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    Cochem

    Jürgen Becker kennt sich aus: Warum Sex ohne Lust einem den Spaß an der Freude verdirbt

    Sex sells. Diese klassische Werbeweisheit stimmt. Und das nicht nur in Verbindung mit heißen Kurven, ein flottes Mundwerk hat offensichtlich dieselbe Sogwirkung. Beim Auftritt des Kabarett-Urgesteins Jürgen Becker mit seinem Programm „Volksbegehren“ im Rahmen der Eifel-Kulturtage war das Kapuzinerkloster jedenfalls gerammelt voll.

    Kabarettist Jürgen Becker in Cochem.  Foto: Werner Pelm/Eifel-Kulturtage
    Kabarettist Jürgen Becker in Cochem.
    Foto: Werner Pelm/Eifel-Kulturtage

    In seiner gut zweistündigen Show schilderte Becker wissenschaftlich fundiert eine Menge Wissenswertes rund um die menschliche Fortpflanzung, natürlich mit reichlich rheinischem Humor gewürzt: Aufklärungsunterricht also nicht à la Kolle, sondern mehr wie in Kölle. So mussten für das ein oder andere Fachgespräch die Kölner Originale Tünnes und Schäl als Quasi-Experten herhalten, doch zu frivol und schlüpfrig gerieten deren Sprüche nie. „Für die geschmackliche Grenze haben wir Deutsche ja einen wunderschönen Begriff“, führt Becker gleich zu Beginn aus. „Klar: die Gürtellinie!“ Und er versprach sogleich, diese Grenze nicht allzu häufig zu unterschreiten. Warum tun wir Menschen uns das überhaupt an? Fortpflanzung? Sex?

    Und laut Umfragen auch noch mehrmals die Woche, wobei Becker durchblicken lässt, dass bei mancher Verkehrszählung wohl der Wunsch der Vater der Statistik ist: „Nehmen wir zum Beispiel die Blattlaus“, erläutert Becker mögliche Alternativen im Tierreich zur schweißtreibenden Kopulation. „Die kann sich rasend schnell vermehren und benötigt dazu nicht einmal einen Lausbuben.“ Parthenogenese oder auch Jungfrauenzeugung nennt sich diese Form der Vermehrung. „Aber was machen die Lausbuben dann die ganze Zeit?“, fragte Becker und ließ die bildungshungrigen Cochemer Sexualwissenschaftler nicht lange auf die Antwort warten: „Die spielen möglicherweise Karten. Vorausgesetzt, sie haben ein gutes Blatt.“

    Schlecht nur bei der Jungfrauenzeugung: Es bleibt nicht nur der Spaß an der sexuellen Freud‘ auf der Strecke. Viel schlimmer ist: Es kommt zu keinen genetischen Variationen. Das öffnet wiederum Bakterien Tür und Tor ...

    Becker führt aus: „Man kennt das aus Familien, in denen alle Kinder irgendwie doof aussehen, nur eins ist hübsch. Dann weiß man: Hier hat die Evolution ein Element hinzugefügt, das nach Darwin für die Entwicklung der Arten enorm wichtig ist: den Bofrost-Mann.“

    Apropos Jungfrauenzeugung. Dass die katholische Kirche nicht gerade unverklemmt und lustbetont mit dem Thema Sex umgeht, ist allgemein bekannt, wer uns Katholiken das eingebrockt hat, wissen nur die richtig sattelfesten rheinisch-katholischen Experten. Laut Becker war es Augustinus. Jener erfand zunächst die Erbsünde, fungierte sodann als Schöpfer der christlichen Sexualmoral und verfügte schließlich: Sex ist erlaubt, aber nur zur Fortpflanzung. Lust darf dabei nicht empfunden werden! Punktum. Wie bitte???

    Sex ohne Lust? Was soll das denn, und wie wären dann noch die zeitraubenden und anstrengenden Balzbemühungen zu rechtfertigen – sprich erst schnacken, dann schnackseln – die die geilen Männchen veranstalten müssen? Lust auf mehr bereitete das kurzweilige Wissenskabarett auf jeden Fall und deutlich machte Jürgen Becker auch: Der Humor darf beim Sex nicht zu kurz kommen.

    Mit dem altehrwürdigen Kirchenschiff des Kapuzinerklosters hatte Rainer Laupichler, Geschäftsführer der Eifel-Kulturtage, den passenden Ort für Beckers „Volksbegehren“ gewählt, dies stellte auch der Kölner Kabarettist mehrfach am Abend fest. Und er gab seinem begeistert-inspirierten Publikum schließlich die bekannte kölsche Lebens- und Liebesweisheit mit auf den Nachhauseweg: „Wer poppe‘ will muss freundlich sein!“

    Von unserem Mitarbeiter Stephan Hilken

    Cochem Zell
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