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Mittelmosel

Hubschraubereinsatz an der Mosel: Wenn’s überm Wingert braunes Pulver regnet

Christoph Bröder

Dieser Tage sind entlang der Mosel wieder laute Rotorengräusche zu hören. Das sind nicht etwa die Motorradfahrer, die mit dem Frühling ebenfalls wieder auf den Straßen der Region unterwegs sind. Nein, es ist ein Hubschrauber, der über den Steilhängen seine Kreise zieht. In Ellenz-Poltersdorf, Beilstein und Cochem konnte man ihn diese Woche beispielsweise beobachten, wie er tonnenweise braunes Pulver über den Weinbergen verteilte. Wir haben beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues mal nachgefragt, was es damit auf sich hat.

Brauner Kalknebel über den Weinbergen: Damit die Böden nicht übersäuern, wird per Hubschrauber gekalkt.
Brauner Kalknebel über den Weinbergen: Damit die Böden nicht übersäuern, wird per Hubschrauber gekalkt.
Foto: Jens Weber

Bei dem braunen Pulver handelt es sich um Kalk, der in der vegetationsfreien Zeit in den Weinbergen ausgebracht wird. „Die Böden an der Mosel sind von Natur aus eher sauer“, erklärt Eric Lentes, Weinbauberater beim DLR, „außerdem versauern Böden nach einer Weile auf natürliche Weise.“ Irgendwann sind Böden dann so sauer, dass Pflanzen, in diesem Fall Rebstöcke, nicht mehr ideal wachsen können. „Ein Weinberg sollte etwa einen ph-Wert von 6 bis 6,5 haben, bei einem Wert von 5 ist er schon zu sauer“, erklärt Lentes. Wird der ausgebrachte Kalk über den Regen eingeschwemmt, wirkt sich das basisch auf den Boden aus. Das heißt, der ph-Wert wird angehoben, geht fast schon ins Neutrale (ph-Wert von 7).

Es ist wirtschaftlich besser, größere Flächen mit dem Hubschrauber abzufliegen.

Eric Lentes, Weinbauberater beim DLR

Nötig ist eine solche Kalkung nicht jedes Jahr, manche Winzer machen das nur alle drei Jahre oder noch unregelmäßiger, sagt Lentes. Und dann tun sie sich in der Regel mit anderen Winzern zusammen. „Es ist wirtschaftlich besser, größere Flächen mit dem Hubschrauber abzufliegen“, erklärt der Weinbauberater. Meist werden gleich mehrere Dutzend Hektar von einem Piloten abgeflogen. Eine Sondererlaubnis, wie beim Spritzen der Weinberge mit Herbiziden, benötigt der Pilot dafür übrigens nicht. Fürs Kalken ist lediglich eine Abwurfgenehmigung nötig. Dennoch wird Pilot und Maschine alles abverlangt. Zügig fliegt der Pilot die Stelle an, an der er den Kalkbehälter wechselt. Er hakt den leeren Behälter aus und nimmt den befüllten direkt auf.

Ein Sache von Sekunden: Zwischen den Weinbergen wird der Kalkbehälter getauscht. Und dann geht es wieder in die Höhe.
Ein Sache von Sekunden: Zwischen den Weinbergen wird der Kalkbehälter getauscht. Und dann geht es wieder in die Höhe.
Foto: Jens Weber

Mehrere Tonnen Kalk werden pro Hektar Weinbergfläche ausgebracht, erklärt Lentes. Wie dieser Tage zu sehen war, kann es dabei auch zu Verwehungen kommen. Wege entlang oder durch die Weinberge werden daher von den Winzern mit Warnschildern gekennzeichnet. Ebenso die Straßen, die dicht an die Weinberge angrenzen. Am Ortseingang von Beilstein beispielsweise stand am vergangenen Mittwochmorgen ein Mann mit Warnweste und Hinweisschild. Denn mit offenem Fenster in eine Kalkstaubwolke zu fahren, macht sicher manchen Autofahrer sauer – saurer Wingertsboden hin oder her.

Von unserem Reporter Christoph Bröder

Cochem Zell
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