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VG Cochem

Medizinische Versorgung: Junge Ärzte für das Landleben begeistern


Dieter Junker

Angesichts des drohenden Hausärztemangels will sich die Verbandsgemeinde (VG) Cochem stärker anstrengen, um Mediziner in die Region um die Kreisstadt zu locken. So ist ein Runder Tisch mit Hausärzten aus der VG sowie Vertretern der Verbandsgemeinde angedacht, an dem Konzepte und Ideen entwickelt werden sollen. Ferner soll es Marketingkampagnen für die Region in den medizinischen Fakultäten des Landes geben, um so künftigen Ärzten das Gebiet zwischen Eifel, Hunsrück und Mosel schmackhaft zu machen.

Gehen in den nächsten fünf Jahren im Raum Cochem die Haus- und Fachärzte aus? Einer, der sich an der Mosel mit einem Fachzentrum für Schmerztherapie angesiedelt hat, ist Dr. Achim Betzenberger.
Gehen in den nächsten fünf Jahren im Raum Cochem die Haus- und Fachärzte aus? Einer, der sich an der Mosel mit einem Fachzentrum für Schmerztherapie angesiedelt hat, ist Dr. Achim Betzenberger.
Foto: Kevin Rühle

„Auch wenn derzeit die Situation noch ganz gut aussieht, so wird sich das in den kommenden vier oder fünf Jahren sicher ändern. Wir haben Sorgen, wie es dann mit der hausärztlichen Versorgung weitergehen kann“, sagte VG-Bürgermeister Helmut Probst in einem Gespräch von Hausärzten mit Vertretern der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz in Cochem. Darum müsse sich die Verbandsgemeinde frühzeitig Gedanken darüber machen, wie man auf diese Entwicklung reagieren könne, betonte der VG-Chef.

Die Zahlen, die seitens der KV für den Kreis Cochem-Zell vorliegen, geben der Sorge recht. So verfügt der Kreis Cochem-Zell derzeit zwar über einen Versorgungsgrad von immerhin 99,4 Prozent bei den Hausärzten – lediglich für Augen-, HNO- und Kinderärzte könnten derzeit noch Zulassungen für diesen Bereich ausgesprochen werden. Alle anderen Facharztsparten sind in Bezug auf Zulassungen derzeit für den Kreis gesperrt, sprich: Es gibt hier eine ausreichende Versorgung. Zumindest statistisch.

Aber: Das Durchschnittsalter bei den Hausärzten liegt kreisweit bei 58 Jahren, bei 66 Prozent der Hausärzte besteht bis 2022 ein Nachbesetzungsbedarf, bei den Fachärzten sind es 50 Prozent. „Schon jetzt zeichnet es sich ab, dass wir frei werdende Arztsitze wohl nicht alle wiederbesetzen können, einfach auch, weil Ärzte fehlen oder der ländliche Raum für angehende Mediziner weniger attraktiv ist“, betonte Harald Allmendinger, der Ressortleiter Beratung bei der KV Rheinland-Pfalz.

„Wir müssen uns der Realität stellen, dass viele Ärzte wohl nur schwer einen Nachfolger finden und in zehn Jahren vielleicht die Hälfte der jetzigen Praxen geschlossen ist“, äußerte sich Dr. Gabriele Müller de Cornejo, niedergelassene Hausärztin in Bruttig-Fankel, zur aktuellen Situation. Darum mache es in der Tat Sinn, jetzt über neue Modelle nachzudenken, wie man Mediziner für die Region begeistern könne, mahnte sie.

Ein Modell, wie so etwas geht, stellte in Cochem der Dauner Arzt Dr. Carsten Schnieder vor, der gemeinsam mit seiner Frau vor 13 Jahren eine Praxis in der Eifelstadt übernahm und mittlerweile ein hausärztliches Versorgungszentrum aufgebaut hat – mit sieben Ärzten, die mehr als 5500 Kassenpatienten betreuen. „Ich möchte alle ermutigen, andere Ideen zu denken und dann auch anzugehen“, sagte er. So seien bei ihm zwei alleinerziehende Ärztinnen beschäftigt, die nur aufgrund der Flexibilität, die ihnen das Versorgungszentrum bietet, als Mediziner praktizieren können.

„Natürlich ist es wichtig, neue Modelle zu überlegen. Doch das Problem sind vor allem die fehlenden Ärzte. Es finden sich einfach keine Leute. Wir müssten viel mehr an den Unis werben“, meinte Dr. Theodor Kastor, Hausarzt aus Treis-Karden. Letzteres unterstützt auch die KV. Sie hat zahlreiche Förderprogramme aufgelegt, um jungen Ärzten den Start gerade im ländlichen Raum interessant zu machen. Dazu gehören Fortbildungsmöglichkeiten, Begleitseminare, Monitoring und vieles mehr, wie Harald Allmendinger betonte.

Doch auch die Kommunen sind seiner Auffassung nach in der Pflicht, auf einigen Gebieten mehr als wie bisher zu tun. „Die Gegend muss jungen Medizinern schmackhaft und bekannt gemacht werden“, so Allmendinger. Dazu gehörten schnelles Internet, gute Perspektiven auch für den Partner, adäquate Schul- und Betreuungsangebote, effiziente Hilfe bei Immobilien- oder Bauplatzsuche und kulturelle Anreize auf dem Land.

Von unserem Mitarbeiter Dieter Junker
Cochem Zell
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