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Büchel

Gegen Atomwaffen: Wenn über Büchel die Friedensfahne weht


Dieter Junker

Die Friedensaktivisten lassen nicht locker: Trotz eines neuen Sicherheitskonzepts ist es 18 von ihnen gelungen, in den inneren Bereich des Fliegerhorstes Büchel im Kreis Cochem-Zell einzudringen. Wie berichtet, durchschnitten sie am Sonntagvormittag an insgesamt fünf Stellen den Stacheldraht um das Militärgelände und betraten den militärischen Sicherheitsbereich. Nach Angaben der Friedensbewegung erreichten dabei drei Aktivisten einen Hangar, der mit einem neuen Sicherheitszaun umgeben war. Eine weitere Gruppe gelangte immerhin bis zur Landebahn.

Bei den Aktivisten handelt es sich um Angehörige eines internationalen Protestcamps mit Teilnehmern im Alter von 18 bis 75 Jahren, die sich seit vergangener Woche in Büchel aufhalten und auch schon die Zufahrt zum Fliegerhorst blockiert hatten. Sieben von ihnen kommen aus den USA, sechs aus Deutschland, vier aus den Niederlanden und einer aus Großbritannien. Unter den Personen war auch eine Rollstuhlfahrerin.

Die Aktivisten wurden auf dem Fliegerhorst von Wachsoldaten und Sicherungskräften der Bundeswehr festgesetzt, die Polizei Mayen nahm die Personalien auf und erteilte einen Platzverweis.

Büchel ist immer wieder Ziel von friedensbewegten Demonstranten. Bereits im vergangenen Jahr hatten fünf Friedensaktivisten im Alter von 72 bis 73 Jahren für Aufsehen gesorgt. Damals hatten sich vier US-Amerikaner und ein Deutscher – sie nannten sich „Prison Gang“ – längere Zeit unbemerkt im Fliegerhorst aufgehalten. Diese Aktion hatte eine Sicherheitsdiskussion um die auf dem Stützpunkt vermuteten Atombomben ausgelöst, auch im Bundestag wurde dies angesprochen. Die Bundesregierung kündigte an, das Bewachungs- und Absicherungskonzept des Fliegerhorsts zu verbessern und einen neuen Zaun zu errichten. Drei der damaligen fünf Aktivsten waren auch diesmal wieder dabei. Vor der Justiz musste sich damals lediglich der deutsche Aktivist verantworten, das Verfahren gegen die vier US-Amerikaner war eingestellt worden. Die Polizei hatte im Vorfeld laut Friedensbewegung in Gesprächen betont, dass den Teilnehmern bei einer erneuten Aktion diesmal auch eine Strafverfolgung drohen würde.

Die Aktivisten ließen sich von diesem neuen Sicherheitskonzept allerdings nicht abhalten. „Wir sind auf dem Gelände herumgelaufen, waren laut und haben auch auf uns aufmerksam gemacht“, sagte Marion Küpker von der Deutschen Friedensgesellschaft–Vereinige KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), die auch selbst zu den Demonstranten gehörte. So konnten einige der Aktivisten offenbar unbehelligt durch die offene Tür eines der neuen Sicherheitszäune auf den „Shelter“ gelangen. „Ziviler Ungehorsam ist nötig, um wichtige gesellschaftliche Veränderungen zu ermöglichen“, verteidigte Küpker das Eindringen auf militärisches Gelände. „Reclaim the land“: das Gebiet zurückerobern, auf dem Atomwaffen stationiert sind – so hatte die Friedensbewegung ihre Aktion bezeichnet.

Wie ein Sprecher der Luftwaffe betont, war die militärische Sicherheit zu keiner Zeit gefährdet. Die Bundeswehr hat gegen alle Beteiligten Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung erstattet.

In Büchel sind deutsche und US-Luftstreitkräfte stationiert. Die Friedensaktivisten fordern den Abzug der in Büchel vermuteten 20 US-amerikanischen Atombomben. Im Frühjahr war eine Anwohnerin vor dem Bundesverfassungsgericht mit ihrer Beschwerde gegen die Stationierung von US-Atomwaffen auf dem Fliegerhorst gescheitert.

Die „Aktionspräsenz“ der Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“ soll bis zum 9. August fortgesetzt werden – dem Gedenktag des Atombombenabwurfes auf die japanische Stadt Nagasaki 1945.

Von unserem Mitarbeiter Dieter Junker
Cochem Zell
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