40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mittelmosel
  • » Hängepartie um einen Mauerputz landet vor Gericht
  • Aus unserem Archiv
    Cochem

    Hängepartie um einen Mauerputz landet vor Gericht

    Sie sind wie die besungenen Königskinder, die nahe sind, aber nicht zueinander finden. Wobei: Wahre Liebe verbindet die beiden Nachbarn nicht, die sich vor dem Amtsgericht Cochem streiten.

    Auf dem Nachbarhaus sind noch die Umrisse des ehemaligen Giebels zu erkennen. Der Nachbar will die Stelle verputzen lassen.
    Auf dem Nachbarhaus sind noch die Umrisse des ehemaligen Giebels zu erkennen. Der Nachbar will die Stelle verputzen lassen.
    Foto: Kevin Rühle

     

    Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

    Eher eine Mauer. An der vormals ein Giebel stand. Da ist jetzt ein hässlicher Fleck. Jetzt geht es darum, ob der eine ein Gerüst auf des anderen Grundstück aufrichten darf - nachdem der Eigentümer den Schutt geräumt hat, damit ein Arbeitsgerüst verkehrssicher errichtet werden kann.

    Nein, die beiden Männer sind sich nicht grün, und das seit Jahren nicht. Der eine hat von des anderen Mutter vor 34 Jahren ein ehemals ortsbildprägendes, altehrwürdiges Gebäude mitsamt Hof abgekauft. Seither hat sich wenig getan, der Hof verfällt. Im vorigen Jahr musste der Eigentümer ein Backhaus abreißen, das unmittelbar ans Haus des anderen grenzte. Der wiederum klagt, dass seit diesem Tag Feuchtigkeit in sein Mauerwerk ziehe. Und deshalb wolle er die Fläche, die heute in Dunkelgrau den Giebel nachzeichnet, durch einen robusten Putz ausfüllen. Den Antrag aufs Errichten eines Gerüstes verknüpfte der Nachbar mit der schriftlich formulierten Aufforderung, dass zuvor der Schutt an der Mauer geräumt werden müsse. 

    Richterin Sonja Michels stellt klar, dass es gemäß dem Hammerschlags- und Leiterrecht ein Grundstückseigentümer hinnehmen muss, dass der Nachbar sein Grundstück betritt, um Reparaturarbeiten an seinem Haus auszuführen. In diesem Fall sei zu fragen, ob inbegriffen ist, dass der Eigentümer zuvor Schutt räumt, damit der andere gefahrlos arbeiten kann. Dazu gibt die Rechtsliteratur nur her, dass der Eigentümer eine bauliche Veränderung herstellen muss, um seiner Pflicht nachzukommen. Hans Bleck, der Rechtsanwalt des Grundstückseigentümers, moniert, dass in dem Aufforderungsschreiben an seinen Mandanten kein konkreter Termin für den Beginn der Arbeiten gestanden habe. "Hätte er gesagt, dass er in drei Wochen das Gerüst stellen wolle, wäre das kein Problem gewesen." Stattdessen eisige Stille. Obwohl der Grundstückseigentümer in einer E-Mail dokumentiert, dass er, wie er es darstellt, "den Konflikt deeskalieren" will. Zu einem Gespräch mit dem Schiedsmann tritt er freilich nicht an, ebenso wenig zum ersten Gerichtstermin.

    Es ist sogar eine Wertverbesserung, wenn der Schutt geräumt wird.

    Richterin Sonja Michels

    Jetzt, beim zweiten Anlauf, ist sein Anwalt der Meinung, es geht nur um "zwei Steine, die weggelegt werden müssen". Solch ein Gerüst habe eine Breite von 80 Zentimetern, die Füße seien 20 mal 20 Zentimeter breit. Im Übrigen habe sein Mandant kein Problem, dass geräumt werde.

    Fakt sei, entgegnet Dr. Jens Sebastian Groh, der Anwalt des Nachbarn, dass die Handwerker einen breiten Arbeitsraum verlangten. "Man muss sich ja als Arbeiter bewegen können, und dort ist alles vollgeschüttet", so Groh. "In spätestens zwei Wochen haben Sie freie Fahrt, Sie können tun und lassen, was Sie wollen", erwidert Bleck. Sein Mandant, der Grundstückseigentümer, zeigt sich "enttäuscht" darüber, dass er anstelle einer E-Mail vom Nachbarn Post vom Gericht bekommen habe. Außerdem lägen an besagter Stelle "nur ein paar Bimssteine". Die würden sich in anderthalb bis zwei Stunden räumen lassen, ist sich inzwischen auch Anwalt Groh sicher.

    Zurückräumen muss der Nachbar jedoch die Steine nicht, stellt Richterin Michels fest. "Das ist unzumutbar, außerdem ist eine Räumung eine Wertverbesserung." Keine Widerrede. Einen Arbeitsraum von zwei Metern Tiefe für das Gerüst hält sie für unabdingbar. Und sie gibt beiden Parteien mit auf den Weg, binnen zwei Wochen eine Vereinbarung zu treffen. Am 29. Dezember fällt sie in der Zivilsache eine Entscheidung.

    Cochem Zell
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter
    Dienstag

    10°C - 21°C
    Mittwoch

    10°C - 21°C
    Donnerstag

    13°C - 21°C
    Freitag

    11°C - 17°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige