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Cochem

Internationaler Klaviersommer: Armenische Pianistin siegt mit Chopin und Liszt

Diana Sahakyan aus Armenien hat beim Abschlusskonzert der Meisterschüler des Internationalen Klaviersommers in Cochem den Publikumspreis gewonnen. Ihre brillanten Interpretationen ausgewählter Stücke von Chopin und Liszt standen in der Gunst der Zuhörer letztlich völlig zu Recht ganz oben. Wobei nur Nuancen am Ende den Ausschlag gaben.

Von Holger Crump

Der Internationale Klaviersommer in Cochem bietet Musikfreunden der Region ein dichtes Kulturkonzentrat: Konzerte internationaler Pianisten mit Musik aus Klassik, Romantik und Moderne, kompakt dargeboten an drei Wochenenden im August. Ideale Voraussetzungen für Kulturfreunde, um Interpreten und Interpretationen miteinander zu vergleichen.

Und beste Möglichkeiten für konzentrierten Hörgenuss bot nicht zuletzt das Abschlusskonzert des Meisterkurses, das gleich acht internationale Pianisten präsentierte. Zum Hintergrund: Der Meisterkurs fand während des Klavierfestivals unter der Leitung von Prof. John Perry (USA) statt. Studenten aus Asien, Nordamerika und Europa verfeinerten in den vergangenen zwei Wochen im Kapuzinerkloster Cochem ihre musikalischen Fähigkeiten. Einzelstunden mit Prof. Perry setzten wichtige Akzente in der musikalischen Entwicklung der Studenten. Als Höhepunkt präsentierten sie nun das Ergebnis ihrer Arbeit beim Meisterkurskonzert vergangenen Freitag. Es wurde von den Rotary Clubs Mayen und Cochem-Zell unterstützt.

Den Beginn des Konzertreigens übernahm Sibel Zeynelova (Bulgarien) mit "Prélude, Chorale et Fugue" von César Franck. Dank ihrer von feinem musikalischen Gespür geprägten Spielweise verlieh sie dem Stück – einer der seltenen Klavierkompositionen von Franck – Struktur und Tiefe. Seokmin On aus Südkorea folgte mit der Polonaise-Fantasie Op. 61 von Chopin, deren leise Melancholie er souverän herausarbeitete.

Beste pianistische Entfaltungsmöglichkeiten bot der "Mephisto-Walzer" von Franz Liszt. Er wurde unter den Händen von George Ko (USA) zu einem souverän-zirzensischen Erlebnis mit zuweilen subtiler Erotik und hinterließ eine kernige Klangcharakteristik der titelgebenden Figur. Studien für das Pianoforte von Brahms über ein bekanntes Paganini-Thema bildeten den Abschluss der ersten Konzerthälfte. Aileen Gozali (USA) erhob sich kongenial über diese 14 Variationen. Ihre Kunst ging eine meisterliche Symbiose mit Brahms' nicht enden wollender Kreativität ein.

Der große alte Meister des Barock, Johann Sebastian Bach, markierte den Beginn der zweiten Konzerthälfte. Ursprünglich für Cembalo komponiert, besitzt das Werk auf dem Flügel einen von zeitloser Schönheit geprägten Facettenreichtum, den Samantha Wong aus den USA superb offenbarte.

Diana Sahakyan (Armenien) wählte für ihren Auftritt ein Nocturne und eine Ballade von Chopin sowie eine Etüde von Liszt. Sie verschmolz förmlich mit dem Flügel und brachte den morbiden Charme sowie die ungeheure Komplexität der Stücke phänomenal auf den Punkt. Aufmerksamen Zuhörern entging dabei nicht, dass die Etüde auf einem Thema von Paganini basiert, das kurz zuvor in der Bearbeitung Brahms' erklungen war.

Mit den kongenial dargebotenen "Moments Musicaux" Op. 16 Nr. 2 bis 6 von Rachmaninow beendete Alexey Pudinov (Deutschland) den offiziellen Teil des Konzerts, bevor Vorjahressiegerin Umi Garrett (USA) mit den "Variations sérieuses" Op. 54 von Mendelssohn-Bartholdy eine gefeierte Zugabe außer Konkurrenz gab.

Keine Frage: Das Können der Klavierstudenten lag relativ dicht beieinander, auf ungewohnt hohem Niveau. Die Preisvergabe durch das Publikum war daher eine schwere Aufgabe. Es wählte letztlich George Ko auf Platz drei, Alexey Pudinov wurde Zweiter.

Diana Sahakyan siegte verdient mit ihren Interpretationen von Liszt und Chopin: Brillant, wie sie in ihrer pianistischen Arbeit selbst kleinen musikalischen Bewegungen in der Begleitung Beachtung schenkte und diese fein herausarbeitete. Sensibel, wie sie der Erhabenheit Raum gab, ohne dabei der Versuchung zu erliegen, Dramatik mit Lautstärke zu verwechseln. Es siegte mithin eine musikalische Persönlichkeit, wobei Details den Ausschlag gaben. So ist es im Musikgeschäft: Oft entscheiden nur Kleinigkeiten über Karriere oder zweite Liga.

Cochem Zell
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