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    BüchelMusik für den Frieden: Wecker stützt Aktivisten

    Konstantin Wecker lässt die Tasten des schwarzen Pianos ruhen, erhebt sich vom Hocker und wendet sich den Friedensaktivisten vor dem Haupttor des Fliegerhorstes Büchel zu. Das Lied endet nicht, die bunte Masse singt weiter den Refrain von „Den Parolen keine Chance“. Es ist kein klassisches Konzert, keine normale Demo – eher eine Kunstaktion. Am Kreisel sitzen etwa 300 Atomwaffengegner, so viele, wie schon lange nicht mehr. Vielen ist die Freude über den Besuch ins Gericht geschrieben, die Stimmung ist irgendwie hoffnungsvoll.

    Zwei Stunden zuvor, bei Beginn der Veranstaltung am Samstagnachmittag, ist es noch sehr ruhig. Klassische Klaviermusik schallt aus den Lautsprechern, Soundcheck für die Musik, die noch folgen soll. Bierbänke sind rund um den Verkehrskreisel aufgebaut, überall stehen die bekannten Plakate, die sich gegen die auf dem Eifler Stützpunkt stationierten amerikanischen Atomwaffen richten. Das Haupttor ist mit Bauzäunen versperrt, eine kleine Gruppe Soldaten betrachtet das Geschehen. Ein Radfahrer aus Alflen hält an, schon jetzt sind es mehr Demonstranten als erwartet. An einem Samstag geht so eine Veranstaltung in Ordnung, „das ist ihr gutes Recht“, sagt der Eifler. Besser als unter der Woche, wenn Hunderte Autofahrer im Stau stehen, weil die Zugänge zum Fliegerhorst blockiert werden, gibt er zu bedenken.

    Entgegen anderen Veranstaltungen der Vergangenheit sind nur wenige Polizisten vor Ort. Die Straße in Richtung Alflen ist gesperrt, auf einer Spur parken Autos und Wohnmobile. Ein halbes Dutzend Cochemer Beamte stehen an der Bushaltestelle und beobachten, wie sich der Platz füllt. „Das wird eine ruhige Veranstaltung“, sagt der Kriminalbeamte Michael Reismann. „Wenig junge Leute, dafür viele ältere“, bemerkt ein Kollege. Ein Motorradfahrer fragt, ob er kurz an der Absperrung vorbeifahren darf. „Das ist mir zu obskur, ich dachte, hier wäre mehr Musik“, sagt der Mann zu einem Polizisten und fährt davon. Das Programm auf der Bühne hat begonnen. Der Protest hat Aufwind. Bei den Vereinten Nationen haben sich 130 Länder auf ein Abkommen geeinigt, dass ein Verbot von Atomwaffen vorsieht. Das Problem: Die Nationen, auf die es wirklich ankommt, waren nicht dabei. Auch Deutschland nicht. Zudem hat Bischof Stephan Ackermann vor gut einer Woche die Aktivisten unterstützt und vor dem Fliegerhorst gebetet (die RZ berichtete). „Das hätten wir vor zwei Jahren noch nicht zu hoffen gewagt“, sagt Roland Blach, Koordinator der Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“.

    Etwa 50 verschiedene Gruppen protestieren mittlerweile regelmäßig in Büchel, schon seit 21 Jahren kämpft Dr. Elke Koller aus Leienkaul gegen die in Büchel stationierten Massenvernichtungswaffen. „Wir sind froh über den kleinen Erfolg, dass bei der UN das Atomwaffenverbot beschlossen wurde“, sagt sie. Das Ziel, Atomwaffen abzuschaffen, eint alle beteiligten Gruppen, auch international. „Wir mussten für unseren Protest viele Jahre im Gefängnis verbringen“, sagt Ardeth Blatter, eine Friedensaktivistin aus Michigan. Sie ist mit einer Delegation aus den USA angereist. Leona Morgan berichtet, welch verheerende Auswirkungen 150 Uranminen auf das Land und die heiligen Stätten amerikanischer Ureinwohner haben – und, dass nicht Donald Trump, sondern Barack Obama begonnen hat, diese wieder zu betreiben.

    An diesem Samstag beteiligen sich mehr Menschen aus der Region an der Demonstration in Büchel als üblich. Wolfgang Treis, Oberbürgermeister der Stadt Mayen, sagt: „Es ist wichtig, dass wir gegen Massenvernichtungswaffen protestieren. Insbesondere dann, wenn sie vor unserer Haustüre liegen.“ Und während die Sängerin Nicole Mercier aus Kalt bei Münstermaifeld Friedenslieder singt, erscheint auch der Kaisersescher Verbandsgemeindebürgermeister Albert Jung am Kreisel vor dem Fliegerhorst. Er trägt einen Korb mit weißen Tauben, „eine schöne Botschaft für die Künstler, die sich hier engagieren“, sagt er. Und: „In der Grundhaltung muss man gegen Atomwaffen sein.“

    Wenig später stehen Jung und Treis gemeinsam mit Konstantin Wecker auf der Bühne. Der Kaisersescher VG-Chef reicht dem 70-jährigen Liedermacher eine der Brieftauben seiner Söhne. Gemeinsam schicken Künstler und Bürgermeister die Tiere auf ihren Weg zurück nach Forst. Die Zuschauer jubeln.

    „Nennt mich gern einen Spinner, Utopisten und naiv, doch ich will nicht akzeptieren, was da aus dem Ruder lief.“ Schon mit der ersten Liedzeile von Konstantin Wecker ändert sich die Stimmung in Büchel. Die Zuschauer fiebern und singen mit. Die Lieder scheinen Balsam für die Seelen der oft in der Eifel unliebsamen Friedensaktivisten. „Es geht ums Tun und nicht ums Siegen“, sagt Wecker später. Neben ihm steht Roland Blach, der sich bedankt und mit dem Auftritt von Wecker „einen lang gehegten Traum“ vieler Friedensaktivisten in Erfüllung gegangen sieht. Der Protest geht weiter, verspricht er.

    Von unserem Redakteur Kevin Rühle

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