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Kaisersesch

Geldautomat fliegt in die Luft: Aber kein Geld für die Diebe

In der Nacht zu Donnerstag haben Unbekannte einen Geldautomaten im Kaisersescher Rewemarkt in die Luft gesprengt. Danach flohen die Diebe nach Angaben einer Anwohnerin in einem dunklen Kombi der Marke Audi in Richtung Autobahn. Dieser Zeugin zufolge handelte es sich um drei Täter. Der Sachschaden beläuft sich auf circa 30.000 Euro. Nach Angaben der Sparkasse Mittelmosel sind die Täter allerdings leer ausgegangen, haben kein Geld erbeutet. Dennoch gibt es wohl genug räuberische Sprengmeister, die auf diese brachiale Masche setzen, um an Geld heranzukommen.

Gegen 3 Uhr am Donnerstagmorgen informieren Kaisersescher, die nahe dem Einkaufszentrum an der Koblenzer Straße wohnen, die Cochemer Polizei über einen dumpfen Knall, der sie aufgeschreckt hat. Eine Streife stellt fest, dass Unbekannte die beiden gläsernen Eingangstüren des Rewemarktes aufgehebelt haben. Den Geldautomaten der Sparkasse haben sie mit einer sehr gezielten Sprengung geknackt. Danach ging es per Fluchtwagen in Richtung Autobahn.

Einige Stunden später. Die ersten Kunden wollen ihre Einkäufe erledigen. Doch ein rot-weißes Flatterband der Polizei versperrt ihnen den Weg. In weißen Overalls sichern Polizisten Spuren, tragen per Pinsel ein schwarzes Pulver auf, fotografieren. Einige Kunden fragen die Spurensicherer, andere die Medienvertreter: „Kann ich da jetzt nicht rein?“ Nein. Unverrichteter Dinge kehren sie letztlich wieder um. Rechts neben dem Eingang des Supermarktes öffnet Karin Gilles aus Brohl die Türen des Modegeschäfts Studio 5. Die Angestellte der Inhaberin Melanie Gerhard sagt: „Ich war schon aufgeregt und schockiert, als ich das hier erfahren habe.“ Schließlich steht der Geldautomat, den die Diebe im Visier hatten, direkt auf der anderen Seite der rückwärtigen Wand des Modegeschäfts. „Da denkt man dann schon, dass hier auch alles verwüstet und ausgeräumt ist“, sagt die Modeverkäuferin. Aber nichts. Die Wand hat keinen Riss, nichts.

Wie kleinräumig sich die Wucht der Explosion offenbar auf den Automaten konzentriert hat, überrascht auch Sarah Schäfer aus Mayen. Sie arbeitetet bei Blumen Irmiter, einem Geschäft links neben dem Eingang des Einkaufszentrums. Durch einen heruntergelassenen Rollladen, der das Blumengeschäft von Rewe und Bäckerei abtrennt, lässt sich ein Blick auf den zerstörten Geldautomaten werfen. „Hier drin ist so gut wie nichts passiert“, resümiert Schäfer. Ein Dekokranz ist von der Wand gefallen. Ansonsten sieht es im Blumenladen aus wie immer. „Wie die Täter das hinbekommen haben, wissen wir noch nicht“, antwortet Uli Hoppen, Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz, auf die Frage, warum sich die Sprengung räumlich derart begrenzt ausgewirkt hat. „Da sind die Kriminaltechniker ebenfalls dran.“

Nicht selten hinterlassen Geldautomatensprengungen ein wahres Trümmerfeld. So war es zum Beispiel Anfang Juni 2015 im Eifeldorf Forst. Dort flog mit dem Automaten das halbe Foyer der Filiale der Raiffeisenbank (Raiba) Eifeltor mit in die Luft (die RZ berichtete). Inzwischen hat die Raiba dort einen Neubau errichtet. In Mayen explodierte erst Ende Februar ein Geldautomat der dortigen Kreissparkasse. Zurück blieb ein Trümmerfeld. Ob die beiden Verbrechen miteinander in Zusammenhang stehen? Gegenwärtig unklar. Aber: „Man hat den Fall in Mayen im Hinterkopf und fühlt sich schon etwas verunsichert“, hält Karin Gilles fest.

Auch Sarah Schäfer beschleicht angesichts des Verbrechens und der Ermittlungsarbeit nebenan ein „mulmiges Gefühl“. Allerdings weicht es schnell der Normalität. Von 11.30 Uhr an gibt die Polizei den Rewemarkt wieder frei. Am Nachmittag meldet sich Edmund Schermann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mittelmosel, telefonisch bei der RZ. Er ist vor allem „froh, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind“ und es keine größeren Gebäudeschäden gibt. „Die Täter haben zwar Verblendung und Bedienfeld des Automaten gesprengt, aber an den Tresor mit dem Geld sind sie nicht herangekommen.“ Eine entsprechende Sicherheitsnachrüstung der Automaten habe offenbar ihre Wirkung gezeigt, sagt Schermann. Nun vertraue er auf die Ermittlungsarbeit der Polizei. So schnell wie möglich soll zudem ein neuer Geldautomat her.

Die Polizei hat sogar Videomaterial aus dem Markt. Außer der Tatsache, dass darauf drei dunkel gekleidete Gestalten zu sehen sind, verrät sie jedoch zunächst keine Details dazu. Die Auswertung der Spuren läuft.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Weiterer Geldautomat in der Pfalz gesprengt
Unbekannte haben in der Nacht zum Donnerstag im pfälzischen Bornheim einen Geldautomaten gesprengt. Der Sachschaden liegt bei mehreren Zehntausend Euro, außerdem erbeuteten die Täter Bargeld. Wie die Polizei in Landau weiter mitteilte, entstand durch die Explosion ein Brand. Die Feuerwehr rückte aus und löschte die Flammen im Innenraum. Menschen wurden nicht bei der Explosion an einem Einkaufscenter verletzt

Fallzahlen explodiert

Drastisch gestiegen ist die Zahl der Geldautomatensprengungen in Rheinland-Pfalz vor allem während des vergangenen Jahres. Gab es in den Jahren 2015 und 2016 je fünf Fälle, so waren es im vergangenen Jahr schon 23. In diesem Jahr gab es bislang schon sieben Fälle im Land, sagt Jochen Capalo vom Polizeipräsidium Mainz.

Dort hat man eine eigene Ermittlungsgruppe zu der Thematik eingerichtet. Die jüngsten Sprengungen im Koblenzer Raum: am 16. Februar in Höhr-Grenzhausen (Westerwaldkreis), am 28. Februar in Mayen und eben am Donnerstag in Kaisersesch. dad

Cochem Zell
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