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Cochem-Zell

Nach Vorfall in Kaisersesch: Diese Kniffe helfen gegen Automaten-Sprenger

David Ditzer

Am 28. Februar Mayen, am 15. März Kaisersesch, am 16. März Bingen – gefühlt täglich wächst die Zahl der Fälle, in denen kriminelle Laien-Sprengmeister Geldautomaten in die Luft jagen. Sie explodiert geradezu. Immerhin: Das Diebestrio, das am Donnerstag am Geldautomaten im Kaisersescher Rewe-Markt zugange war, ging leer aus – dank der modernen Sicherheitstechnik. Doch wie wappnen sich Banken in der Region eigentlich gegen Automatensprenger? Die RZ hat nachgefragt.

Reichlich ramponiert sieht der Geldautomat aus im Kaisersescher Rewe aus, den Unbekannte sprengten – ohne Beute zu machen.
Reichlich ramponiert sieht der Geldautomat aus im Kaisersescher Rewe aus, den Unbekannte sprengten – ohne Beute zu machen.
Foto: Kevin Rühle

Die Parallelen zwischen den Geldautomatensprengungen im Eifeldorf Forst (Juni 2015) und in Kaisersesch fallen auf: Die attackierten Automaten befinden sich am Ortsrand, die A 48 ist nicht weit entfernt, die Täter handeln wohlüberlegt, kommen auf leisen Sohlen, sind nach dem großen Knall flugs verschwunden. Typisch, urteilt auch Jochen Capalo, Sprecher des Polizeipräsidiums Mainz, wo eine eigene Arbeitsgruppe gegen Automatensprenger eingerichtet wurde: „Diese Täter arbeiten extrem schnell und spurenarm“, sagt er. Sie agierten „hochprofessionell“ und seien eventuell bandenmäßig organisiert.

23 Automatensprengungen gab es im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz, in den beiden Vorjahren waren es jeweils nur fünf. Die Zahl der Fälle hat sich also mehr als vervierfacht. Oft leiten die Kriminellen Gas in die Automaten ein, das sie zur Explosion bringen, nicht selten hinterlassen sie dabei ein Trümmerfeld. Bei dem Verbrechen in Kaisersesch vom Donnerstag fielen allerdings zwei Dinge auf: 1. Es entstand vergleichsweise geringer Sachschaden (geschätzt 30.000 Euro). 2. Das Diebestrio ging leer aus. „Die Diebe sind nicht an den Tresor herangekommen, in dem das Geld liegt“, hatte Edmund Schermann, Chef der Sparkasse Mittelmosel am Nachmittag nach der Tat konstatiert. Die Explosion habe nur die Verkleidung und die Bedieneinheit des Automaten zerstört. „Wir haben da investiert und unsere Automaten entsprechend nachgerüstet“, sagt Schermann, ohne auf die Details der neuen Sicherheitstechnik einzugehen. Sie bewirkt allerdings noch etwas: eine Begrenzung des Schadens. „Weil wir die Gefahr gesehen haben, dass jemand, der laienhaft sprengt, das halbe Gebäude mitsprengt.“ Knapp mehr als 30 Geldautomaten betreibt die Sparkasse Mittelmosel in den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell in Eigenregie. Darüber hinaus pflegt sie eine Kooperation mit der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank (VVR). Sie sichert Sparkassenkunden ein gebührenfreies Bargeldabheben an Automaten der Sparkasse zu – und umgekehrt.

Die VVR Bank betreibt im Raum Cochem, Bernkastel-Kues und Wittlich 26 Geldautomaten eigenständig. Diese sind mithilfe unterschiedlicher Systeme gegen Sprengangriffe gesichert, führt Jens Gietzen aus, bei der VVR zuständig für Marketing und Kommunikation. Bei einer Automatenexplosion in Großlittgen bei Wittlich im Jahr 2014 habe zum Beispiel ein Farbsystem gegriffen. Es färbte die Geldscheine bei der Explosion ein, was zur Folge hatte, dass die Täter ihre Beute unweit des Tatorts zurückließen. Gietzen fügt hinzu: „Man kann Automaten aber auch mit Gasdetektoren ausstatten.“ Sobald Gas in den Automaten eingeleitet wird, verströmen die Geräte dann eine chemische Substanz, die das Gas neutralisiert, und setzen einen Alarm ab. Welche Sicherheitstechnik eine Bank wählt, ist nicht zuletzt eine Frage des Preises. Wobei das Ganze einem Katz-und-Maus-Spiel gleiche. Manches schütze nur so lange, „bis sich die Diebe etwas Neues einfallen lassen“. Und dann gibt's ja noch das uralte Spiel „Räuber und Gendarm“: Bislang hat die Polizei keine Neuigkeiten, was die Fahndung nach den Tätern angeht, die in der Eifel drauflossprengten.

Von unserem Redakteur David Ditzer

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