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Koblenz

Matrosenprozess: Rechtsmediziner ordnet Details ein

David Ditzer

Dass an der mutmaßlichen Tatwaffe, einem Holzpfahl, kein Blut des Opfers haftete, ist aus Sicht des rechtsmedizinischen Sachverständigen Julian Geile keineswegs völlig abwegig. Der Assistenzarzt vom Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Bonn gab jetzt im Prozess gegen einen 29-jährigen Matrosen, der eine Urlauberin auf einem Campingplatz am Cochemer Moselufer im September 2017 überfallen, brutal zusammengeschlagen und sexuell genötigt haben soll, seine Expertise ab. Ob und in welchem Maße sich Blutspuren auf die mutmaßliche Tatwaffe übertrügen, hänge davon ab, wie lange der Kontakt gedauert habe und welche Stellen getroffen worden seien.

Vor dem Landgericht in Koblenz muss sich ein Matrose verantworten, der eine Camperin in Cochem überfallen und sexuell genötigt haben soll.
Vor dem Landgericht in Koblenz muss sich ein Matrose verantworten, der eine Camperin in Cochem überfallen und sexuell genötigt haben soll.
Foto: Andreas Walz

Noch am Tag ihres Martyriums, dem 20. September 2017, untersuchte Julian Geile die Camperin aus den Niederlanden im Mayener Krankenhaus: Blutergüsse, Kratzer, Frakturen von Fingern und einer Rippe, zudem eine genähte Platzwunde in Scheitelnähe. Die Spuren stumpfer und schürfender Gewalt, die der Mediziner feststellte, waren zahlreich.

Oberstaatsanwalt Sven von Soosten hakte vor allem mit Blick auf die genähte Wunde am Kopf nach. „Könnte ein runder Gegenstand so einen Cut verursacht haben?“, fragte er. Schließlich soll die Waffe, mit der die Camperin attackiert worden war, ein runder Holzpfahl gewesen sein, der als Parzellenbegrenzung diente. Ja, dieser Pfahl könnte eine solche Wunde hinterlassen haben, antwortete der Sachverständige. Insbesondere beispielsweise die Kante am Ende des Rundpfahls.

Von Soosten wollte überdies wissen, ob die Tiefe der Wunde Rückschlüsse auf die Härte des Schlages zulasse. Geile gab zur Antwort, dass es wohl eine „nicht unerhebliche Gewalteinwirkung“ gewesen sei. Denn Ärzten zufolge habe die genähte Wunde bis auf die Schädeldecke gereicht.

Auf Nachfrage des Rechtsanwaltes Stefan Schmidt, der mit Mark Neugebauer den Angeklagten verteidigt, hielt Fachmann Geile jedoch auch fest: Das Geschehen, das zu einer Verletzung führte, nur auf Basis dieser Verletzung genau zu rekonstruieren, sei meist nicht möglich. Deshalb gehe es eher um eine „Prüfung der Plausibilität“. Viele Verletzungen des Opfers ließen sich plausibel mit den Schilderungen desselben zum Tathergang in Einklang bringen.

Rechtsanwalt Neugebauer fragte Geile, ob die Wunde am Kopf der Camperin auch von einem Sturz auf den Boden habe herrühren können. Der Fachmann entgegnete, dies sei höchst unwahrscheinlich. Was er unter Verweis auf die „Hutkrempenlinie“ erläuterte: Man stelle sich vor, ein Mensch trage einen Hut. Nur Verletzungen unterhalb der Krempenlinie rührten in der Regel von einem Sturz her – es sei denn, ein Mensch stürze auf einer Treppe.

Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin, Anke Schenkelberg, führte der Rechtsmediziner aus, selbst bei einem Schlag mit der mutmaßlichen Tatwaffe auf den Kopf des Opfers „wäre nicht auszuschließen“, dass kein Blut desselben an der Waffe haften geblieben sei. Aus den Venen der Kopfhaut trete Blut nämlich mit weniger Druck aus, als wenn Arterien verletzt worden wären. Zu den Tatvorwürfen gegen ihn hat sich der Angeklagte selbst vor Gericht bislang nicht geäußert. Doch das soll sich ändern, wie die Verteidiger ankündigten, voraussichtlich am 17. Mai, dem nächsten Verhandlungstag. Bis dahin soll auch ein zweites Gespräch zwischen dem Angeklagten und dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. Harald Lang erfolgt sein. Letzterer soll ein psychiatrisches Gutachten über den angeklagten Matrosen erstellen.

Von unserem Redakteur David Ditzer

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