiten wolle. Während sie bei einer Anprobe mit geschickten Fingern das Oberteil des Oberon absteckt, erklärt sie strahlend: „Ich bin ganz glücklich, dass ich hier helfen kann. Ich fühle mich fast wie in meinem Theateratelier in Rumänien.“

Den Gesamtüberblick über die verschiedenfarbigen Stoffbahnen aus Samt, Organza, Tüll, Taft und Leder sowie die unzähligen Zutaten wie Schleifen, Bänder, Glitzersteinchen, Knöpfe, Häkchen und Klettverschlüsse hat Susanne Schubert. Sie hat auch die Kostüme der Elfen, Feen, Kobolde, Herrscher- und Liebespaare entworfen, gezeichnet und mit den dazu gehörigen Stoffproben auf eine für alle sichtbare Wand geheftet.

Um sich eine Vorstellung vom Aussehen der Naturgeister und Menschen zu machen, die im Sommernachtstraum aufeinandertreffen, hat Schubert viele Stunden bei der Internetrecherche verbracht. Nur so viel sei verraten: Die Zuschauer sollen sich von Silber-Grau, zartem Rosé, schillerndem Grün, üppigem Gold-Gelb und strahlendem Himmelblau verzaubern lassen. Schubert betont: „Wir haben die Kostümfarben ganz bewusst dezent gehalten, um den aufwändigen Frisuren und Masken nicht die Show zu stehlen.“

In der Maske nebenan geht es ebenso emsig zu wie im Kostümatelier. Hier herrscht Camelia Ellerich, die extra für die Aufführung einen Auffrischungskurs als Theatervisagistin gemacht hat, über die Utensilien. In großen Schminkkoffern und Make-up-Boxen warten unzählige Farbtöpfchen, Tiegel, Tuben, Wattestäbchen, Pinsel, Puderquasten und Bürstchen sowie Perücken, Lockenwickler, Kämme und Haarspray auf ihren Einsatz. „Jede Maske und jede Frisur wird ausprobiert, bis sie zur Rolle, zum Kostüm und zum Gesicht des Darstellers passen“, berichtet Camelia Ellerich.

Einer ganz besonderen Herausforderung hat sich Martina Steffes gestellt. Mit viel Geduld hat sie solange diverse Zutaten, etwa Knete, Latexmilch und Gips, gemischt, verrührt, geknetet und geformt, um Koboldgesichter, Knollennasen, Teufelshörner und Riesenohren passgenau herzustellen. „Ich bastele zwar gern, aber so etwas habe ich vorher noch nie gemacht“, erklärt Martina Steffes, während sie zufrieden ein Paar Elfenohren begutachtet: „Super, jetzt passen sie endlich.“ Das Ausprobieren ist irgendwann zu Ende, denn am Aufführungsabend wird es ernst. Damit beim Anziehen, Schminken und Frisieren jeder Handgriff reibungslos klappt, haben die Helfer hinter der Bühne ihren festen Plan. Die Kostüme und Accessoires befinden sich in mit den Namen des Darstellers und der Rolle beschrifteten großen Taschen.

Für die Masken und Frisuren besitzt jeder Schauspieler einen Schuhkarton mit allen Utensilien, der auf dem Deckel mit jeweils einem Vorher- und Nachher-Foto beklebt ist. Die Vorfreude auf die Premiere am Freitag, 13. Juli, ist groß, und die Spannung, wie das Publikum nach der Aufführung auf all das reagieren wird, knistert schon jetzt enorm.

Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier
Cochem Zell
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
Regionalwetter
Donnerstag

3°C - 8°C
Freitag

2°C - 10°C
Samstag

1°C - 8°C
Sonntag

0°C - 7°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach