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Koblenz

Nach brutalem Übergriff auf Camperin: Angeklagter kann sich nicht erinnern

David Ditzer

Ursprünglich sollte sich der angeklagte Matrose (29) selbst zum brutalen sexuellen Übergriff auf eine niederländische Camperin äußern, den ihm die Staatsanwaltschaft zur Last legt. Doch der Matrose kann sich an die Tat selbst nicht erinnern. Schuld an den Gedächtnislücken seien Alkohol- und Drogenkonsum gewesen. Doch ist das schlüssig?

Vor dem Landgericht in Koblenz muss sich ein 29-jähriger Matrosen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, eine Camperin in Cochem brutal überfallen und sie zu sexuellen Handlung genötigt zu haben. Foto: Andreas Walz
Vor dem Landgericht in Koblenz muss sich ein 29-jähriger Matrosen verantworten. Ihm wird vorgeworfen, eine Camperin in Cochem brutal überfallen und sie zu sexuellen Handlung genötigt zu haben.
Foto: Andreas Walz

Ursprünglich sollte sich der angeklagte Matrose (29) selbst am Donnerstag im Landgericht Koblenz zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußern. Doch letztlich gab vorerst allein der Psychiater, der ein Gutachten über den Angeklagten erstellen soll, Inhalte eines Explorationsgespräches mit demselben wieder. Demnach erinnert sich der junge Mann nicht mehr an den brutalen sexuellen Übergriff auf eine niederländische Camperin in Cochem im September vergangenen Jahres, den ihm die Staatsanwaltschaft zur Last legt. Schuld an den Gedächtnislücken seien Alkohol- und Drogenkonsum gewesen.

Zeitweise kommen dem Angeklagten die Tränen, als Psychiater Dr. Harald Lang dem Gericht Inhalte aus ihrem mehr als dreistündigen Zwiegespräch vom Vortag wiedergibt. Klar, als er in jener Septembernacht des vergangenen Jahres eine Kneipe in der Cochemer Altstadt verlassen habe, sei er „drauf“ gewesen und „vielleicht auch ein bisschen geil“. So habe sich der Angeklagte geäußert, sagte Harald Lang. Deshalb habe jener auch per Handy nach Möglichkeiten gesucht, in Cochem und Umgebung sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen.

Aber der blutige sexuell motivierte Übergriff auf eine Camperin auf dem Campingplatz in Cochem-Cond, den das Opfer an einem vorangegangenen Prozesstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit schilderte? Daran habe er keinerlei Erinnerung. Alles sei „schwammig und klebrig“, wenn er versuche, die Geschehnisse unmittelbar zur Tatzeit gedanklich zu rekapitulieren, gab Lang abermals des Matrosen Wortwahl wieder. Lang: „Unbegreiflich“ sei dem Angeklagten „das Kerngeschehen“, so unbegreiflich, dass er selbst sage: „Das kann nicht ich gewesen sein.“ Obwohl er ebenfalls einräume: „Die Faktenlage scheint darauf hinzudeuten, dass ich das war.“

In großen Teilen decken sich die klaren Teile der Erinnerungen des Angeklagten an die Tatnacht mit dem, was Zeugen aussagten: Der Angeklagte und ein Kollege waren am späten Abend nach einem Essen mit dem Chef in einer Kneipe in der Cochemer Altstadt etwas trinken, unterhielten sich dort angeregt, auch mit Gästen. Zunächst verließen beide das Lokal am späten Abend wieder. Doch während der Arbeitskollege des Angeklagten zurück an Bord ihres Schiffs ging, machte der Angeklagte kehrt. Er wollte in besagter Kneipe noch etwas weiterfeiern.

In der Toilette des Lokals will der Angeklagte, so gab es Lang wieder, bei seinem zweiten Besuch von einem Gast Drogen gekauft haben – im Glauben, es handele sich um Amphetamine. Die habe er auch früher schon genommen, um „fit und leistungsfähig“ zu sein. Doch die Drogen, die er erwarb, hätten komisch geschmeckt, nicht „nach Kresse“, wie sonst bei Amphetaminen üblich.

Überdies gab der Angeklagte gegenüber dem Psychiater an, sein Alkoholkonsum in der Tatnacht sei „vielleicht doch bedeutsamer gewesen als geschildert“. Üblicherweise halte er sich an eine „Dreibiergrenze“. Diese habe er überschritten, dazu Schnaps, unter anderem das ihm unbekannte „Moselfeuer“. Diese habe womöglich eine aufheizende Wirkung entfaltet. Aber wie passt damit zusammen, dass weder der Arbeitskollege noch die Kneipenwirtin in ihren Aussagen dem Angeklagte erkennbare Ausfallerscheinungen attestiert hatten? Eine Blutprobe, um 4.51 Uhr am Morgen nach der Tat entnommen, wies die Einnahme von Amphetaminen nach – und einen Blutalkoholwert von 1,0 Promille. Und warum erinnert sich der Angeklagte recht deutlich an einen kurzen Faustkampf, den er am Tatort, in einer Toilettenanlage des Conder Campingplatzes, mit „einem Mann“ hatte? Wobei dieser Mann offensichtlich vor Gericht aussagte: der Lebensgefährte des Opfers, der den Peiniger der Frau, die er liebt, in die Flucht schlug. Womöglich bringt das psychiatrische Gutachten mehr Licht ins Dunkel. Es wird unter anderem auf zwei Gesprächen basieren, die Dr. Lang mit dem Angeklagten geführt hat, und zwar am 27. April und am 16. Mai. Lang will der 14. Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Anke Schenkelberg dieses Gutachten am Dienstag, 29. Mai, von 9.30 Uhr an vorstellen. Und danach will sich auch der Angeklagte selbst zu Nachfragen äußern.

Von unserem Redakteur David Ditzer

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